Wissenschaftler: Ungeimpfte sollten Krankenhauskosten mittragen

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Die vierte Welle hat Deutschland fest im Griff. Angesichts der enorm hohen Behandlungskosten hospitalisierter Corona-Erkrankter bringt ein Wirtschaftsprofessor die Kostenbeteiligung von Ungeimpften ins Spiel.

Wissenschaftler: Ungeimpfte sollten Krankenhauskosten mittragen Bild: picture alliance/Pressebildagentur ULMER

Die Behandlungskosten für schwer an Corona erkrankte Menschen sind enorm hoch. Bild: picture alliance/Pressebildagentur ULMER

Mit der vierten Welle seit Pandemiebeginn hat nicht nur Deutschland zu kämpfen. Auch im Nachbarland Schweiz sieht es nicht besser aus. Der Ökonom Marius Brülhart, Professor an der Universität Lausanne, schlug nun vor, dass nicht geimpfte Corona-Patienten ihre Krankenhausrechnungen künftig selbst zahlen sollten – oder sich entsprechend versichern könnten. Wer bewusst Risiken in Kauf nehme, wie es zum Beispiel auch bei der Ausübung gewisser Sportarten der Fall sei, beteilige sich schließlich ebenfalls stärker an den Behandlungskosten.

„Es ist nun einmal eine Tatsache, dass Ungeimpfte ein viel größeres Risiko haben, im Spital zu landen – und diese Behandlungen sind sehr teuer“, so der Wirtschaftswissenschaftler in einem Gespräch mit dem Schweizer Radio und Fernsehen. Brülhart schätzte die durchschnittlichen Kosten eines Krankenhausaufenthalts mit einer Covid-19-Infektion in der Schweiz auf bis zu 30.000 Franken (28.500 Euro). Zwar bleibe Solidarität wichtig und richtig, so Brülhart via Twitter, doch gehe es um eine „Kostenbeteiligung falls Impfen mittelfristig notwendig bleiben sollte“.

Zusatzversicherung für Ungeimpfte?

Sein Vorschlag sei auch deswegen attraktiv, weil sich ein Ungeimpfter, eben analog zu Risiko-Sportlern, wiederum mit einer Zusatzversicherung absichern könnte. „Ein denkbarer Schritt Richtung Verursacherprinzip“, resümierte der Ökonom. „Nichtimpfen ist mittlerweile ein freier und bewusster Entscheid.“ Nichtimpfen ist ein Wagnis, twitterte Brülhart am Mittwoch.

In Deutschland kostet die stationäre Behandlung eines Coronapatienten, der mit einer Ecmo-Maschine beamtet werden muss, durchschnittlich 92.000 Euro. Das ist das Ergebnis des wissenschaftlichen Dienstes der AOK. „Nur“ noch 34.200 Euro sind für eine künstliche Beatmung ohne Ecmo fällig, während die Behandlung eines nicht beatmeten Patienten mit 5.800 Euro zu Buche schlägt.

Problem: Impfdurchbrüche nehmen zu

Die Diskussion um den richtigen Umgang mit Ungeimpften wird mittlerweile weltweit geführt. Der südostasiatische Stadtstaat Singapur hat nun beschlossen, dass ab 8. Dezember jene Menschen, die eine Corona-Impfung aus freien Stücken ablehnen, bei einer Infektion mit Krankenhausaufenthalt selbst für die Kosten aufkommen müssen.

Allerdings hat sich mittlerweile ein neues Problem ergeben: Der Anteil jener Covid-19-Patienten, die geimpft sind, steigt – Impfdurchbrüche werden häufiger. Etwa jeder dritte intensivmedizinisch betreute Corona-Patient über 60 Jahre in Deutschland ist laut Angaben des Robert-Koch-Instituts geimpft. Bei den 18- bis 59-Jährigen waren es 12,5 Prozent. Dieser Umstand macht die Idee einer Kostenbeteiligung kompliziert.

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