NFT-Investments: „Hier herrscht eine große Goldgräberstimmung"

Anne Mareile Walter Sachwerte

Peter Scholz ist Professor an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). Mit procontra sprach er über die Ursachen des Non-Fungible-Token-Hypes und über die Gefahr, mit den Krypto-Investments Geld zu verlieren.

Scholz Bild: Jana Tolle

"Aus meiner Sicht wird der NFT-Markt erst einmal weiterwachsen". Wirtschaftsprofessor Peter Scholz geht davon aus, dass auch auf lange Sicht einzelne NFTs weiterexistieren werden. Bild: Jana Tolle

procontra: Der Hype um Bitcoin und Co. hält seit mehr als zehn Jahren an. Seit 2017 steigt das Investitionsvolumen in die Krypto-Anlagen der Non-Fungible Token. Wie beurteilen Sie den NFT-Boom? Sind das gewinnversprechende Investments oder handelt es sich um eine Blase?

Peter Scholz: Das Risiko, dass Anleger mit einem NFT-Investment ihr Geld verlieren, ist definitiv hoch. Es werden aberwitzige Summen in diesen Markt investiert, da kann sich eine Blase aufbauen. Es spricht aber nichts dagegen, wenn Menschen einen kleinen Teil ihres Vermögens investieren. Wenn man für Beträge NFTs kauft, die man ansonsten ins Spielcasino getragen oder mit denen man Lotto gespielt hätte, dann bringt das einen nicht um – Spielsüchtige möchte ich von dieser Feststellung allerdings ausnehmen. Anleger müssen sich bewusst sein, was sie tun und sie müssen mit dem Risiko leben können.

procontra: Wie wird sich der NFT-Markt in naher Zukunft entwickeln?

Peter Scholz: Hier herrscht aktuell eine große Goldgräberstimmung – ähnlich wie am Neuen Markt vor 20 Jahren. Aus meiner Sicht wird der NFT-Markt erst einmal weiterwachsen und morgen noch nicht zusammenbrechen. Und wenn er zusammenbricht, wird es einzelne Token geben, die weiter existieren. Als im Jahr 2000 die Dotcom-Blase geplatzt ist, sind auch nicht alle Unternehmen in die Insolvenz gegangen: Amazon und Ebay waren die großen Player, die überlebt haben.

procontra: Vor allem seit Anfang dieses Jahres wird auf dem NFT-Markt ein Milliarden-Umsatz generiert. Woher kommt dieser Boom und welchen Einfluss hatte die Pandemie?

Peter Scholz: Ich kann schlecht einschätzen, was die Pandemie bewirkt hat. Aber sicher hat es dem NFT-Markt nicht geschadet, dass die Menschen viel Zeit zu Hause vor dem Computer verbracht haben. Dass der Verkauf von NFTs derart durch die Decke geht, ist aber vor allem dem Krypto-Hype geschuldet. Hier spekuliert eine neue Generation, der „Krypto-Milliardäre“ wie Elon Musk als Vorbild dienen.

procontra: Welchen Rat geben Sie Anlegern, die trotz des hohen Verlustrisikos, in NFTs investieren wollen?

Peter Scholz: Die rechtlichen Aspekte können beim Erwerb knifflig sein. Für Laien ist es oft schwer nachvollziehbar, was sie mit dem Token erwerben. Der Verkäufer entscheidet, welche Rechte er dem Käufer abtritt. Im Regelfall erwirbt man das Eigentum an einer digitalen Datei, beispielsweise Kunstwerke, die nur als NFT existieren. Man könnte sich aber auch NFTs vorstellen, die das Eigentum an einem in der realen Welt existierenden Kunstwerk verbriefen. In diesem Fall wäre es wohl nicht möglich, mit einem Token von der Mona Lisa in den Louvre zu gehen und dort die echte Mona Lisa mit nach Hause zu nehmen.

procontra: Wie hoch ist das Fälschungsrisiko?

Peter Scholz: Eine Fälschung ist im Prinzip nicht möglich. Die Kosten, den in der Blockchain hinterlegten Code zu knacken, sind zu hoch. Allerdings könnte das Passwort für den Speicherplatz des Tokens entwendet werden. Das Risiko eines Diebstahls gibt es daher schon.

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