Vereinfachte Gesundheitsfragen in der Risikolebensversicherung: Fluch oder Segen?

Berater Top News Gastkommentar von Tobias Bierl

Nachwuchs bekommen? Hausbau geplant? Bei bestimmten Ereignissen offerieren Risikolebensversicherer Kunden einen stark reduzierten Katalog an Gesundheitsfragen. Klingt nach einem guten Angebot – dieses sollte allerdings mit Vorsicht genossen werden, rät Versicherungsmakler Tobias Bierl.

Versicherungsmakler Tobias Bierl. Bild: Privat

Rät bei Gesundheitsfragen zum sorgfältigen Hinschauen: Versicherungsmakler Tobias Bierl. Bild: Privat

Besonders bei bestimmten Ereignissen wie der Geburt eines Kindes oder einer aktuellen Immobilienfinanzierung bieten verschiedene Versicherer in der Risikolebensversicherung vereinfachte Gesundheitsfragen an. Klingt erst einmal gut, diese können sich aber auch zum Bumerang entwickeln. Makler sollten bei ihrer Beratung auf die exakte Fragestellung achten, denn sonst entpuppt sich das vermeintliche “Schnäppchen” als böse Falle.  

Die Wichtigkeit einer Risikolebensversicherung ist nicht zu bestreiten!  

Ist man noch ledig und hat keine große Verantwortung, so ist eine Todesfallabsicherung nicht unbedingt notwendig. Das ändert sich aber insbesondere bei der Geburt eines Kindes oder einer laufenden Immobilienfinanzierung. Würde der schlimmste Fall eintreffen, so hätten die Hinterbliebenen zumindest finanziell weniger Sorgen. Somit ist die Risikolebensversicherung in unseren Augen für junge Eltern & Immobilienfinanzierer Pflicht.  

RLV-Anbieter bieten vereinfachte Gesundheitsfragen für junge Eltern & Immobilienfinanzierer  

Um eine normale Risikolebensversicherung zu bekommen, sind Antragsfragen zu beantworten. Diese sind i.d.R. sehr umfangreich, ähnlich wie bei einem Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung und bieten daher großes Stolperpotential. Anders ist es hingegen, wenn eine laufende Immobilienfinanzierung oder die Geburt eines Kindes stattfand. Hier bieten mittlerweile immer mehr (nach unserem Kenntnisstand über 15 Versicherer) vereinfachte Gesundheitsfragen für diese Zielgruppe an.  

Die Voraussetzungen der Anbieter sind immer sehr ähnlich bei einer Sonderaktion   Es gibt aber gewisse, natürliche Spielregeln, auf die geachtet werden muss:  

  • Maximales Eintrittsalter ist oft bei 45 Jahren (Ausnahme Delta Direkt bis 49 Jahre bzw. Barmenia & Württembergische & Dialog und Europa bis 50 Jahre)
  • Die Höhe der Absicherungssumme ist gedeckelt auf bis zu 500.000 Euro (Ausnahme Hannoversche & Europa)
  • Das Ereignis darf maximal 6 Monate zurückliegen (Ausnahme Basler mit 8 und Europa mit 24 Monate)

Bei der maximalen Absicherungssumme wenden wir bei großen Finanzierungen aber oftmals einen Trick an, indem wir Anbieter aussuchen, welche nicht nach vorherigen bzw. zeitgleich beantragten Anträgen fragen. So kann die Immobilie in München mit einer Finanzierungssumme von 900.000 Euro ganz einfach mit zwei Anbietern abgesichert werden mit jeweils vereinfachten Gesundheitsfragen. Hier setzen wir gerne die Delta Direkt (Tochter der LV 1871), die Dortmunder (Tochter des Volkswohl Bund) oder die DLVAG (Allianz) ein.

Es gibt aber Stolpersteine in den Gesundheitsfragen, trotz Sonderaktion  

Trotz vereinfachter Antragsfragen gilt es trotzdem die Gesundheitshistorie sauber aufzubereiten. Negativ wirken sich auf uns vermeintlich vereinfachte, aber trotzdem offene und somit “gefährliche” Gesundheitsfragen aus. Negativ finden wir z.B. die Fragestellung der Europa Versicherung mit:  

“Wurden Sie in den letzten 2 Jahren untersucht, beraten oder behandelt oder hatten Sie Beschwerden hinsichtlich”  

Danach kommt eine relativ lange Ausführung mit konkreten, aber wiederum vagen Erkrankungen (“Herz-Kreislauf, Harnwege, Psyche, chronische Atemwege”). Für uns stellt sich die Frage, inwiefern die Frage nach Beschwerden korrekt beantwortet werden kann. Wo beginnt eine Beschwerde, wo hört diese auf? Würde nur nach ärztlichen Behandlungen gefragt werden - Ok. Aber die Frage nach Beschwerden im Zuge vereinfachter Gesundheitsfragen halten wir persönlich für sehr gefährlich und als Stolperstein im Leistungsfall.   

Gesundheitsfragen bei der Dortmunder sowie der Delta Direkt

Sehr kundenfreundlich hingegen finden wir die Antragsfragen der Dortmunder, welche sich auf die Frage nach stationären Aufenthalten sowie einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme in den letzten 12 Monaten beschränkt.  

Ebenso schätzen wir die Delta Direkt, welche über fünf Jahre wissen möchte, ob es eine zusammenhängende Krankschreibung bzw. Medikamenteneinnahme von über vier Wochen gab und zudem noch direkt nach festgestellten Erkrankungen fragt, welche aber klar und eindeutig definiert sind mit “Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebserkrankung, Diabetes Mellitus, Nierenversagen, Lebererkrankung, Depression, HIV / Infektion / Aids”. Anders wie bei vielen anderen Aktionen in Verbindung kann hier sogar auch noch eine anonyme Risikovoranfrage gestellt werden, falls es eine Ja-Antwort gibt. Beide Gesellschaften sichern bei der Immobilienfinanzierung bis zu 400.000 Euro ab (Kombination möglich), bei Geburt eines Kindes können wir leider nur die Dortmunder unseren Kunden anbieten.  

Letztendlich aber bitte die konkrete Kundensituation betrachten!  

Die Delta Direkt und neuerdings die Dortmunder sind für Standardfälle unsere Favoriten im Unternehmen. Es gibt aber immer wieder Sondersituationen, auf welche wir beim Kunden achten müssen. Eine kleine Aufzählung:  

  •  Der Kunde ist zu klein für sein Gewicht (Lösung DLVAG / Allianz = keine Frage nach dem BMI)
  • Der Kunde hat vor sieben Monaten eine Immobilie finanziert (Lösung Basler respektive Europa, da diese acht bzw. 24 Monate zulassen)
  • Einfache Fragestellung & keine Frage nach Medikamenteneinnahme (= Gothaer Versicherung)

 

In seinem Blog geht Makler Tobias Bierl vertiefend auf das Thema ein. Im Artikel „Vereinfachte & wenige Gesundheitsfragen Risikolebensversicherung“ ist unter anderem eine Übersicht über alle bekannten Aktionen am Markt enthalten. Auch hier rät Bierl aber, das Motto „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“ zu beherzigen und sich die einzelnen Gesundheitsfragen genau anzuschauen.