BU-Schutz: Wie gut agieren Versicherer im Leistungsfall?

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Die Produkte auf dem BU-Markt sind komplex und oft nur schwer zu vergleichen. Ein aktuelles Rating soll für Orientierung sorgen: Dafür wurde die Regulierungspraxis im Leistungsfall von neun Versicherern unter die Lupe genommen.

Bornberg Bild: Adobe Stock/Noey smiley

Immer noch werden zu wenig BU-Verträge abgeschlossen: Ein aktuelles Rating analysiert die Professionalität der Versicherer bei der Abwicklung von BU-Leistungsfällen. Bild: Adobe Stock/Noey smiley

Bei vielen Erwerbstätigen steht der Abschluss einer Berufsunfähigkeits-Versicherung nicht hoch im Kurs. Immer noch werden zu wenig Verträge abgeschlossen, um von einer ausreichenden Abdeckung der Bevölkerung zu sprechen, sagte kürzlich Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur Franke & Bornberg. Immerhin: Durch Corona ist ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen. So gab in unserer Umfrage „Maklers Lieblinge 2021“ jeder dritte Teilnehmer an, seit Beginn der Pandemie deutlich mehr Abschlüsse gemacht zu haben. In einem aktuellen Rating unterzogen nun Franke & Bornberg neun BU-Versicherer einem Leistungspraxis-Rating. 

Bewertungsskala mit sieben Notenstufen

Bewertet wurden bei dem Rating die Professionalität der Lebensversicherungsgesellschaften bei der Abwicklung von BU-Leistungsfällen. Dafür führten die Analysten vor Ort Interviews, untersuchten Arbeitsabläufe und werteten Daten von Leistungsfällen aus. Folgende drei Bereiche waren Gegenstand der Analyse und wurden unterschiedlich gewichtet: Qualität der Leistungsfallbearbeitung, Unterstützung des  Kunden und Qualität der Leistungsentscheidung. Bei dem ersten Kriterium ging es um die Zeit zwischen der Erstmeldung des Versicherten und der endgültigen Leistungsentscheidung des Versicherers. Unter dem Punkt „Unterstützung des Kunden“ untersuchte Franke & Bornberg unter anderem, wie kundenfreundlich die schriftliche Kommunikation war und in welchem Maß der Versicherte Hilfe bei der Geltendmachung von Ansprüchen aus der BU-Versicherung bekam. Die „Qualität der Leistungsentscheidung“ war insofern von Bedeutung, als die Ablehnung eines Leistungsantrags für den Versicherten weitreichende Konsequenzen hat.

VersicherungNote
Allianz Lebensversicherung AGFFF+
DialogFFF
Huk-CoburgFFF
Gothaer Lebensversicherung AGFF+
Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AGFF+
Ergo Vorsorge Lebensversicherung AGFFF+
Generali Deutschland Lebensversicherung AGFFF+
HDI Lebensversicherung AGFFF+
Nürnberger Lebensversicherung AGFFF+

Die Bewertungsskala sah sieben Notenstufen vor. Sie reichte von der Note „FFF+“ („hervorragend“), „FFF“ („sehr gut“), „FF+“ („gut“) und „FF“ („befriedigend“) über „F+“ (ausreichend“) und „F“ (mangelhaft“) bis hin zu „F-“ („ungenügend“). Erstmals stellten sich die BU-Versicherer Dialog und Huk-Coburg dem Rating – dabei legten sie auf Anhieb eine Punktlandung hin und schnitten beide mit der Note „sehr gut“ ab. Aus Sicht von Geschäftsführer Michael Franke ein bemerkenswertes Ergebnis: „Das schafft man nicht aus dem Stand. Das Ergebnis beweist: Dialog und Huk-Coburg betreiben die Berufsunfähigkeitsversicherung bereits über Jahre höchst professionell und kundenorientiert.“ Es sei ein „klares Statement“, sich diesem Verfahren zu stellen. „Diese Versicherer stehen zu ihrer Geschäftspraxis und haben nichts zu verbergen – auch nicht im Leistungsfall. Das schafft Vertrauen.

Grundfähigkeits-Policen auf dem Vormarsch

Seit zwei Jahren analysieren Franke & Bornberg auch die Leistungspraxis von Grundfähigkeitsversicherern (GF). Denn für viele Kunden sind die Policen eine Alternative zur BU – vor allem, wenn Letztere aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht infrage kommt. Dabei würden die GF-Produkte laut Assekurata immer mehr an Bedeutung gewinnen und mittlerweile im Neugeschäft Policen gegen Erwerbsunfähigkeit verdrängen. Nach der der Nürnberger Lebensversicherung AG ließ sich nun die Gothaer ihre GF-Leistungspraxis durchleuchten und schnitt mit der Note „gut“ ab.

Offensichtlich wird die Qualität einer Arbeitskraftabsicherung oft erst im Leistungsfall. Was die Kunden dann erwarten, ermittelte kürzlich die Ratingagentur Assekurata bei einer Befragung von 500 Besitzern einer Selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung. Drei von fünf Befragten erklärten darin, dass ihnen eine schnelle Bearbeitung ihres Antrags besonders wichtig sei. Als zweithäufigsten Punkt auf ihrer Wunschliste nannten die Versicherungsnehmer einen festen Ansprechpartner (46,8 Prozent), der sie betreut. Und jeder Dritte legt großen Wert darauf, dass der Sachbearbeiter seine individuelle Situation berücksichtigt. Überraschend: Gerade mal ein Fünftel der Befragten wünschte sich Unterstützung beim Ausfüllen des Selbstauskunft-Fragebogens. Tatsächlich würde laut den Assekurata-Analysten die Praxis aber zeigen: Viele Versicherungsnehmer haben genau damit Schwierigkeiten.      

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