Zielgruppe Firmeninhaber: Chefs in Watte packen

Stefan Terliesner Versicherungen

Unternehmer und Geschäftsführer haben großen Bedarf. In der Beratungspraxis kommen sie dennoch allzu oft zu kurz. Dabei können Makler gerade hier ordentlich Pluspunkte sammeln.

Absicherung Firmeninhaber, Bild: Adobe Stock/ fotogestoeber

Im Gewerbebereich denkt man oft erst an die Absicherung des Betriebes, als zweites an Möglichkeiten für die Mitarbeiter. Welche Absicherung und Vorsorge braucht aber der Chef selbst? Bild: Adobe Stock/fotogestoeber

Im Gewerbebereich denken Vermittler oft zuerst an die Absicherung des Betriebs, als zweites an Möglichkeiten für die Mitarbeiter. Die Absicherung und Vorsorge für den Chef selbst kommen erst an dritter Stelle – und damit häufig zu kurz. Dabei sprechen Makler immer zuerst mit dem Unternehmen oder Geschäftsführer, wenn es um Lösungen geht.

Rechtsform bestimmt Strategie

Grundsätzlich ist die Vorgehensweise die Gleiche wie in einer normalen Kundenberatung. Indes sind mehr Facetten zu beachten, insbesondere steuerlicher Art. „Auch der Absicherungsbedarf ist größer als bei den Mitarbeitern des Unternehmens,“ sagt Hubertus Harenberg, Bereichsleiter Vertrieb Firmenkunden bei Swiss Life Deutschland, im Interview. Grob gibt es drei Themenfelder: Einkommensabsicherung, Altersvorsorge und eine Manager-Haftpflichtversicherung.

Bevor Chef und Makler in die Beratung einsteigen, muss die Rechtsform der Firma dokumentiert werden, „denn daraus ergibt sich die Versorgungsstrategie“, betonte Andreas Seidl, Abteilungsleiter beim Maklerpool vfm, gegenüber procontra. Eine Vorsorge über die Firma sei in der Regel nur für Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften wie eine GmbH möglich. Für den Geschäftsführer einer GbR gebe es nur die Möglichkeit privat vorzusorgen, etwa über eine Basis- oder Privatrente. Ferner sei alternatives Sparen auch ein möglicher Baustein.

Sozialversicherungsstatus wichtig

Auch Ralf Raube, Bereichsvorstand Betriebliche Altersvorsorge (bAV) bei MLP wies auf den Ausgangspunkt der Rechtsform hin: „Es gibt Unterschiede. Mitarbeitende Personengesellschaften etwa können keine bAV nutzen, sie müssen privat vorsorgen.“ Gleiches gelte meist auch für den Inhaber einer GmbH & Co. KG. Ist der „Chef“ ohne Beteiligung am Unternehmen, könne er die bAV nutzen. Ebenso, wenn er am Unternehmen beteiligt ist und es sich um eine Kapitalgesellschaft wie eine GmbH handelt. Stets, so ein Tipp des Experten, „sollte für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH vor allen Maßnahmen der sozialversicherungsrechtliche Status verbindlich festgestellt werden, um Klarheit über den Versorgungsstatus zu erlangen.“

Ist eine bAV möglich, „eröffnen sich attraktive Möglichkeiten, Versorgungslücken staatlich gefördert zu schließen“, so Raube. Der Fachmann weist auf die Direktversicherung sowie die Unterstützungskasse oder Direktzusage hin. Die zuletzt genannten Durchführungswege kämen in Frage, wenn die Direktversicherung ausgeschöpft ist, kein Angestelltenverhältnis vorliegt oder die Lohnsteuerklasse VI zugrunde liegt. Die beiden Wege seien dann steuerfrei und, wenn sie vom Arbeitgeber finanziert werden, auch sozialversicherungsfrei. Weitere Regeln der Finanzbehörden seien zu beachten, zum Beispiel nach wie viel Jahren Geschäftsführererfahrung eine bAV überhaupt in Frage kommt.

Vorsorge auch ohne Garantie

Seidl weist auf eine „kleine Besonderheit“ bezüglich Direktversicherung bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer hin: „Da dieser nicht unter dem Schutz des Betriebsrentengesetzes steht, muss nicht zwingend eine endfällige Beitragsgarantie zum Ablauf vereinbart werden.“ Folglich sei der Abschluss einer fondsgebundenen Direktversicherung mit weniger oder gar keiner Garantie möglich. Der Geschäftsführer habe dann ein „steuergefördertes Fondsdepot mit Kapitalisierungsoption und alternativ lebenslang garantierter Rentenzahlung.“

Noch wichtiger als die Altersvorsorge ist die Absicherung der Arbeitskraft. Bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH könne sie auch über den Betrieb erfolgen, so Seidl. Ansonsten sei diese Absicherung „unerlässlich, da Geschäftsführer bei Zahlung eines freiwilligen Mindestbeitrags in die gesetzliche Rentenversicherung, keine Ansprüche bei Erwerbsunfähigkeit haben.“ Zu empfehlen sei der Abschluss einer Versicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit. Diese könne bei Bedarf ergänzt werden um eine Schwere-Krankheiten-Police und bei auch körperlich mitarbeitenden Geschäftsführern auch um eine Grundfähigkeitsversicherung. Um sich im Krankheitsfall höherwertige Gesundheitsleistungen zu sichern, können ein Geschäftsführer eine private Krankenzusatzversicherung abschließen oder sich komplett privat versichern. Abhängig von zum Beispiel dem Erreichen der Mindestmitarbeiterzahl sei über den Betrieb mitunter auch der Abschluss einer betrieblichen Krankenvorsorge möglich.

Persönliche Haftung

Bedeutsam für Chefs ist auch die Manager-Haftpflichtversicherung, auch Directors and Officers- (D&O-)Versicherung genannt. Sie schützt Organmitglieder, sofern sie für Fehlentwicklungen in ihrem Unternehmen verantwortlich gemacht werden. Baut ein Manager „Mist“, muss das Unternehmen von ihm Schadensersatz fordern und seinen Anspruch notfalls vor Gericht vertreten. Anlässe für behauptetes oder tatsächliches Fehlverhalten gibt es reichlich, zum Beispiel Kalkulationsfehler, Verletzung von Berichtspflichten, kriminelles Verhalten von Mitarbeitern oder Insolvenz. Ein Manager haftet für relevante Fehler, mit seinem privaten Vermögen – es sei denn, eine D&O-Police springt ein.

Die Prämie einer D&O-Police zahlt das Unternehmen, den Schutz genießt der Manager. Anbieter sind Allianz, AXA, Talanx und Zurich. Unter dem Dach der Kölner VOV haben sich weitere Anbieter versammelt. Geld verdienen sie nicht immer, wie ein Blick auf die Schadenquoten der vergangenen Jahre belegt (siehe Grafik). Gegenüber procontra sagte Franz Held, Leiter Recht und Compliance bei VOV: „Der Klassiker ist die Unternehmens-D&O.“ Die Versicherungssumme stünde hier mehreren Managern zur Verfügung. Das Problem: Die einzelne versicherte Person kenne oft nicht die Bedingungen und habe meist auch nur wenig Einfluss auf die Vertragsgestaltung. Um eventuell nicht auf einem Schaden sitzen zu bleiben, sei alternativ oder ergänzend der Abschluss einer persönlichen D&O-Police zu prüfen. Hier zahle der Manager die Beiträge grundsätzlich selbst und verfüge im Gegenzug über eine eigene Versicherungssumme, die er nicht mit weiteren Personen teilen müsse.

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