Greenwashing: Wirbt die Fondsbranche mit falschen Versprechen?

Anne Mareile Walter Investmentfonds

Grüne Investments liegen im Trend. Doch werden mit dem Geld tatsächlich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen unterstützt? In einer aktuellen Studie werden erhebliche Zweifel laut.

Greenwashing: Wirbt die Fondsbranche mit falschen Versprechen?" Bild: picture alliance/Julian Stratenschulte

Eine Studie der Bürgerbewegung Finanzwende kommt zu dem Schluss: „Nachhaltiges Geld wird kaum anders angelegt als konventionelles." Bild: picture alliance/Julian Stratenschulte

Die Nachfrage nach „nachhaltigen Fonds“ steigt, der Markt boomt: In den vergangenen zwei Jahren verdoppelte sich das Vermögen von nachhaltigen Publikumsfonds und ETFs nahezu, mehr als 40 Milliarden Euro wurden seit Anfang 2020 in diesem Segment investiert. Eine zunächst positiv scheinende Entwicklung, die laut einer aktuellen Studie der Bürgerbewegung Finanzwende aber viel mit Schönfärberei und falschen Versprechen zu tun habe. Für die Erhebung wurden 314 Fonds, die in der Datenbank von Morningstar Direct als nachhaltig eingestuft wurden, mit einem Volumen von etwa 100 Milliarden Euro unter die Lupe genommen. Das Fazit der Studienautorinnen Alison Schultz und Magdalena Senn: „Nachhaltiges Geld wird kaum anders angelegt als konventionelles.“

Unternehmen werden nicht auf nachhaltigen Kurs gebracht

Denn de facto sei es nicht der Fall, dass Investitionen in „problematische Unternehmen“ oder „schädliche Sektoren“ von den als „grün“ deklarierten Fonds ausgeschlossen würden. Als Beispiel ziehen die Studienautorinnen die Branchen Energie und Transport heran. So würden im Sektor Energie mehr als 70 Prozent der als nachhaltig deklarierten Investitionen in fossilen Energien fließen, rund 100 Millionen Euro würden allein in Kohleunternehmen liegen. Eine ähnliche Situation zeigt sich im Transportsektor: Zwei Drittel der „nachhaltigen“ Investitionen kämen der Automobilindustrie zugute. Dabei ginge mehr als 90 Prozent des investierten Geldes an Unternehmen, die einen Großteil ihres Umsatzes mit Verbrennungsmotor-Fahrzeugen generieren. Nur 340 Millionen Euro würden in Elektro- und Wasserstofftechnik investiert.

Das meiste „nachhaltige“ Geld würden die Kohleunternehmen BHP und Rio Tinto erhalten, auch sämtlich „Öl-Multis“ würden finanziert. Dass mit dem Aktienkauf die Unternehmen auf einen nachhaltigen Kurs gebracht werden, konnten die Studienautorinnen ebenfalls nicht beobachten. „Dazu gibt es für den Großteil der von uns untersuchten Fonds keine überprüfbaren Belege“, schreiben sie.

Ebenso findet nach ihren Recherchen der soziale Aspekt der sogenannten ESG-Fonds kaum Berücksichtigung. So werde beispielsweise in Amazon-Aktien investiert, mehr als 563 Millionen Euro seien aus nachhaltigen Fonds dorthin geflossen. Tatsächlich werden Amazon unmenschliche Arbeitsbedingungen und die aktive Unterdrückung von Gewerkschaften vorgeworfen. Auch der iPhone-Hersteller Apple, der wegen ausbeuterischer Arbeit entlang seiner Zuliefererkette in die Schlagzeilen geriet, findet sich mit 630 Millionen Euro ebenfalls weit oben im Portfolio der nachhaltigen Fonds. Und Aktien im Wert von 34 Millionen Euro wurden vom Wohnungskonzern Deutsche Wohnen gekauft, der wegen Profitmaximierung zulasten der Mieter in der Kritik steht.

Das letzte der drei ESG-Kriterium „Governance“ ist in den Portfolios außerdem unterrepräsentiert. Als prominentes Beispiel nennen die Studienautorinnen das Investieren von „nachhaltigen“ Geldern in Wirecard-Aktien. Zudem seien 1,7 Millionen aus nachhaltigen Fonds in den russischen Energiekonzern Gazprom investiert worden.

Damit nachhaltige Geldanlagen mehr Wirkung entfalten, empfiehlt die Studie unter anderem ein einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen sowie mehr Transparenz. So soll für Anleger leichter ersichtlich sein, wie sich die Fondsgesellschaften bei den investierten Unternehmen für Nachhaltigkeit einsetzen.  

BaFin stellt Richtlinien gegen „Greenwashing" auf

Mit einem im August veröffentlichten Richtlinienentwurf will die BaFin gegen „Greenwashing“ vorgehen. Darin sind unter anderem Ausschlusskriterien für Unternehmen vorgesehen, in die ESG-Fonds investieren. Sie dürfen beispielsweise nicht mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes aus der Energiegewinnung oder dem sonstigen Einsatz von fossilen Brennstoffen (exklusive Gas) oder Atomstrom gewinnen oder nicht in Ausbeutung von Ölsand oder Ölschiefer-Vorkommen involviert sein. Aus Sicht der BaFin seien die EU-Maßnahmen nicht weitreichend genug, um zu garantieren, dass die im Prospekt als nachhaltig bezeichneten Investmentfonds tatsächlich nachhaltig investieren. „Die Offenlegungsverordnung und die Taxonomie-Verordnung treffen keine Aussage darüber, wann ein Investmentvermögen im Namen als nachhaltig bezeichnet werden kann beziehungsweise wie dessen Anlagebedingungen auszugestalten sind“, teilte ein Bafin-Sprecher dazu auf procontra-Anfrage mit.

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