Studie: Männer gehen öfter zur Vorsorge als Frauen

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Panorama

Männer werden oft als Vorsorgemuffel bezeichnet, ihre Lebenserwartung liegt stets unter der von Frauen. Ein Grund, am Weltmännertag mal genauer hinzuschauen. Und tatsächlich: Männer nutzten in diesem Jahr sogar häufiger Vorsorgeangebote als Frauen.

Studie: Männer gehen öfter zur Vorsorge als Frauen Bild: picture alliance/blickwinkel/fotototo

Normalerweise heißt es stets: Männer nutzen gesundheutliche Vorsorgeangebote seltener als Frauen. Eine neue Studie kommt zu anderen Ergebnissen. Bild: picture alliance/blickwinkel/fotototo

Männer sorgen schlechter für ihre Gesundheit als Frauen – so der allgemeine Tenor. Das hat kürzlich die „Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit“ sogar dazu bewogen, Männer als Vorsorgemuffel zu bezeichnen und sich an die Frauen zu wenden: Sie seien die Gesundheitsmanagerinnen für ihre Männer. Der sich daran anschließende und berechtigte Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.

Aber unabhängig von dieser degradierenden Rollenzuschreibung ist das Thema Männervorsorge natürlich relevant. So sehr, dass ihm sogar ein eigener Jahrestag zugestanden wurde: Seit nunmehr 21 Jahren wird am 3. November der Weltmännertag begangen. Der Aktionstag soll für das Thema Männergesundheit sensibilisieren, schließlich haben Männer nach wie vor eine geringere Lebenserwartung als Frauen. Ein immer wieder genannter Grund: Sie gehen seltener zur Vorsorge. Im Frühjahr dieses Jahres vermeldete die Barmer: Nur zwölf Prozent der Männer sind 2019 zur Prostatafrüherkennung gegangen, das entspricht rund 4,7 Millionen Männer. Hingegen ließen sich 40 Prozent der Frauen auf Brust- und Gebärmutterhalskrebs untersuchen.

Anlässlich des heutigen Weltmännertags hat der digitale Versicherungsmanager Clark in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov noch einmal Menschen hierzulande befragt, wie sie ihre Gesundheitsvorsorge gestalten und mit Präventionsthemen umgehen. Ergebnis der Studie, für die im September dieses Jahres über 1.000 Personen befragt worden sind: Mehr als jeder dritte Mann (42 Prozent) nimmt keine Vorsorgemaßnahmen wahr.

Männer häufiger als Frauen bei der Vorsorge

Das ist erst einmal eine beachtliche Zahl, doch hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in Bezug auf Vorsorge bei Männern etwas getan: Demnach geben aktuell 18 Prozent der deutschen Männer an, bei der Hautkrebs-Früherkennung gewesen zu sein. Vor einem Jahr waren es noch fünf Prozent weniger (13 Prozent). Auch die Vorsorge gegen Darmkrebs nahmen in diesem Jahr 17 Prozent der männlichen Teilnehmer war. 19 Prozent haben sich vorsorglich gegen Prostatakrebs untersuchen lassen. Diese beiden Werte lagen im Vorjahr noch bei elf Prozentpunkten.

Aber besonders interessant sind die Ergebnisse im Geschlechtervergleich: Während 26 Prozent der männlichen Befragten einen Komplett-Check haben vornehmen lassen, gaben nur 21 Prozent der befragten Frauen an, diese Untersuchung in Anspruch genommen zu haben.

Diese Entwicklung zeigt sich, gemäß der Studienergebnisse, auch in weiteren Bereichen: So haben nur 16 Prozent der Frauen und damit immerhin zwei Prozentpunkte weniger als Männer das Hautkrebsscreening genutzt. Bei der Darmkrebsvorsorge waren es sogar nur neun Prozent der weiblichen Befragten im Vergleich zu den bereits genannten 17 Prozent der Männer. Auch bei der Vorsorge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen Frauen mit neun Prozent weit hinter den Männern (17 Prozent). Insgesamt gaben gar 44 Prozent der Frauen an, gar keine präventiven Gesundheitschecks vorgenommen haben zu lassen – also stehen sie in diesem Jahr Männern bei der Gesundheitsvorsorge sogar nach.

Spätestens angesichts dieser neuen Zahlen müsste die „Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit“ nun also umlenken. Heißt es in der aktuellen Broschüre, die eine Spiegel-Kolumnistin dankenswerterweise aufgegriffen hat, noch: „Sie (Frauen, Anm. d. Red.) behalten den Mann im Blick, erkennen meist früh Veränderungen und wissen sehr genau, wann es Zeit wird für einen Arztbesuch“, könnte es ja jetzt heißen: „Ganz gleich, ob Sie mit jemanden zusammenleben und welches Geschlecht diese Person hat: Denken Sie selbstständig im Sinne eines mündigen Erwachsenen an Ihre Gesundheit und wälzen Sie nicht ihre Selbstverantwortung einem anderen Menschen über!“

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!