Geodatenanalyse für Versicherer: Exakte Schadenbewertung und präventives Risikomanagement

Versicherungen Gastkommentar von René Schoenauer

Immer mehr Versicherer nutzen für die Einschätzung von Schäden durch Naturkatastrophen sogenannte Geodaten und -bilder, die aus der Luft aufgenommen werden. Auch für die Risikobewertung und Prävention liefert die Analyse wertvolle Informationen, kommentiert René Schoenauer.

René Schoenauer, Bild: privat

Viele Versicherer verlassen sich auf historische Daten zur Bewertung von Immobilienrisiken durch Naturkatastrophen. Doch die herkömmlichen Modelle reichen zur Risikoberechnung nicht mehr aus, warnt René Schoenauer, Director Product Marketing EMEA bei Guidewire Software. Bild: privat

Der weltweite Umsatz für Geodatenanalysen wird laut einer Prognose von Emergen Research bis 2028 bei 134 Milliarden US-Dollar liegen. Anbieter von Lösungen zur Geodatenanalyse sammeln Geodaten und -bilder mit Satelliten, Drohnen oder Flugzeugen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich strukturierte Daten extrahieren, wie etwa zum Zustand von Dächern. Versicherer nutzen diese Daten zunehmend zur exakten Bewertung von Schäden an Häusern nach Naturkatastrophen. Doch auch für die Bewertung von Risiken liefert die Geodatenanalyse wertvolle Informationen.

Mit Vorher-Nachher-Bildern: Schäden schnell dokumentieren und regulieren

Gerade wenn nach Naturkatastrophen Wohngebiete nicht mehr zugänglich sind, kann die Geodatenanalyse eine schnelle Schadenevaluation und -regulierung ermöglichen. In regelmäßigen Abständen werden dafür hochauflösende Satellitenaufnahmen von der Erdoberfläche erstellt, die anschließend zu Vergleichszwecken gespeichert werden.

Nach Wetterereignissen werden die Schäden entsprechend basierend auf den Aufnahmen abgeglichen. Zusätzlich werden die Luftbilder mit weiteren Daten verknüpft, etwa Wetterdaten oder Kundenadressen. Da sich die meisten Wetterereignisse über größere Gebiete erstrecken, lässt sich der Prozess der Schadenbewertung zusätzlich durch ein KI-Modell beschleunigen.

Das Programm, das anhand von Tausenden von Bildern trainiert wurde, zeigt schnell die Orte an, an denen Kunden betroffen sind. Mit der wachsenden Zahl an Naturkatastrophen wird die Geodatenanalyse eine immer wichtigere Rolle für ein zügiges, effizientes und zuverlässiges Schadenmanagement spielen und zu einem entscheidenden Faktor für eine hohe Kundenzufriedenheit betroffener Versicherungsnehmer werden.

Risikobewertung: Vorbeugen statt Reparieren

Viele Versicherer verlassen sich auf historische Daten zur Bewertung von Immobilienrisiken durch Naturkatastrophen. Doch aufgrund des aktuellen Klimawandels reichen die herkömmlichen Modelle zur Risikoberechnung nicht mehr aus. Die Integration einer Lösung zur Geodatenanalyse in die IT-Plattform ermöglicht Versicherern, Risiken profitabel zu berechnen oder im besten Falle sogar zu vermeiden. Die Analyse der Luftbilder berücksichtigt zahlreiche Aspekte, zum Beispiel die Lage des Gebäudes, den Zustand des Dachs und des Grundstücks.

So können Versicherer vor der Ausstellung oder Erneuerung von Policen alle Risiken, die durch Wetterereignisse entstehen könnten, sehr genau einschätzen. Darüber hinaus können sie dem Versicherten vorbeugend Maßnahmen zur Absicherung der Immobilie vorschlagen, um mögliche Schäden zu mindern oder gar zu vermeiden – was wiederum den Preis für die Police senkt. So ist diese fortschrittliche Art der Risikobewertung für beide Vertragspartner von Vorteil.

Die Geodatenanalyse bringt einen Wechsel von einem Ansatz, bei dem Reparatur und Ersatz im Vordergrund stehen, hin zu einem Modell der Vorbeugung. Die Versicherungskunden werden zu aktiven Partnern im Risikomanagement und profitieren von einer transparenten Risikobewertung.

Schrittweise implementieren

Versicherer, die eine Lösung zur Geodatenanalyse nutzen möchten, sollten am besten schrittweise vorgehen. Es empfiehlt sich, in einem ersten Schritt die Analyse von Geodaten in bereits bestehende Prozesse zu integrieren, zum Beispiel in die Risikobewertung bei Vertragserneuerungen.

Es wird prognostiziert, dass sich die Qualität und Quantität von Luft- und Satellitenbildern in den nächsten Jahren sowohl durch technologischen Fortschritt als auch durch eine größere Zahl an Anbietern relevanter Daten dramatisch verbessern wird. Es wird dann möglich sein, Geodaten noch früher in Prozesse im Versicherungslebenszyklus einzubinden und zum Beispiel eine Risikobewertung von Immobilien in kürzeren Abständen durchzuführen.

In unserer aktuellen Themenwoche beschäftigen wir uns mit der Frage, inwiefern das Thema Schadenprävention auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. „Prävention ist ein Thema, das alle gesellschaftlichen Gruppen betrifft“, mahnte erst kürzlich GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen. Schließlich erwarten auch Risikoanalysten, dass Versicherer künftig jedes Jahr immer höhere Schäden durch Naturkatastrophen, Cyberangriffe und andere Gefahren stemmen müssen.

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