Früh berät sich, wer vererben will

Mariam Misakian Sachwerte Berater Top News

Deutsche vererben jährlich mehrere Hundert Milliarden Euro. Bei den Nachkommen ist das Erbe oft Grund für Zwist. Finanzberater können ihre Kunden beim Generationenmanagement unterstützen – und so wichtige Geschäftsansätze schaffen.

Erben und Schenken, Bild: Adobe Stock/ Monkey Business

Erben und Schenken: Wie Finanzberater bei der Erbschaft helfen können. Bild: Adobe Stock/ Monkey Business

Über der Familie Lemesurier schwebt ein schrecklicher Fluch. Jeder Erstgeborene ist dazu verdammt, zu sterben, bevor er sein Erbe antreten kann. Als Vincent Lemesuriers Vater nach einem Reitunfall im Sterben liegt, erahnt er sein Schicksal bereits, kann seinen eigenen Tod aber nicht mehr verhindern. Kurze Zeit später verstirbt auch der nächste in der Erbfolge, sein jüngerer Bruder Ronald. Wie Agatha Christies Meisterdetektiv Hercule Poirot in einem seiner ersten Fälle, „Das Erbe der Familie Lemesurier“, schlussendlich aufdeckt, steckt natürlich kein Fluch, sondern Mord hinter den kuriosen Geschehnissen. Der missgünstige Onkel, Hugo Lemesuriers, wollte sich auf diese grausame Art sein Erbe sichern.

Ganz so dramatisch läuft es im wahren Leben wohl eher selten ab, doch gemäß dem Spruch „redet ihr noch miteinander oder habt ihr schon geerbt?“ sorgt der Nachlass bei Erben oft für Streit. Dabei wird das Thema in Deutschland immer wichtiger: Allein zwischen den Jahren 2015 und 2024 werden in Deutschland 3,1 Billionen Euro vererbt, schätzt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA). Mit steigendem Wohlstand hat das Erbvolumen in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen.

Um Streit zu verhindern, sollten sich Erblasser noch zu Lebzeiten Gedanken über das Thema machen und ihren Nachlass klar regeln. Dabei können Berater eine wichtige Stütze sein. „Sobald Vermögenswerte vorhanden sind, sollte man sich mit dem Thema Nachlass befassen“, sagt Markus Richert, Anlageberater beim Vermögensverwalter Portfolio Concept. „Der Berater kann dabei für verschiedene Möglichkeiten und wichtige Fragen sensibilisieren.“

Berater sollten ihren Kunden vor allem eines klarmachen: Wenn sie sich nicht mit dem Thema Erbe befassen, greift nach dem Tod automatisch die gesetzliche Erbfolge. Dann erben in erster Linie Ehepartner, Kinder und Enkelkinder, in späterer Reihenfolge weitere Verwandte. „Im schlimmsten Fall greift die Erbengemeinschaft. Dabei treffen unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Interessen aufeinander“, warnt Richert.

Bei einer Erbengemeinschaft verwalten alle Erben den Nachlass nämlich so lange gemeinsam, bis das Erbe aufgeteilt ist – Streit ist also vorprogrammiert. Besonders dann, wenn die Familienkonstellation kompliziert ist, es also beispielsweise Kinder aus unterschiedlichen Ehen gibt. Manchmal zanken Erben dabei um große Summen – etwa, ob das Elternhaus verkauft werden soll oder ob einer der Erben darin wohnen darf. Oft geht es aber auch um ideelle Werte: Wer beispielsweise die Manschettenknöpfe des Großvaters bekommt, kann ebenfalls zum Streitthema werden.

Den Anfang machen

Eine der wichtigsten Aufgaben des Vermittlers ist deshalb, seine Kunden auf solche Probleme aufmerksam zu machen und unter Umständen alle Familienmitglieder an einen Tisch zu setzen. Der Berater kann als eine Art Moderator dabei helfen, das Gespräch zu strukturieren. Das Problem dabei: Der Tod gilt als Tabuthema, mit dem sich viele Menschen nur ungern befassen. Für Berater stellt sich also die Frage, wie sie dieses unangenehme Thema möglichst sensibel beim Kunden angehen können. Richert sieht dafür viel Gelegenheit: „Finanzplaner haben die perfekte Grundlage, über das Thema Nachlass zu sprechen. Im Finanzplan sind alle Vermögenswerte erfasst, davon ausgehend kann der Berater ein Gespräch darüber anstoßen, was später mal damit passieren soll.“

Dabei muss es nicht zwangsläufig um den Tod gehen – immerhin lässt sich das Erbe oder ein Teil davon auch schon zu Lebzeiten über Schenkungen weiterreichen. An Ehegatten und eingetragene Lebenspartner sind Schenkungen in Höhe von bis zu 500.000 Euro steuerfrei möglich, an Kinder von jedem Elternteil bis zu 400.000 Euro und an Enkel bis zu 200.000 Euro. Gerade bei großem Vermögen können Erblasser ihren Nachkommen einen Gefallen tun, wenn sie zu Lebzeiten einen Teil des Vermögens verschenken, denn so können die Erben später Erbschaftssteuer sparen.

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