Aktienhandel: Kommt ein Verbot für Neobroker?

Detlef Pohl Berater Investmentfonds

Die EU-Kommission hat die Neobroker ins Visier genommen. Auch die nationale Aufsichtsbehörde BaFin schaut sich das Geschäftsmodell näher an. Das kann auch auf ETF-Sparpläne und Versicherer ausstrahlen. Die aktuelle Lage und einige Hintergründe.

Die Transparenz im Börsenhandel lässt zu wünschen übrig. Ein Verbot der Neobroker würde daran wohl wenig ändern, jedoch zu höheren Transaktionskosten führen. Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Die Transparenz im Börsenhandel lässt zu wünschen übrig. Ein Verbot der Neobroker würde daran wohl wenig ändern, jedoch zu höheren Transaktionskosten führen. Bild: Pixabay/Gerd Altmann

Im laufenden Jahr hat sich die Zahl der grenzüberschreitenden Verbraucheranfragen bei der BaFin annähernd vervierfacht. Einen Themenschwerpunkt bilden die Schlichtungsanträge zu Neobrokern. Hier bezögen sich die Eingaben zumeist auf technische Probleme, mangelnden Service und intransparente Gebühren.

Die Aufsicht warnt daher im „BaFin-Journal“: Der Neobroker selbst mag zwar von seinen Kunden keine Gebühren verlangen. Es entstehen aber auf jeden Fall Kosten, nur an anderer Stelle. Kunden werden nämlich mit Transaktionskosten belastet – und zwar durch die Market-Maker, an die Neo-Broker die Aufträge weiterleiten. Kunden könnten Kurse nur eingeschränkt vergleichen. Zum anderen böten Neo-Broker nicht immer alle Ordertypen für jeden Handelsplatz an.

Auch EU-Kommission schaut auf Neobroker

Die Dienstleistungsangebote von Neobrokern - bekannte Vertreter sind beispielsweise Trade Republic oder Scalable Capital - sind im Vergleich zu etablierten Online-Brokern oft eingeschränkt. Sie konzentrieren sich auf den Wertpapierhandel über einen browsergestützten Web-Trader und meistens auch über eine Trading-App für das Smartphone. Die BaFin überwacht, ob sich Neobroker an die Regeln halten, die für alle Broker gelten. „Aufsichtsrechtliche Erleichterungen oder Ausnahmen von verbraucherschützenden Normen gibt es nicht“, stellt die Behörde klar.

Der EU-Kommission scheint dies nicht zu reichen. Sie hat das Geschäftsmodell der Neobroker ins Visier genommen. EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness sieht vor allem die Gefahr, dass die in der Regel jungen Nutzer ihre Geldanlage über Neobroker als Glücks- oder Computerspiel begreifen und zum Zocken animiert werden, zumal die Anbieter zu wenig über die Risiken informieren. Daher soll die Branche stärker reguliert werden.

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