PKV: Beiträge steigen im Schnitt um 4,1 Prozent

Martin Thaler Berater Versicherungen

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge 2022 durchschnittlich um 4,1 Prozent steigen, hat der PKV-Verband errechnet. Damit fallen die Beitragsanpassungen weiterhin höher aus als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

Beitragsanpassung Bild: picture alliance/Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge im Schnitt zum Jahresbeginn um 4,1 Prozent steigen, rechnet der PKV-Verband vor. Bild: picture alliance/Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Für die Versicherten der Privaten Krankenversicherung wird es im kommenden Jahr im Schnitt um 4,1 Prozent teurer werden – das geht aus einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) hervor. Hierbei handelt es sich um einen Durchschnittswert: Während sich prämientechnisch für manche Versicherte nichts ändern wird, dürften die Beitragsanpassungen für andere Versicherte deutlich ansteigen.  

Damit fallen die durchschnittlichen Beitragsanpassungen zwar wesentlich geringer aus als noch 2021 (8,1 Prozent), liegen jedoch weiterhin über dem zehnjährigen Schnitt: Zwischen 2012 und 2022 wurden die Beiträge durchschnittlich um 2,6 Prozent erhöht.  

Diskussion über GKV-Wechseloption für Beamte

Die teils hohen Beitragsanpassungen in der PKV sind immer wieder Grundlage für die Systemfrage in der Krankenversicherung. Parteien wie SPD und Grüne sprechen sich für einen Umbau des dualen Gesundheitssystems zu einer Bürgerversicherung aus – bislang jedoch erfolglos. Auch unter einer möglichen Ampel-Koalition wird eine Bürgerversicherung keine Realität werden. In ihren Sondierungsgesprächen verständigten sich Grüne und SPD mit der FDP darauf, auch zukünftig die PKV erhalten zu wollen.  

Allerdings sollen einem Medienbericht des Nachrichtendienstes Business Insider zufolge die Ampelparteien derzeit über eine bundesweite GKV-Wechseloption für Beamte diskutieren – bislang gibt es entsprechende Wechselmodelle nur in einzelnen Bundesländern (Hamburg, Bremen, Brandenburg, Thüringen). Beamte könnten dann leichter in die GKV wechseln, da die Beamten dann auch für die GKV einen Zuschuss vom Bund bekommen würden, wie sie es mit der Beihilfe auch für die PKV erhalten.  

Beamte sind derzeit überwiegend in der privaten Krankenversicherung versichert und sind folglich eine Stütze der PKV. Kritiker sehen eine entsprechende Wechselmöglichkeit als ersten Schritt in Richtung Bürgerversicherung – entsprechend kritisch wird die Idee von der FDP betrachtet, berichtet „Business Insider“. Da die Grünen diesen Punkt als nicht koalitionsentscheidend betrachteten, käme es auf eine Verständigung zwischen SPD und FDP an. Über den aktuellen Stand der Verhandlungen ist allerdings nichts bekannt – nur wenig Informationen dringen aus den aktuellen Koalitionsgesprächen nach außen.  

Geringere Anpassungen als in der GKV

Derweil bemühen sich die Autoren der WIP-Analyse die Beitragsanpassungen in der PKV zu relativieren. Während in der PKV die Beitragseinnahmen zwischen 2012 und 2022 um 29,7 Prozent gestiegen seien, waren es in der Gesetzlichen Krankenversicherung 37,8 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Steigerung der Prämien- und Beitragsbelastung lag in der PKV mit 2,6 Prozent folglich unter der der GKV (3,3 Prozent). „Damit nahm die Belastung der PKV-Versicherten im betrachteten Zeitraum in geringerem Maße zu als in der GKV“, fassen die Kurzanalyse-Autoren Frank Wild und Lewe Bahnsen zusammen.

Zudem verweisen die Autoren auf den besonderen Mechanismus für Beitragsanpassungen in der PKV. Diese dürfen nämlich nur erfolgen, wenn einer der sogenannten auslösenden Faktoren anspringt, sprich die Sterblichkeit oder die Versicherungsleistungen die ursprüngliche Kalkulation um – je nach Vertrag ­– zwischen fünf und zehn Prozent übertrifft. 

„In vielen Tarifen in der PKV gibt es durch diesen Prämienanpassungsstau mehrere Jahre lang keine Änderungen, dann aber eine deutlich spürbare Erhöhung“, halten die Autoren fest. Immer wieder hatte sich der PKV-Verband in der Vergangenheit dafür eingesetzt, diesen Mechanismus anzupassen, um die Prämienanpassungen zu verstetigen – bislang jedoch erfolglos.

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