Nachhaltige Gewerbe-Versicherungen: „Makler sollten als Risikoberater in die Beratung einsteigen“

Stefan Terliesner Versicherungen Berater Top News

Auch für Gewerbekunden nimmt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung zu. Doch welche Angebote haben die Versicherer dafür im Regal und was sollten Makler bei der Beratung beachten? Jan Roß, Bereichsvorstand Maklervertrieb bei der Zurich Gruppe Deutschland, sprach mit procontra über Pläne der Zurich und Herangehensweisen für Makler.

Jan Roß, Bild: Zurich Gruppe Deutschland

Jan Roß, Bereichsvorstand Maklervertrieb bei der Zurich Gruppe Deutschland. Bild: Zurich Gruppe Deutschland

procontra: Warum ist Nachhaltigkeit im Markt für Gewerbeversicherungen überhaupt ein Thema?

Jan Roß: Als einer der großen Gewerbeversicherer in Deutschland erhalten wir sowohl von Kunden als auch von Versicherungsmaklern das Signal, dass das Thema Nachhaltigkeit in allen Lebens- und Geschäftsbereichen immer präsenter wird. Nachhaltigkeit ist eben kein kurzfristiger Trend, sondern die Prämisse, unter der Gewerbetreibende alle zukünftigen Entscheidungen abwägen.

procontra: Das bedeutet?

Roß: Aus der Zusammenarbeit zwischen Versicherungsunternehmen und Gewerbetreibenden kann eine gemeinsame Verantwortung entstehen, genau solche Ressourcen zu schützen und bei Bedarf wieder aufzubauen. Das ist streng genommen sogar der Kern von Versicherungen und zeigt sich heute in konkret nachhaltigen Lösungen in der betrieblichen Altersvorsorge, aber auch bei der Absicherung der Unternehmen selbst. Angefangen in der Zeichnungspolitik bis hin zur Lösung für E-Mobilität des Unternehmens. Dabei sollte aus unserer Sicht auch das Versicherungsunternehmen selbst eine verantwortungsvolle Position im Umgang mit Nachhaltigkeit einnehmen.

procontra: Wie lässt sich Nachhaltigkeit im Gewerbemarkt umsetzen?

Roß: Nachhaltigkeit ist in vielen Bereichen des Versicherungsvertriebs zu beachten. Dies beginnt bereits dabei, dass Makler schon im Beratungsgespräch die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden erfragen und diese bei ihren Produktangeboten in den Vordergrund stellen. Anschließend müssen wir als Versicherer passende Produktlösungen und Schadenabwicklungsprozesse anbieten, die Nachhaltigkeitsaspekte umfassen.

procontra: Was davon gibt es bei Zurich bereits?

Roß: Um kleine und mittelständische Unternehmen bei einer nachhaltigeren Ausrichtung zu unterstützen, haben wir die Absicherung von klimaschonenden Möglichkeiten wie Photovoltaik, Geothermie oder auch Ladestationen und Wall-Boxen für E-Fahrzeuge bereits in unseren Firmenschutz integriert. Im Schadenfall übernehmen wir außerdem die Mehrkosten, die aus der Verwendung umweltfreundlicher oder ökologischer Baustoffe stammen.

procontra: Welche Pläne gibt es darüberhinaus?

Roß: Wir haben den Anspruch, uns als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zu etablieren. Das Thema Nachhaltigkeit wurde in die weltweite Unternehmensstrategie implementiert. Wir zeigen dieses Engagement, weil wir wissen, dass etwas getan werden muss, um künftige drohende Katastrophen zu verhindern.

procontra: Schäden durch Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen nehmen zu. Lassen sich solche Risiken langfristig überhaupt noch kalkulieren beziehungsweise bleiben die Prämien bezahlbar?

Roß: Die jüngsten Unwetterkatastrophen haben verdeutlicht, dass wir auch in Deutschland der Gefahr schwerer Naturkatastrophen ausgesetzt sind. Bisherige wie auch erwartbare Schadenereignisse bewegen sich – was den materiellen Schaden betrifft – noch in einem Rahmen, den wir aus anderen Regionen der Welt kennen. Exemplarisch sei hier auf die regelmäßig auftretenden Hurricanes in den USA verwiesen. Insoweit ist die Versicherungswirtschaft grundsätzlich durchaus in der Lage, derartige Schadenereignisse zu vertretbaren Kosten abzusichern. Allein das menschliche Leid, das wir in den vergangenen Monaten leider erfahren mussten, verdeutlicht allerdings, dass ein qualifizierter staatlicher Klimaschutz, mit einer entsprechenden Raumplanung und einem adäquaten Hochwasser- und Katastrophenschutz unabdingbar sind, um uns für den Umgang mit Naturkatastrophen zu rüsten und die entsprechenden Risiken auch längerfristig zu vertretbaren Kosten versicherbar zu machen. Ein einfaches „Weiter so“ darf es an dieser Stelle nicht geben.

procontra: Wie kann man sich bei Industrie- und Gewerbekunden als eine Art Nachhaltigkeitsberater positionieren?

Roß: Wir stellen unseren Geschäftspartnern beispielsweise ein Expertennetzwerk, Studien und verschiedene Tools zur Verfügung, damit Makler gemeinsam mit ihren Kunden über Nachhaltigkeitsaspekte sprechen und auf die Präferenzen des Kunden zugeschnittene Lösungen anbieten zu können. Ein Beispiel hierfür ist unser CO2-Abdruck-Rechner, um Kunden das Thema Nachhaltigkeit möglichst anschaulich zu machen.

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