Schadenfall der Woche: Ein Unfall sprengt die Gesetze von Raum und Zeit

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Ein junger Autofahrer schließt einen Telematiktarif ab, in der Hoffnung auf geringere Versicherungsbeiträge. Doch schon bald meldet die Technik, er sei in einen Unfall verwickelt gewesen. Inmitten des Atlantiks, viele Jahre vor seiner Geburt.

Schadenfall der Woche: Ein Unfall sprengt die Gesetze von Raum und Zeit Bild: procontra

Telematiktarife können ein Segen für Autofahrende sein, wenn sie zu geringeren Versicherungsbeiträgen führen. Aber die Technologie dahinter kann ihre Tücken haben, wie ein britischer Autofahrer nun feststellen musste. Bild: procontra

Die Telematic-Technologie kann ein Segen sein: Wer vorsichtig fährt, kann mit geringeren Prämien in der Kfz-Versicherung rechnen. Gerade für jüngere Autofahrende, deren Beitragszahlungen höher ausfallen, ist das ein Segen. Dieses Einsparpotenzial wollte auch der 20-jährige Aaron Horlock aus Großbritannien nutzen, wie die britische Tageszeitung Daily Mirror berichtet.

Der junge Fahrer ließ also seinen fahrbaren Untersatz mit einer Telematikbox ausstatten, in der Hoffnung auf geringere Beiträge. Die Box funktionierte zunächst wie erwartet. Horlock, ein in London lebender Musiker, erhielt jedoch alsbald eine Benachrichtigung des Versicherungsunternehmens Freedom Brokers, das die Box verschickt hatten. Die Firma wollte von ihm wissen, ob er in einen Unfall verwickelt war. Verwundert über die Frage und wohlwissend, dass das nicht der Fall gewesen ist, überprüfte Horlock die zur Box gehörende Telematik-App.

Ein Unfall jenseits physikalischer Gesetze

Und tatsächlich: Angeblich habe er 1970 einen Unfall gehabt - allerdings ganze 27 Jahre vor seiner Geburt. Sein Auto, ein Volkswagen Fox, mit dem der vermeintliche Unfall passiert sei, wurde zudem erst 37 Jahre nach dem angelichen Crash produziert. Und es wurde noch ominöser: Die App zeigte den Unfallort mehrere hundert Kilometer von der Küste Nigerias entfernt an - inmitten des Ozeans.

Horlock informierte das Versicherungsunternehmen und kam glimpflich davon. Denn hin und wieder können, so der Mirror, Fehler von Telematikunternehmen auch dazu führen, dass Versicherungen gekündigt werden oder die Prämien steigen, wie Aussagen auf der Bewertungsplattform Trustpilot zeigten.

Demnach habe ein anderer Autofahrer, dem die Telematikbox mehr Meilen angedichtet hatte, als er tatsächlich gefahren ist, besagte Box zerlegt und dem Recyclingprozess übergeben. Das Ergebnis: Das Unternehmen, das die Box geschickt hat, meldete sich bei dem Fahrer, weil er bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt worden sei - und zwar einen knappen Monat, nachdem er das Fahrzeug bereits verkauft hatte.

Verbindungsprobleme

Dass Telematikgeräte zeitweise die Verbindung verlieren können, sei mittlerweile bekannt, so die britische Tageszeitung. Wer zum Beispiel auf einer Autobahn mit 110 Stundenkilometer unterwegs sei und dann unter einer Brücke durchfahre, auf der wiederum nur 40 Stundenkilometer erlaubt sind, dem werde auch mal ein Bleifuß vorgeworfen.

Die Erklärung: Einige Geräte zeichnen die Bewegungsdaten in regelmäßigen Impulsen auf, während andere dauerhaft die Verbindung versuchen zu halten und sie genau dadurch aber ab und an verlieren. Wenn das geschieht, könnte es zu fehlerhaften Aufzeichnungen kommen, was laut Freedom Brokers, bei Horlock passiert sei.

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