Investmentstrategien: Ist „aktiv“ noch zeitgemäß?

Investmentfonds Top News von Udo Trichtl

Zahlreiche Studien belegen, dass nur ein Bruchteil der Fondsmanager ihre Benchmark schlägt. Doch wo können sie trotzdem punkten und wie sind Kosten und Nutzen abzuwägen?

ETF, Bild: Adobe Stock/ semisatch

Seit dem Aufstieg börsengehandelter Indexfonds wird darüber debattiert, was nun die bessere Wahl sei – passive Index-Imitate oder aktiv gemanagte Investmentfonds. Bild: Adobe Stock/ semisatch

Es ist ein beliebter Streitpunkt der Finanzwelt: Seit dem kometenhaften Aufstieg börsengehandelter Indexfonds (Exchange-Traded Fund, ETF) wird heiß darüber debattiert, was nun für Anleger die bessere Wahl sei – passive Index-Imitate oder doch aktiv gemanagte Investmentfonds. In Wahrheit handelt es sich jedoch nur um eine Schein-Aktiv-Passiv-Debatte. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein sehr klares Bild, das nur wenig Raum für Interpretationen lässt.

Klassische Investmentfonds werden von professionellen Fondsmanagern verwaltet. Sie investieren das Geld ihrer Anleger am Kapitalmarkt und entscheiden anhand einer bestimmten Anlagestrategie, welche Wertpapiere ins Portfolio sollen und welche wieder verkauft werden. Dabei treten die Asset Manager mit dem Versprechen an, durch ihre Expertise den breiten Markt zu schlagen. Soll heißen: Sie wollen mit ihrer Anlagemethode eine Rendite erzielen, die höher liegt als die Performance eines Vergleichsindexes. Ob ein Fondsmanager seinen Job gut macht oder nicht, wird also daran gemessen, ob der Fonds besser abschneidet als die Benchmark.

Aktive Manager schlagen den Markt nicht

Das Problem bei der Sache: Nur eine Minderheit der Fondsmanager schafft es, die Benchmark tatsächlich zu übertreffen. Das belegen zahlreiche Untersuchungen wie die regelmäßigen Aktiv-Passiv-Barometer der Fondsratingagenturen Scope und Morningstar. Dass Fondsmanager vor allem langfristig nicht dazu in der Lage sind, den Markt zu schlagen, zeigt sich besonders eindrücklich an den Auswertungen des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices. Die Analysten vergleichen in ihrer halbjährlichen SPIVA-Studie die Performance aktiv gemanagter Aktienfonds weltweit mit entsprechenden Referenzindizes aus dem eigenen Hause.

Die Ergebnisse sind schlichtweg enttäuschend: Auf Ein-Jahres-Sicht gelingt gerade einmal 49,3 Prozent der aktiven EU-Aktienfonds die Outperformance. Bei jedem zweiten Fonds wären Anleger also mit einem passiven Investment, welches die Entwicklung eines Indexes eins zu eins nachbildet, besser gefahren. Auf Drei-Jahres-Sicht performten bereits 72,3 Prozent aller aktiven Fonds schlechter als der Vergleichsindex S&P Europe 350. Auf Sicht von zehn Jahren unterliegen sogar 84,8 Prozent.

In den USA sehen die Zahlen ähnlich aus: Je länger der Anlagehorizont, desto größer der Anteil der Nachzügler. „Es ist vor allem auf längere Sicht sehr schwierig, konsistent besser als der Marktdurchschnitt zu sein“, bestätigt Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer des ETF-Anbieters Lyxor. Daher lohne es sich für Anleger schlichtweg nicht, langfristig einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung hinterherzujagen. Ein ETF, der immerhin die Marktperformance sichert, ist in dieser Hinsicht das bessere Investment.

Hohe Kosten belasten aktives Management

Ein Grund für die schlechte Performance sind die zum Teil sehr hohen Kosten, die mit aktivem Management einhergehen und entsprechend die Anlegerrendite drücken. Dahingegen kommen „Kosten, die bei einem passiven Investment nicht entstehen, der persönlichen Wertentwicklung zugute“, sagt Meyer zu Drewer. „Das wirkt sich vor allem langfristig ganz entscheidend auf die Rendite aus.“

Damit sind die Kosten ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines geeigneten Fonds. Diese Wahl wird durch allerhand Fallstricke erschwert – und birgt damit Chancen für Berater: Sie können Aufklärungsarbeit betreiben und Kunden auf versteckte Kosten hinweisen. So vermeiden Berater, dass sich ihre Kunden unbewusst teure Fonds ins Depot holen und der draus resultierende Ärger die Kundenbeziehung nachhaltig schädigt.

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