Vermittler-Vergütung: „Einen Systemwechsel wird es nicht geben“

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Ein Verbot der Provionsberatung wird es unter der Ampel-Koalition nicht geben. Das bestätigten Politiker zweier Parteien gegenüber procontra. Derweil fordern Verbraucherschützer mehr Verbindlichkeit bei der Neugestaltung der Altersvorsorge ein.

Bundestag Bild: Pixabay/icke_63

Über den Koalitionsvertrag gehen die Meinungen auseinander. Bild: Pixabay/icke_63

Viele Versicherungsvermittler werden beim Anblick des Koalitionsvertrages sichtlich aufgeatmet haben – ein Verbot der Provisionsberatung fand sich in der 177-seitigen Absichtserklärung nicht wieder.  

Dass die Abwesenheit eines entsprechenden Passus tatsächlich auch einen Verzicht auf die Provisionsberatung bedeutet, bestätigten nun Politiker von FDP und Grünen auf procontra-Nachfrage. „Dies ist nicht Bestandteil des Koalitionsvertrages und wird daher auch nicht kommen“, erklärte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler. „Letztlich zeigt uns der britische Markt, dass ein Verbot der Provisionsberatung kontraproduktiv für die Vermögensbildung gewesen wäre. Gerade bei der Altersvorsorge haben wir ja großen Nachholbedarf in Deutschland. Daher wollen wir die Anlage in Vermögensgüter, wie Aktien und Immobilien, fördern.“  

Auch Stefan Schmidt, bei den Grünen verantwortlich für den finanziellen Verbraucherschutz, bestätigte auf Nachfrage: „Einen Systemwechsel wird es nicht geben.“ Die Grünen werden sich aber weiter für eine Stärkung der Honorarberatung einsetzen, um diese zu einer Alternative zur Provisionsberatung auszubauen. „Daher setzen wir uns auch weiter dafür ein, eine Honorarordnung zu etablieren und Nettotarife bei der Provisionsberatung auszuweiten.“

Ob dies in den kommenden vier Jahren gelingen wird, bleibt abzuwarten. FDP-Abgeordneter Frank Schäffler beantwortete eine entsprechende Frage mit: „Das ist nicht vorgesehen.“  

Pläne zur Altersvorsorge zu vage

Kritik gibt es derweil von Verbraucherschützern an den Vereinbarungen der Ampel-Parteien zur Zukunft der privaten Altersvorsorge. „Die drängenden Fragen zur Altersvorsorge, zur privaten Krankenversicherung und anderen Versicherungssparten sind nicht beantwortet, bemängelte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bunds der Versicherten. Insbesondere die Zukunft der staatlich geförderten Altersvorsorge ist aus Sicht von Kleinlein zu vage formuliert. Hier haben die Ampel-Parteien vereinbart, die Einführung eines öffentlich organisierten Vorsorgefonds prüfen zu lassen. Die Betonung liegt hierbei auf prüfen. „So hat schon die Vorgängerregierung das drängende Problem der Altersvorsorge verschleppt“, monierte Kleinlein. Zwar bekenne sich die Koalition in ihrem Vertrag zu einer grundlegenden Reform der Altersvorsorge. Über die konkrete Neugestaltung ist jedoch nichts zu lesen.  

Einen Mangel an Verbindlichkeit kritisiert auch Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Mit Prüfaufträgen ist es nicht getan“, erklärte Müller und forderte die neue Bundesregierung auf, einen öffentlichen Vorsorgefonds einzuführen. „Sie darf nicht noch weitere vier Jahre verstreichen lassen“, betonte Müller.

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