2022: Die wichtigsten finanziellen Änderungen

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Top News

Das neue Jahr beginnt mit einigen monetären Veränderungen, die Makler auf dem Schirm haben sollten. Ein kurzer Überblick mit Kundenbezug und Beratungsansätzen 2022.

Das neue Jahr startet nicht nur mit Kontaktbeschränkungen, sondern auch mit finanziellen Lasten. Manches lässt sich zumindest in eine höhere Altersvorsorge ummünzen. Bild: Pixabay/Tumiso

Das neue Jahr startet nicht nur mit Kontaktbeschränkungen, sondern auch mit finanziellen Lasten. Manches lässt sich zumindest in eine höhere Altersvorsorge ummünzen. Bild: Pixabay/Tumiso

Zum 1. Januar ändern sich wie gewöhnlich die Beitragsbemessungsgrenzen (BBG), erinnert der Finanzvertrieb MLP. Gemeint ist der maximale Bruttolohnbetrag, bis zu dem in die Sozialversicherung eingezahlt werden muss. In der gesetzlichen Rentenversicherung West – maßgeblich auch für Einzahlungen in die Betriebsrente - ist die BBG laut Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung erstmals wegen der leicht sinkenden Bruttolöhne im letzten Jahr um 50 Euro auf 7.050 Euro pro Monat gesunken (84.600 Euro im Jahr). Im Osten steigt die BBG dagegen um 50 Euro auf 6.750 Euro (81.000 Euro im Jahr).

Arbeitnehmer können bundesweit bekanntlich bis zu acht Prozent der jeweils aktuellen BBG (West) steuerfrei und vier Prozent sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds einzahlen. 2022 sinkt der steuerfreie Anteil somit um 4 Euro auf 564 Euro im Monat (84.600 x 8 Prozent : 12) und der maximale sozialabgabenfreie Anteil durch Entgeltumwandlung um 2 Euro auf 282 Euro (84.600 x 4 Prozent : 12). Die sinkende BBG (West) führt zu erheblichem Mehraufwand bei der Berechnung der verpflichtenden Arbeitgeberzuschüsse in der Entgeltumwandlung.

SV-Freibetrag auf Betriebsrente und LV-Rechnungszins

Grundsätzlich sind Leistungen der bAV in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beitragspflichtig. Seit 2020 gibt es jedoch einen Freibetrag in der Krankenversicherung, bis zu dessen Grenze die Beiträge entfallen (nicht in der Pflegeversicherung). Dieser bleibt 2022 unverändert bei 164,50 Euro. Pflichtversicherte Rentner zahlen Beiträge nur auf die bAV-Leistung, die diesen Betrag überschreitet. In der gesetzlichen Pflegeversicherung ist allerdings die gesamte Leistung beitragspflichtig.

Der Höchstrechnungszins bei klassischen Rentenversicherungen wird im Neugeschäft von derzeit 0,9 auf 0,25 Prozent ab 1. Januar 2022 abgesenkt. Das garantierte Kapital am Ende der Laufzeit fällt bei anhaltendem Niedrigzins wesentlich geringer aus – und das bei gleichbleibenden Beiträgen über die gesamte Laufzeit. Das wirkt sich auch auf Biometrie-Verträge aus, etwa die BU- und Risikolebens-Versicherung - sie werden teurer. „Faktoren wie das Alter bei Vertragsabschluss, die Vertragslaufzeit und etwaige Vorerkrankungen beeinflussen die Monatsbeiträge – ebenso wie der Höchstrechnungszins“, sagt Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge und Krankenversicherung bei MLP.

Geringere und zugleich höhere Förderung der Basisrente

Inhaber einer Basisrente können 2022 analog zur Entgeltumwandlung erstmals etwas weniger Beiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen. So sinkt der steuerliche Höchstbetrag, der an den Maximalbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung/West gekoppelt ist, um 148 Euro auf 25.639 Euro (Verheiratete das Doppelte). Gleichzeitig wächst aber der prozentuale Anteil, den das Finanzamt von den eingezahlten Beiträgen berücksichtigt, weiter: von 92 auf 94 Prozent. Somit sind 2022 maximal 24.101 Euro als Sonderausgaben abzugsfähig (2021: 23.724 Euro).

Diese Grenze erhöht sich weiter: Ab dem Jahr 2025 kann der ganze maximale Betrag (100 Prozent) steuerlich geltend gemacht werden. Aber: Als Sonderausgaben zählen Basisrentenbeiträge gemeinsam mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung. Wer also als Angestellter viel verdient, hat seine Sonderausgaben damit schon ausgeschöpft und profitiert nicht von den Steuervorteilen der Basisrente – anders als Selbstständige.

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