Intransparente Kickback-Zahlungen: DVAG erneut in der Kritik

Hannah Petersohn Versicherungen Berater Top News

Medienberichten zufolge streicht die Deutsche Vermögensberatungs AG beim Verkauf fondsgebundener Lebensversicherungen neben der üblichen Provision vom Versicherer zusätzlich auch Geld von den Fondsgesellschaften ein, bei denen das Geld der Kunden angelegt ist. Der Finanzvertrieb beziehe „nur gesetzeskonforme Vergütungen“, entgegnet die DVAG.

Intransparente Kickback-Zahlungen: DVAG erneut in der Kritik Bild: DVAG

Die Kritik an der Deutschen Vermögensberatung AG reißt nicht ab. Der aktuelle Vorwurf lautet: unübliche Kickback-Zahlungen, die Kunden zum Verhängnis werden. Bild: DVAG

Die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) kommt aus den Negativschlagzeilen nicht raus: Während erst der Satiriker Jan Böhmermann den Frankfurter Finanzvertrieb als „gehirnwaschende Drückerkolonne“ bezeichnete und eine „sektenähnliche“ Unternehmenskultur anprangerte, legte die Politsendung „Frontal 21“ nach und kritisierte neben dem hohen Vertriebsdruck auf die einzelnen Vermögensberater, unter dem die Qualität der Beratung leide, die hohen Gebühren, die Kunden zu tragen haben. Das Magazin kam zu dem Schluss: „Die Versicherungskosten fressen die Gewinne auf. Die Provision steht im Vordergrund und nicht das Wohl der Kunden.“

Jetzt steht der größte Strukturvertrieb Deutschlands erneut unter Beschuss und abermals geht es um hohe Gebühren: Demnach verlangt die DVAG beim Verkauf fondsgebundener Lebensversicherungen zusätzlich auch Gebühren von den Fondsgesellschaften. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) kassiert die DVAG also nicht nur die Provisionen beim Versicherer Generali, von denen das Unternehmen ohnehin schon hohe Provisionen einstreiche, sondern auch bei den Fondsgesellschaften selbst, bei denen die Generali das Geld der Kunden anlegt.

Übliche und unübliche Kickbacks

Bei diesen Kickback-Zahlungen handelt es sich um eine unübliche Praxis, die vor allem für eine Personengruppe negative Folgen hat: die Kunden, die diese Gebühren mit ihren Beitragszahlungen ausgleichen müssen. Üblich hingegen sind Kickbacks, die von den Fondsanbietern an die Versicherer und eben nicht an den Finanzbetrieb gezahlt werden. Darüber werden Kunden dann informiert und sie erhalten im Normalfall auch einen Teil der Zahlungen.

Das sei jedoch bei der DVAG, laut dem Bericht, eben gerade nicht der Fall, das heißt weder werden die Kunden in Kenntnis gesetzt, noch werden sie an den Kickbacks beteiligt. Die DVAG reagiert auf die Vorwürfe ausweichend: „Die von der Deutschen Vermögensberatung vermittelten fondsgebundenen Produkte erfüllen sämtliche Anforderungen an Kundeninformationen sowie aufsichtsrechtliche Pflichten und Vorgaben. Wir beziehen nur gesetzeskonforme Vergütungen“, so Maria Mohr, DVAG-Pressesprecherin. Weitergehende Fragen zum Thema lässt das Unternehmen unbeantwortet.

Die DVAG gehört zu 60 Prozent plus zehn Aktien der Gründerfamilie Pohl, während 40 Prozent die Generali Deutschland Holding AG hält. Die DVAG hat über acht Millionen Kunden und beschäftigt mehr als 18.000 hauptamtliche Vermögensberater. Der Umsatz des Unternehmens lag im vergangenen Jahr bei knapp zwei Milliarden Euro, der Gewinn bei über 200 Millionen Euro.

BaFin hat Kickbacks auf der Agenda

Das aktuell kritisierte Vorgehen monierte bereits der Bund der Versicherten (BdV) als „klare Umgehung der gesetzlichen Regeln für die Beteiligung der Kunden an den Ergebnissen“, so Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Die BaFin äußerte sich nicht konkret zu dem Fall, setze sich jedoch seit einiger Zeit mit dem Thema der Vertriebsvergütung auseinander, heißt es im SZ-Bericht. Das könnte die Debatte um ein Provisionsverbot, von dem im Koalitionsvertrag keine Rede ist, wieder erneut entfachen. In der Vergangenheit kritisierte die Behörde Kickbacks als Auslöser für Interessenkonflikte: Erhält ein Unternehmen von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft besagte Kickback-Zahlungen, werde damit die Auswahl der Fonds beeinflusst. Das sei nicht im Interesse der Verbraucher, urteilte die BaFin im vergangenen Jahr.

Das Unternehmen schmückt sich gerne mit Prominenten. Neben Nick Schumacher und Fabian Hambüchen werben Horst Lichter, Helene Fischer und natürlich Jürgen Klopp für den Finanzbetrieb. Jürgen Klopp sinniert in einem DVAG-Werbetrailer: „Gute Entscheidungen zu treffen, das ist das Beste, was dir passieren kann.“ Ob Kunden des Finanzbetriebs dabei unterstützt werden, darf angesichts der aktuellen Vorwürfe bezweifelt werden.

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