Stellt R+V Kunden schlechter als nach GDV-Bedingungen?

Detlef Pohl Berater Top News

Ein fränkischer Makler wollte seinem Kunden sehr guten Elementarschutz bieten. Bei näherer Recherche entdeckte er eine Bedingungsänderung der R+V. Die bringt nicht nur den Kunden im Ernstfall um die Leistung, sondern auch den Makler in die Haftung.

„Die Neufassung der Wohngebäude-Bedingungen von R+V stellt den Kunden schlechter als die GDV-Bedingungen“, kritisiert Makler Harald Thummet. R+V sieht das anders. Bild: Thummet

„Die Neufassung der Wohngebäude-Bedingungen von R+V stellt den Kunden schlechter als die GDV-Bedingungen“, kritisiert Makler Harald Thummet. R+V sieht das anders. Bild: Thummet

Nach den verheerenden Überschwemmungen dieses Sommers in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geht die Assekuranz von 250.000 versicherten Schäden und einem Gesamtaufwand von rund sieben Milliarden Euro aus. Mehr als 1,5 Milliarden Euro seien bis Ende September bereits ausgezahlt worden, heißt es beim GDV.

Wohl dem, der bei solchen extremen Wetterereignissen richtig versichert ist, also als Hauseigentümer neben der Wohngebäudeversicherung auch den Zusatzschutz gegen Elementargewalten besitzt. Der Zulauf an Versicherungswünschen ist enorm: Im dritten Quartal registrierte der GDV etwa 400.000 neue Elementarschadenversicherungen bei Wohngebäuden und schätzt, dass am Jahresende rund 50 Prozent aller Wohngebäude den Zusatzbaustein haben werden.

Kunde will volle Klimaschutz-Police fürs Haus

Zu den Interessenten gehört auch ein Ehepaar aus Franken, das seinen Versicherungsmakler wie folgt beauftragte: „Wir möchten eine Elementarversicherung haben, die jegliche Form der möglichen Auswirkungen durch den Klimaschutz umfangreich abdeckt, dazu gehört auch Starkregen.“ Harald Thummet, Inhaber der Thummet Versicherungsmakler GmbH in Heroldsberg bei Nürnberg, übernahm die Marktrecherche und wollte schon aus alter Gewohnheit die R+V empfehlen, bei der er viele Wohngebäudekunden mit Versicherungsschutz versorgt hat.

Eher durch Zufall entdeckte er, dass die R+V zwischenzeitlich ihre Bedingungen verändert hat. Zum einen schränkt sie den Versicherungsumfang bei Überschwemmung ein, weil in den neueren Elementarschadenbedingungen neben den „erheblichen Wassermengen“ auch gefordert wird, dass „der überwiegende Teil von Grund und Boden des Versicherungsgrundstücks überflutet“ sein muss.

Auf der anderen Seite erweiterten R+V und die zum Konzern gehörende Condor optional gegen Mehrbeitrag per Klausel „Elementar Spezial“ den Schutz auf Schäden durch Eindringen von Wasser durch Fenster, Türen und Lichtschächte, ohne dass hierfür der Tatbestand der „Überflutung“ erfüllt sein muss. Diese Erweiterung und die vorher ausgeschlossene „Teilüberflutung“ sind jedoch auf 50.000 Euro Entschädigung begrenzt.

Makler muss sich mit veränderten AVB bei R+V herumschlagen

Thummet hält dies für eine Verschlechterung der Bedingungen gegenüber den Musterbedingungen des GDV. Dort steht klipp und klar: Als Überschwemmung gilt die Überflutung von Grund und Boden des Versicherungsgrundstücks mit erheblichen Mengen von Oberflächenwasser. Dies gilt nur, wenn eine Ausuferung von oberirdischen (stehenden oder fließenden) Gewässern, Witterungsniederschläge oder ein Austritt von Grundwasser an die Erdoberfläche als Folge der Ausuferung von oberirdischen Gewässern die Überflutung verursacht haben. „Kein Wort davon beim GDV, dass überwiegende Teile von Grund und Boden, also über 50 Prozent, überflutet sein müssen, wie es nun aber die R+V verlangt, wenn sie für den Schaden aufkommen soll“, ärgert sich Thummet.

Da nutze es dem Kunden wenig, wenn er gegen Zusatzbeitrag nun „Weitere Naturgefahren Spezial“ in den „Wohngebäude-Bedingungen comfort (Fläche)“ unter Punkt 4.4. absichern kann, so Thummet. „Denn im Zweifel bleibt er schon auf dem Totalschaden seines Hauses sitzen, weil das Wasser nicht auf dem Grundstück steht, sondern wie im Ahrtal das Haus mit sich gerissen hat“, so der Makler. Aber auch diese kostenpflichtige Zusatzdeckung bringe nichts, wenn die Entschädigung auf 50.000 Euro begrenzt ist. „Diese Obergrenze hat die R+V mir ausdrücklich bestätigt, was wiederum meinen Kunden dazu bewogen hat, vom Schutz bei R+V Abstand zu nehmen“, berichtet Thummet.

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