Lebensversicherung: Maximale ZZR könnte bald erreicht sein

Florian Burghardt Versicherungen

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld lastet die Zinszusatzreserve schwer auf den Lebensversicherern. Laut Assekurata könnte der ZZR-Höchststand aber schon bald erreicht sein. Diese Prognose gilt allerdings nicht für alle Anbieter.

Das dürfte einige Lebensversicherer freuen: Die Rating-Agentur Assekurata rechnet noch in diesem Jahrzehnt mit einem Ende der Zuführungen in die Zinszusatzreserve. Das gilt allerdings nicht für alle Unternehmen. Bild: Adobe Stock/F8studio

Das dürfte einige Lebensversicherer freuen: Die Rating-Agentur Assekurata rechnet noch in diesem Jahrzehnt mit einem Ende der Zuführungen in die Zinszusatzreserve. Das gilt allerdings nicht für alle Unternehmen. Bild: Adobe Stock/F8studio

Für die Lebensversicherer wird es immer schwieriger, mit dem Geld ihrer Kunden ernstzunehmende Renditen zu erzielen. „Historisch niedrige Zinsen treffen Lebensversicherer in mehrfacher Hinsicht, denn sie können immer weniger laufende Erträge aus der Kapitalanlage vereinnahmen und müssen oft noch hohe Altgarantien in ihren Beständen erfüllen“, betonte Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Rating-Agentur Assekurata am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie „EKG-Check 2021 in der Lebensversicherung“.

Um die Garantielast zu erfüllen, die die teilweise mit vier Prozent zu verzinsenden Altverträge mit sich bringen, müssen die Anbieter seit 2011 eine Zinszusatzreserve (ZZR) aufbauen. Diese bindet aber Kapital, das durch volatilere Anlagen eine höhere Rendite für die Kunden erzielen könnte.

Laut Assekurata betrug die ZZR Ende 2020 marktweit rund 86 Milliarden Euro. Aufgrund der kaum veränderten Zinssituation rechnen die Analysten in diesem Jahr mit einer Zuführung von weiteren elf Milliarden Euro.

Drei Viertel des Weges geschafft

Allerdings laufen die Verträge mit den hohen Zinsgarantien auch nach und nach aus. Sollte es bei dem aktuell konstant niedrigen Zinsniveau bleiben, dürfte laut EKG-Check der ZZR-Höchststand auf dem deutschen Markt im Jahr 2028 bei rund 130 Milliarden Euro erreicht sein. „Mit dem Ende 2021 aufgebauten ZZR-Bestand von rund 97 Milliarden Euro hätten die Lebensversicherer in diesem Szenario also bereits drei Viertel des Weges geschafft“, rechnet Lars Heermann vor.

Gleichzeitig warnt der Analyst vor teilweise großen Unterschieden innerhalb der Vertragsbestände der Lebensversicherer. So könne der Ausfinanzierungsgrad bei manchen Anbietern deutlich geringer liegen und einen ZZR-Aufbau noch bis in die 2030er Jahre erforderlich machen. Gründe dafür sind zum Beispiel, dass Altverträge mit hohen Garantien einen sehr großen Anteil des Bestands ausmachen und nicht ausreichend garantielose Neuverträge nachkommen. Welche Lebensversicherer anteilig eine besonders hohe ZZR aufbauen müssen, hat der procontra LV-Check ermittelt.

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