Negativzinsen: Rentenversicherung muss 221 Millionen Euro zahlen

Anne Mareile Walter Investmentfonds

In diesem und im kommenden Jahr muss die Rentenversicherung für die Einlage ihrer Reserven 221 Millionen Euro Negativzinsen bezahlen. Gemessen an den Gesamtausgaben ist das allerdings ein überschaubarer Betrag.

Rentenversicherung Bild: picture alliance/Jens Kalaene

Auch die Rentenversicherung wird in puncto Negativzinsen zur Kasse gebeten: 221 Millionen Euro muss sie für dieses und kommendes Jahr bezahlen. Bild: picture alliance/Jens Kalaene

Mehr als 500 Banken verlangen aktuell laut dem Vergleichsportal Biallo von ihren Privatkunden Negativzinsen, allein in diesem Jahr kamen 270 Banken und Sparkassen hinzu. Nun wird auch die Rentenversicherung für die Einlage ihrer Reserven zur Kasse gebeten: Voraussichtlich 221 Millionen Euro Negativzinsen muss sie für dieses und kommendes Jahr bezahlen. Das geht aus dem Rentenversicherungsbericht 2021 hervor.

Negativzinsen machen 0,04 Prozent der Gesamtausgaben aus

Von 2017 bis 2023 sind es insgesamt voraussichtlich 602 Millionen Euro, die die Rentenversicherung aufgrund des Einlagezinses bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bezahlen muss. Dabei betreffen die Negativzinsen die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage – und diese beziffert sich nach den jüngsten Zahlen vom Oktober auf knapp 33 Milliarden Euro. Wie ein Sprecher der Rentenversicherung dem „Spiegel“ sagte, habe die Zinsentwicklung insgesamt betrachtet aber nur untergeordnete Auswirkungen auf die Finanzsituation in der gesetzlichen Rentenversicherung. So betragen die Gesamtausgaben 2021 voraussichtlich 341,6 Milliarden Euro, 150 Millionen Euro seien Negativzinsen. „In Relation zu den Gesamtausgaben machen die Negativzinsen lediglich 0,04 Prozent aus“, so der Sprecher. Grundsätzlich werden die laufenden Ausgaben der Rentenversicherung aus den laufenden Beitragseinnahmen sowie den Bundeszuschüssen finanziert.

Ein baldiges Ende des Negativzins-Trends ist indes nicht in Sicht. So verschärften im dritten Quartal dieses Jahres nach Angaben des Vergleichsportals Verivox 30 Kreditinstitute sogar ihre bestehenden Regelungen. Einige Institute veranschlagen die Verwahrentgelte bereits ab 5.000 beziehungsweise 10.000 Euro, lange Zeit wurden sie nur auf Summen ab 100.000 Euro erhoben. Bei der Höhe des Verwahrentgeltes orientieren sich die meisten Banken und Sparkassen an dem Zins von 0,5 Prozent, den sie seit 2014 auf einen Teil ihrer überschüssigen Einlagen zahlen müssen, die sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank dürfte sich durch die Verwahrentgelte der Zinsaufwand der heimischen Geldhäuser im Einlagengeschäft zwischen Ende 2019 und Ende 2020 um rund 1,3 Milliarden Euro reduziert haben. Betroffen sind von den Negativzinsen in erster Linie Neukunden. Wenn Banken von Bestandskunden Verwahrentgelte verlangen wollen, müssen sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren. 

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