N26: BaFin begrenzt Anzahl der Neukunden

Florian Burghardt Digital

Die Digitalbank N26 wächst offenbar so rasant, dass die Geschäftsorganisation nicht mehr mitkommt. Deshalb hat die BaFin eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um das Fintech wieder in die Spur zu kriegen. Unter anderem wurde ein Sonderbeauftragter zur Überwachung abgestellt.

Zu rasantes Wachstum: Die BaFin hat der Berliner Digitalbank N26 eine Neukunden-Bremse auferlegt. Bild: Adobe Stock/Ascannio

Zu rasantes Wachstum: Die BaFin hat der Berliner Digitalbank N26 eine Neukunden-Bremse auferlegt. Bild: Adobe Stock/Ascannio

Seit einiger Zeit wirbt die Digitalbank N26 mit aufwendigen TV-Werbespots um Neukunden. Zur Primetime und auf den größten Privatsendern. Diese Strategie trägt offenbar Früchte. In den vergangenen drei Jahren hat das Berliner Fintech die Anzahl seiner Kunden, nach eigenen Angaben, verdreifacht. Von 2,3 Millionen Anfang 2019 auf mittlerweile rund sieben Millionen in 25 Ländern weltweit.

Doch diese Entwicklung verlief offenbar zu schnell, zu hektisch. Deshalb muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nun erneut bei N26 eingreifen – bereits Mitte 2019 hatte die Aufsicht Kritik am Expansionsverhalten der Digitalbank geäußert und ihr zudem im Mai 2021 wegen Mängeln bei der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf die Finger geklopft. Wegen einer hohen Anzahl an verspäteten Verdachtsmeldungen verhängte die BaFin damals sogar eine Geldbuße in Höhe von 4,25 Millionen Euro.

Maximal 50.000 Neukunden pro Monat

Nun sieht die Aufsicht keine andere Möglichkeit als das Wachstum der auf mobiles Banking ausgerichteten Firma einzugrenzen. Dabei geht es um Mängel im Risikomanagement in den Bereichen Informationstechnologie und Auslagerungsmanagement, schreibt die BaFin in einer Presseinformation. Um wieder eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation herzustellen und Risiken für die operationelle Resilienz einzudämmen, sei nun ein Sonderbeauftragter eingesetzt worden, der die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen überwacht.

Diese sehen konkret vor, das Wachstum von N26 auf 50.000 Neukunden pro Monat zu begrenzen. Hochgerechnet lag der durchschnittliche monatliche Kundenzuwachs der Bank in den vergangenen drei Jahren bei über 130.000. Weiterhin hat die BaFin erlassen, dass der Forderungswert an durch Immobilien besicherten Risikopositionen bei N26 maximal 500 Millionen Euro weltweit betragen darf.

Warteliste für die Kontoeröffnung

Die Anordnung ist seit dem 06.11.2021 bestandskräftig und ist der Digitalbank, die seit diesem Jahr auch Versicherungen anbietet, bereits einen Monat zuvor angeordnet worden. Aus Sicht des Fintechs hören sich die Inhalte der Anordnung weniger dramatisch an. In einem Beitrag des Unternehmens-Blogs vom 20. Oktober heißt es: „Wir möchten unser Unternehmen noch stärker für die Zukunft machen. Deshalb fokussieren wir uns aktuell darauf, unseren Service, unser Produktangebot und unsere Prozesse noch weiter zu verbessern – denn so können wir in Zukunft eine noch bessere Bank für unsere Kundinnen werden. Diese Entscheidung erfordert, dass wir unter anderem wegen der starken Nachfrage nach unseren Banking-Produkten vorübergehende Änderungen vornehmen müssen: Die Anzahl an Bankkonten, die wir Neukunden monatlich anbieten können, werden wir vorerst anpassen.“ Wer aktuell kein Konto eröffnen kann, könne sich aber auf die Warteliste setzen lassen.

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