Altersvorsorge: Ab dem 85. Lebensjahr sollte der Staat einspringen

Anne Mareile Walter Versicherungen

Die Talfahrt der Riester-Rente geht weiter: Auch im dritten Quartal dieses Jahres sank die Vertragszahl. Das Beratungshaus Zielke Research hat derweil eine Vision für eine zukunftsfähige private Altersvorsorge entwickelt.

Zielke_Riester Bild: Adobe Stock/naka

Mit der Abschaffung des Verrentungszwangs könnte aus Sicht der Zielke-Analysten die private Altersvorsorge zukunftsfähig gemacht werden. Bild: Adobe Stock/naka

Die Ampel-Regierung hat sich die Reform des „bisherigen Systems der privaten Altersvorsorge“ ins Koalitionspapier geschrieben. Bekanntermaßen ist eine solche dringend nötig: Nach einer aktuellen Veröffentlichung des Arbeitsministeriums ist die Zahl der Riester-Verträge im dritten Quartal dieses Jahres erneut gesunken – und zwar um 71.000 auf jetzt 16,212 Millionen Verträge. Ende 2020 hatte die Zahl der Riester-Verträge noch bei 16,370 Millionen gelegen. Die neue Bundesregierung will die private Altersvorsorge darum neu ausrichten – unter anderem soll die Einrichtung eines öffentlich verwalteten Vorsorgefonds geprüft werden. Auch renditestärkere private Altersvorsorgeprodukte gelten als Zukunfts-Option. Doch wie müssten diese aussehen? Mit dieser Frage befassten sich nun die Analysten der Zielke Research GmbH in einer aktuellen Studie.

Den Verrentungszwang abschaffen

„Ab 2025 rollt auf uns die große Verrentungswelle zu. Dann müssen wir entweder die Erwerbstätigen steuerlich stärker belasten oder eine erhöhte Staatsverschuldung in Kauf nehmen“, erklärte Analyst Carsten Zielke bei der virtuellen Vorstellung der Studie und fügte hinzu: „Ich kann der neuen Regierung daher nur raten, das Thema jetzt schnell anzugehen.“ Sein Vorschlag für eine zukunftsfähige private Altersvorsorge: Der mit dem Riester-System verbundene Verrentungszwang müsse abgeschafft werden und der Auszahlungsplan solle bis zum 85. Lebensjahr festgelegt werden. Im Fall einer längeren Lebenszeit solle die Steuergemeinschaft aufkommen. Aktuell gehen die Versicherer bei Riesterrenten-Kunden von einer Lebenserwartung von 93 Jahren aus.

Zur Illustration seines Reformansatzes lieferte Zielke ein Rechenbeispiel. Für eine Einzahlung von 100 Euro würde ein Versicherungsnehmer bei gleichbleibender Prämienzahlung 110,30 Euro herausbekommen. Würde der Verrentungszwang abgeschafft, bekäme der Versicherungsnehmer für 100 eingezahlte Euro 146,40 Euro ausgezahlt. Laut Zielke würden von der Abschaffung des Verrentungszwangs auch die Versicherer profitieren: Denn dadurch werde deren Solvenz um den Faktor 1,6 bis 2,0 verbessert.

Mit Fondssparplänen den Wettbewerb fördern

Als Schlussfolgerung aus der Studie müsse sich die Politik schließlich die Frage stellen: Muss das Langlebigkeitsrisiko derart überbewertet werden oder sollte es nicht besser durch den Staat getragen werden? Denn in dem Fall würden privat vorsorgende Bürger im Alter ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um damit die Inflation auszugleichen. Mit Fondssparplänen oder anderen Bankprodukten würde zudem der Wettbewerb gefördert, erklärte Zielke weiter.

„Sowohl bei bestehenden wie bei neuen Verträgen sollte der Verrentungszwang abgeschafft werden“, konkretisierte der Versicherungsmathematiker weiter. Dabei sollte den Riester-Kunden die Entscheidung überlassen werden, ob sie sich das angesparte Kapital einmalig auszahlen lassen oder ihren Riester-Vertrag weiter besparen. Für den Fall einer Auszahlung seien entsprechende „steuerliche Anpassungen“ nötig.

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