Inflation: Rettet die Kaufkraft!

Stefan Terliesner Investmentfonds

Geld verliert so schnell an Wert wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie Sparer und Anleger ihr Vermögen jetzt schützen sollten, ergab eine Umfrage von procontra.

Inflation, Bild: Adobe Stock/ wifesun

Die Inflation liegt in Deutschland bei aktuell 5,2 Prozent - das ist der höchte Wert seit knapp 30 Jahren. Bild: Adobe Stock/ wifesun

Es ist Winter, aber der Wert von Geld schmilzt wie Eis in der Sonne. Über sechs Prozent beträgt die Inflation in den USA. Das ist der höchste Wert seit 31 Jahren. Die Euro-Inflation ist im November über die Vier-Prozent-Marke gesprungen. Und für Deutschland melden die Statistiker 5,2 Prozent – ebenfalls happig! Für Sparer besteht Handlungsbedarf. Sie sollten ihre Vermögen vor Entwertung schützen. Das war die einhellige Meinung der von procontra befragten Vermögensverwalter. Schutz gewährten Aktien, zum Teil auch Immobilien und Gold. Um das Anlagerisiko zu streuen, böten sich Fonds an.

Realer Verlust

Was Inflation für Bargeld und dem „Spargroschen“ auf einem unverzinsten Konto bedeutet, zeigt eine simple Rechnung: 10.000 Euro über zehn Jahre mit der aktuellen Inflation in Deutschland abgezinst, ergeben rund 6.439 Euro. Nun sagt Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Notenbank, die Geldentwertungsrate sei nur vorübergehend so hoch und werde sich bei zwei Prozent einpendeln. Aber selbst bei dieser Rate würde der Betrag von heute 10.000 Euro auf rund 8.203 abschmelzen.

Ohnehin erwarten immer mehr Ökonomen, dass die Inflation gekommen ist, um zu bleiben. „In ein paar Jahren droht ein beträchtliches Inflationsproblem“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Auch Bert Flossbach, Fondsmanager und Vorstand beim Asset Manager Flossbach von Storch, sieht „ein neues Inflationsregime“ heraufziehen. Er nennt eine Rate von in Zukunft drei bis vier Prozent. Gleichzeitig würden die Zinsen nicht deutlich steigen. In der Folge bliebe der Realzins negativ, die Sparvermögen schmölzen dahin. Dieser ergibt sich aus dem Nominalzins für ein Wertpapier oder Sparbuch abzüglich der Inflationsrate. Tatsächlich geben Banken für Geld auf einem Sparkonto oft nichts mehr. Eine zehnjährige Bundesanleihe – der Maßstab für „sichere“ Zinstitel – rentiert aktuell bei minus 0,25 Prozent.    

„Geldaufbewahrung beenden“

Vor diesem Hintergrund hat Uwe Eilers, Vorstand bei der Frankfurter Vermögen, einen eindeutigen Ratschlag für Sparer: „Jede Form von Barvermögen, egal ob Festgeld, Kontoguthaben oder Bargeld verliert durch die hohe Inflation real deutlich an Wert. Gleiches gilt für die meisten in Euro ausgegebenen Anleihen, da die Zinshöhe durch die Europäische Zentralbank massiv künstlich nach unten getrieben wurde. Somit sollte man diese genannten Formen der Geldaufbewahrung beenden.“

Stattdessen sollten Anleger „ihre Aktieninvestments stärker gewichten“. Schließlich profitierten Unternehmen im Regelfall von steigenden Preisen und höheren Margen. Dadurch entstünden auf Dauer höhere Gewinne und damit höhere Bewertungen der jeweiligen Aktien. Ebenso sehen das Petra Ahrens, Vorstand bei Maiestas, und Oliver Voigt, Finanzplaner bei Habbel, Pohlig & Partner. Beide legen den Fokus aber explizit auf „gut situierte Qualitätsunternehmen mit einer starken Marktposition“ beziehungsweise auf „Unternehmen, die mit stabilen Bilanzkennzahlen aufweisen und Preissteigerungen an die Verbraucher weitergeben können“.

Fonds als Inflationsretter

Auch solche Präzisierungen verdeutlichen, dass es in Zukunft noch stärker auf die Auswahl der Unternehmen ankommt. „Dabei lohnt es sich, auf Profis zu vertrauen“, meint Dominik Noizet, Regionaldirektionsleiter für Global Finanz. Da sich nicht jeder Anleger einen eigenen Vermögensverwalter leisten könne, biete sich für Privatleute eine Anlage in Fonds an. Für Anleger, die vor einer reinen Aktienanlage zurückschreckten, seien Mischfonds optimal. Mit Blick auf immer mögliche Verwerfungen an den Märkten sei es wichtig, „einen ausreichend langen Anlagehorizont zu haben“. Noizet denkt dabei an „mindestens zehn Jahre“. Andere Investmentprofis wie zum Beispiel Lena Lochner von Bayerische Vermögen halten fünf Jahre für ausreichend.

Flossbach geht davon aus, dass Anlegern während der Übergangszeit in das neues Inflationsregime auch mal ruppige Zeiten bevorstehen. „Damit muss man leben können, denn kurzfristige Schwankungen sind nun einmal der Preis für langfristigen, realen Wertzuwachs“, betont der Fondsmanager. Wichtig bei seinen Überlegungen sei aber, dass das Zinsniveau nicht wesentlich steigt. „Dann würde die Bewertung von Aktien sinken, so wie es in den 1970er Jahren der Fall war.“

„Gold einsammeln“

Neben Aktien sieht Flossbach Gold als Inflationsschutz an. „Seit Ende 1973, als sich der Kurs nach der Freigabe des Goldpreises bei gut 100 Dollar eingependelt hat, ist er um 6,1 Prozent pro Jahr und damit zwei Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inflation.“ Auch in Zukunft werde das Edelmetall seiner Funktion als langfristiger Inflationsschutz gerecht. Ähnlich sieht das Stephan Albrecht, Vorstand bei Albrecht & Cie. Er rät dazu, etwas Gold in Schwächephasen wie aktuell „einzusammeln“.

Bei Immobilien als Inflationsschutz gehen die Meinungen der Anlageprofis auseinander. Mirko Kohlbrecher von Spiekermann & Co. hält grundsätzlich einen Immobilienanteil im Portfolio von 10 Prozent für sinnvoll. Dieser ließe sich über den Kauf von Anteilen an einem Immobilienfonds oder von Immobilienaktien (REITs) realisieren. Eilers dagegen meint, dass in den vergangenen 30 Jahren vor allem der Zinsverfall und damit die billige Finanzierung die Immobilienpreise in die Höhe getrieben habe. „Sofern die Inflationsraten sich verstetigen, werde die EZB nicht umhinkommen, ihre Anleihekäufe sukzessiv zu beenden, was zu Zinssteigerungen führen würde.“ Steigende Zinsen wiederum würden die Immobilienpreise ins Rutschen bringen.

Kein deutlicher Zinsanstieg

Fazit: Die Inflation ist zurück. Vermutlich bildet sich ein höherer Inflationssockel, wenngleich die Basiseffekte  im kommenden Jahr verschwinden werden. Vor allem Aktien bieten in Zukunft einen gewissen Schutz und ermöglichen einen realen Wertzuwachs. Nur ein deutlich steigendes Zinsniveau oder eine dauerhaft schrumpfende Wirtschaft würde die Attraktivität von Aktien schmälern. Beides erscheint unwahrscheinlich. Statt in Einzelaktien sollten Privatanleger in Aktienfonds investieren. Etwas Gold kann als Absicherung einem Portfolio beigefügt werden.

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