Baufinanzierung: Welche Rolle spielen Fördermittel?

Martin Thaler Berater Sachwerte Top News

Die Entscheidung der Bundesregierung, die KfW-55-Förderung für Bauherren zum 31. Januar 2022 auslaufen zu lassen, schlug hohe Wellen. procontra sprach mit dem Baufinanzierungs-Spezialisten Armin Diebold über Alternativen und die Bedeutung von Fördermitteln bei der Baufinanzierung.

Makler und Baufinanzierungs-Experte Armin Diebold. Bild: Privat

Bedauert das kurzfristige Auslaufen der KfW-55-Förderung: Makler und Baufinanzierungs-Experte Armin Diebold. Bild: Privat

procontra: Die Bundesregierung lässt die KfW-55-Förderung auslaufen. Überrascht Sie diese Entscheidung?

Armin Diebold: Erst einmal finde ich die sehr kurzfristige Entscheidung der Bundesregierung, die Kfw-55-Förderung auslaufen zu lassen, sehr bedauerlich. Erst zum 1. Juli dieses Jahres hatte es Änderungen gegeben, nun wird ein halbes Jahr später die Förderung komplett gestrichen. Hier wäre ein wenig mehr Vorlaufzeit für den Bauherren sicherlich sinnvoll gewesen. 

procontra: Wurde die Förderung denn seitens der Bauherren angenommen?  

Diebold: Auf jeden Fall. Der Vorteil für den Bauherren war ja hier, dass man bei einem Neubau mit relativ wenig Aufwand die Anforderungen für die Fördermittel erreicht hat. Die leichte Erreichbarkeit wird dann wohl auch Anlass gewesen sein, diese Fördermaßnahme auslaufen zu lassen und die Kunden dazu zu bringen, die ehrgeizigeren Voraussetzungen der KfW-40 beziehungsweise KfW-40+-Förderung zu erfüllen. Hierfür müssen zukünftige Bauherren aber mehr Geld in die Hand nehmen –  für eine bessere Dämmung, ein besseres Dach oder eine bessere Lüftungsanlage, die für eine höhere Energieeffizienz notwendig sind.

procontra: Fällt denn bei einer höheren Energieklasse die Förderung auch entsprechend höher aus?  

Diebold: Ja, der für die KfW-40- beziehungsweise KfW-40plus-Förderung notwendige Mehraufwand wird vom Staat entsprechend höher honoriert – hier muss der Bauherr dann kalkulieren, welches Modell sich für ihn stärker rentiert. In Zahlen ausgedrückt: Für die „Energiehausklasse 55 Erneuerbare Energien“ bekommt man einen Zuschuss von 17,5 Prozent auf maximal 150.000 Euro – das wäre ein Maximalzuschuss von 26.200 Euro durch die KfW. Bei der „Energiehausklasse 40 Erneuerbare Energien“ bekommt man 22,5 Prozent Zuschuss auf ebenfalls 150.000 – das sind dann 33.750 Euro. Allerdings muss der Bauherr hier ja auch deutlich mehr investieren – auf den ersten Blick lohnt es sich erst einmal nicht. Allerdings wohnt man ja 30, 40 Jahre in dem Haus und sollte deswegen auch immer die eingesparten Energiekosten im Hinterkopf behalten.  

procontra: Noch lässt sich die Kfw-55-Förderung ja bis zum 31. Januar 2022 beantragen. Ist also Eile gefragt?  

Diebold: Das könnte sich schwierig gestalten, schließlich benötigt man einen offiziellen Energieberater, der bei der Kfw gelistet ist. Einen solchen so kurzfristig zu finden, der zudem zeitlich noch Kapazitäten hat, könnte eine Herausforderung darstellen.  

procontra: Gibt es darüber hinaus denn Alternativen für Bauherren?  

Diebold: Neben den Fördermaßnahmen der KfW bieten auch einzelne Landesbanken beispielsweise die L-Bank in Baden-Württemberg, oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Fördermaßnahmen an. Zuschüsse kann es auch von Gemeinden oder Städten für konkrete Einzelmaßnahmen, beispielsweise einen Heizungstausch, geben.  

procontra: Was ist, wenn ich nicht neu baue, sondern ein älteres Haus sanieren möchte? Hier dürfte es schwierig werden, Energieeffizienzklassen wie die KfW-55 zu erreichen.  

Diebold: Bei Bestandsimmobilien ist es teils bautechnisch gar nicht möglich, diese KfW-55-Anforderungen zu erfüllen. Hier gibt es spezifische Förderrichtlinien für Umbauten, wie die KfW-85-Förderung, die die bautechnischen Herausforderungen berücksichtigen. Möglich ist hier sowohl die Förderung einer Komplettsanierung aber auch von Einzelmaßnahmen, beispielsweise einer neuen Heizung. Allerdings reden wir hier natürlich von ganz anderen Beträgen.  

procontra: Welche Bedeutung haben Fördermittel für die Baufinanzierung?  

Diebold: Prinzipiell nehmen Fördermittel eine große Bedeutung ein, insbesondere wenn man die politischen Klimaziele erreichen möchte. Energieeffizienter Bau kostet nun einmal mehr Geld als der „klassische Hausbau“ – entsprechend wichtig ist es, die Bauherren hier mit einer Vielzahl von Maßnahmen zu unterstützen.   Auf der individuellen Ebene helfen die Fördermaßnahmen natürlich auch einzelnen Bauherren bei der Finanzierung, insbesondere denjenigen mit wenig Eigenkapital. Ob es jedoch wirtschaftlich sinnvoll ist, ein teures Haus mit wenig Eigenkapital zu bauen, ist noch einmal eine andere Thematik.  

procontra: Welche Rolle spielt das Thema in Ihrer Beratung?  

Diebold: Natürlich weise ich meine Kunden im Rahmen einer ganzheitlichen Beratung auf die etwaigen Fördermöglichkeiten hin. Für die jeweiligen Details sind aber die Architekten oder Energieberater die geeigneteren Ansprechpartner – allein schon aufgrund der Tatsache, dass es von Bundesland zu Bundesland verschiedene Möglichkeiten und Angebote gibt.  

procontra: Mit der KfW-Förderung will der Bund ja das Thema Nachhaltigkeit fördern. Ist hier bei Ihren Kunden ebenfalls ein Umdenken feststellbar?  

Diebold: Immer mehr Kunden ist es wichtig, sowohl beim Bau als auch bei der Beantragung stärker auf Nachhaltig zu setzen. Beim Bau schlägt sich das beispielsweise in der Verwendung nachhaltigerer Dämmmaterialien nieder. Beim Thema Beantragung geht es den Kunden, aber auch mir darum, die Prozesse möglichst digital zu gestalten und auf Papier zu verzichten. Im Idealfall müssen dann nur die Kreditverträge gedruckt werden, da diese im Original unterschrieben werden müssen.  

Zum Interviewpartner: Armin Diebold ist seit zehn Jahren in der Finanzbranche tätig. Nach einer Ausbildung bei einer regionalen Sparkasse machte sich der Wieslocher (Rhein-Neckar-Kreis) 2018 selbstständig und ist seitdem als Makler tätig, der sich auf die Themen Baufinanzierung sowie Versicherungsschutz rund um Immobilien spezialisiert hat.