Kein Versicherungsschutz: Quarantäne-Verstöße können zum Ruin führen

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Bei den regulären Versicherungsschäden, also etwa dem Sturz auf dem Parkplatz oder beim versehentlichen Umstoßen einer teuren Vase, würde voraussichtlich Schutz bestehen, da dies nicht in direkter Verbindung mit dem vorsätzlichen Quarantäneverstoß steht, so der Jurist. Seine beiden Beispiele verstärken jedoch die These (letzten Endes müssten das in Einzelfällen natürlich die Gerichte klären), dass Quarantänebrecher trotz vorhandener PHV-Policen keinen Versicherungsschutz genießen, wenn sie jemanden mit Corona infizieren, da der direkte Zusammenhang zwischen Quarantäneverstoß und Infektion des anderen stets auf Vorsatz basiert. Auch das Rechtsberatungsportal Klugo.de weist darauf hin, dass die Nichteinhaltung der Corona-Quarantäne rechtlich als (versuchte) Körperverletzung gewertet werden kann. Und das kann sehr teuer werden.

Denn im Falle einer Coronainfektion steht zunächst ein möglicher Arbeitsausfall im Raum. Die dann anfallende Lohnfortzahlung könnten der Arbeitgeber des Infizierten und bei längerem Ausfall auch dessen Krankenversicherung vom Quarantänebrecher zurückfordern. Nimmt die Coronaerkrankung einen schweren Verlauf, können allein im Krankenhaus Behandlungskosten im fünfstelligen Bereich anfallen. Dazu können Long-Covid-Folgen das Gesundheitssystem langfristig belasten, zum Beispiel auch bei Pflegebedürftigkeit.

Regress und Schadenersatz drohen

Doch es sind nicht nur die Sozialversicherungen beziehungsweise die PKV, der in diesem Szenario Kosten entstehen können. Wenn die Coronaerkrankung den Infizierten berufsunfähig werden lässt oder er gar verstirbt, könnten auch die Anbieter dieser Versicherungen auf den Quarantänebrecher aufmerksam werden. Dazu kommen noch weitere Regress-Möglichkeiten, etwas dass der Infizierte durch die Erkrankung einen Vermögensschaden erleidet, weil er einen wichtigen Geschäftstermin nicht wahrnehmen kann. Im Falle von Long-Covid könnte es ihm auch erschwert werden, in Zukunft selbst eine BU, Risikoleben oder andere Biometrie-Policen abzuschießen. Auch berufliche Karrieren, die eine hohe körperliche Fitness voraussetzen, könnten dadurch beeinträchtigt werden. Mit solchen Schadenersatzansprüchen könnte er jeweils auf den Ansteckenden zukommen.

Auch wenn in den genannten Fällen wahrscheinlich Gerichte darüber entscheiden müssten, ob Versicherungsschutz besteht oder nicht, so sollten in Quarantäne befindliche Personen ihre damit verbundene Pflicht lieber nicht auf die leichte Schulter nehmen.

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