„Ältere sollten maximal machbaren Tilgungssatz wählen"

Stefan Terliesner Sachwerte

Worauf ältere Menschen bei der Kreditaufnahme achten sollten, erklärt Marc-Philipp Unger, Leiter Finanzierung bei MLP, im interview.

Marc-Philipp Unger, Bild: MLP

Marc-Philipp Unger, Leiter Finanzierung bei MLP, Bild: MLP

procontra: Vor fast vier Jahren trat die Immobiliar-Kreditwürdigkeitsprüfungsleitlinien-Verordnung – kurz: ImmoKWPLV – in Kraft. Laut Gesetzgeber dient das Regelwerk dem Verbraucherschutz. Was hat die Verordnung in der Praxis bewirkt?

Marc-Philipp Unger: Wenig – die Kreditvergabe hängt immer noch am Einzelfall, also der Situation des Darlehensnehmers sowie den individuellen Vergabekriterien der kreditgebenden Bank.

procontra: Ist es für ältere Menschen schwieriger geworden einen Kredit zu erhalten?

Unger: Der Gesetzgeber hat 2018 mit Inkrafttreten der ImmoKWPLV zwar etwas nachgebessert. Es gilt aber weiterhin: Je älter der Kreditnehmer ist, desto geringer sind die Chancen für ein Immobiliendarlehen – zumal Rentner meistens ohnehin über ein geringeres Einkommen verfügen.

procontra: Haben Sie Finanzierungstipps für Ältere?

Unger: Ältere Menschen sollten einen maximal machbaren Tilgungssatz wählen, der idealer Weise den Kredit innerhalb der gewählten Zinsbindung ablöst – ohne sich dabei am Ende selbst zu überfordern. Das Einbringen von maximal möglichem Eigenkapital wirkt sich nicht nur auf den Beleihungswert und dadurch auf einen günstigeren Zins, sondern generell auf die positive Kreditvergabe aus. Der Kreditgeber berücksichtigt auch sonstiges Einkommen, Ersparnisse und andere Vermögenswerte, dazu gehören aber auch zukünftige Einnahmen wie zum Beispiel der Ablauf und die Auszahlung von Lebensversicherungen.

procontra: Ein Hemmnis für den Immobilienkauf sind die vielerorts hohen Preise. Geht der Anstieg weiter oder kommt bald die Wende nach unten?

Unger: Pauschal lässt sich das natürlich nicht sagen. Während einige Städte bereits ein sehr hohes Niveau erreicht haben, gibt es in anderen immer noch Chancen. Hinzu kommt eine Reihe individueller Parameter, allen voran die Lage der angestrebten Immobilie. Grundsätzlich lässt sich auch noch feststellen, dass trotz der gestiegenen Immobilienpreise die Belastungen für die Miete oder für den Kapitaldienst bei Eigenheimen mit zirka ein Drittel des verfügbaren Haushaltseinkommen gleichgeblieben sind, beziehungsweise in Relation zu den gestiegenen Preisen sogar fallend waren. Hintergrund sind die nach wie vor günstigen Zinsen sowie der hohe Einsatz von Eigenkapital.

procontra: Ein Politikum ist auch die Zinsentwicklung. Erwarten Ihre Fachleute eine Zinserhöhung der EZB im kommenden Jahr?

Unger: Der nach wie vor niedrige Stand bei den Hypothekenzinsen ist erneut ein aktuelles Beispiel dafür, wie unkalkulierbar dessen Entwicklung ist und bleibt. Denn in der jüngsten Sitzung des EZB-Rates wurden die Leitzinsen nicht verändert, obwohl die aktuelle Inflation in Deutschland im Oktober diesen Jahres 4,5 Prozent betrug.

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