Krankenzusatzversicherungen: Die Profiteure und Verlierer beim Geschäft mit dem Extra-Schutz

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Krankenzusatzversicherungen laufen derzeit wie geschnitten Brot – Corona hat den Boom noch einmal zusätzlich befeuert. Doch wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer – das zeigen zwei neue Untersuchungen zum Thema.

Zusatzversicherungen Bild: Pixabay/LMoonlight

Das Geschäft mit Krankenzusatzversicherungen läuft – doch nicht für jeden gleichermaßen, wie zwei neue Untersuchungen zeigen. Bild: Pixabay/LMoonlight

Krankenzusatzversicherungen erfreuen sich bei den Deutschen weiterhin großer Beliebtheit – daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Eher im Gegenteil hat Corona die Nachfrage nach einem möglichst umfassenden Gesundheitsschutz zusätzlich angefacht. Denn es sind vor allem eigene Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, die Menschen zum Abschluss einer Krankenzusatzversicherung animieren – das legt zumindest eine Untersuchung des Beratungshauses „Heute und Morgen“ nahe. Von den 300 Befragten gab gut ein Drittel (31 Prozent) an, eine Zusatzversicherung aufgrund eigener Leistungsfälle abgeschlossen zu haben. Ein weiterer Treiber waren darüber hinaus Hinweise von Freunden, Verwandten und Bekannten (26 Prozent).  

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Kölner Ratingagentur Assekurata stieg die Zahl der Verträge marktweit um 744.562 auf insgesamt 27.392.081. Angesichts des rückläufigen Geschäfts mit der Krankenvollversicherung wird das Geschäft mit Zusatzversicherungen für viele Versicherer zu einem immer wichtigeren Standbein.  

Barmenia übertrumpft sie alle

Größter Gewinner dieser Entwicklung ist die Barmenia, die den Bestand an zusatzversicherten Personen 2020 um insgesamt 112.017 ausbauen konnte. Ein überdurchschnittlich hohes Wachstum im Zusammenhang mit Krankentagegeld- und Zahnzusatzversicherungen verzeichneten auch der Münchener Verein (+ 81.657), die Gothaer (+59.249), die Hallesche (+ 57.616), die Ergo (56.138), die Union (54.384) und die Allianz Krankenversicherung (51.277), die ihren Bestand an versicherten Personen allesamt um jeweils über 50.000 ausbauen konnten.  

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dieser Entwicklung haben auch Versicherungsvermittler, wie die oben genannte Heute und Morgen-Untersuchung unterstreicht. Zwar ist das Internet für die meisten Interessierten mit Abstand die erste Informationsquelle. Doch diejenigen, die keinen Berater in ihre Entscheidung miteinbeziehen, brechen den Abschlussprozess wesentlich häufiger ab als diejenigen, die einen Vermittler zur Rate ziehen. „Berater bleiben zentraler Abschlusstreiber und Abschlussweg in der Krankenzusatz-Sparte“, sagt auch Michaela Brocke, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen. Jedoch fügt sie an: „Im Vergleich zu 2014 gilt dies aktuell allerdings in weniger starkem Maße. Das Internet hat als Abschlusskanal deutlich aufgeholt. Zugleich wächst die Bedeutung persönlicher Weiterempfehlungen als Impulsgeber.“  

Nach wie vor sind Berater jedoch der wichtigste Abschlusskanal: 44 Prozent der Befragten gaben an, beim Abschluss auf den Berater zu setzen. 2014 waren es noch 59 Prozent gewesen. Das Internet holt hingegen stark auf: Bereits 38 Prozent der Krankenzusatzversicherungen wurden laut dieser Studie übers World Wide Web abgeschlossen (2014: 30 Prozent). Der Großteil der Abschlüsse erfolgt hierbei über die Webseiten der Versicherer (30 Prozent). Vergleichsportale, wie Check24, spielen eine wesentlich geringere Rolle (8 Prozent).

An dieser Entwicklung dürfte jedoch auch Corona seinen Anteil gehabt haben – lange Zeit blieben die Vermittlerbüros im vergangenen und diesem Jahr pandemiebedingt geschlossen. Und dennoch bleibt der persönliche Abschlussweg entscheidend.  

Die Bestandskönige im Zusatzgeschäft

Von der positiven Entwicklung am Geschäft mit den Ergänzungsversicherungen konnten jedoch nicht alle Krankenversicherer profitieren. Das Kölner Ratinghaus Assekurata machte insgesamt sechs Unternehmen ausfindig, deren Bestand an versicherten Personen in der Zusatzversicherung schwand: die Signal Iduna (-9.854), die Continentale (- 7.286), die Axa (-5.989), die Süddeutsche (- 4.171), die LKH (- 3.361) sowie die Alte Oldenburger (- 1.988).  

Am Gesamtranking der erfolgreichsten (gemessen an der Zahl der versicherten Personen) Krankenzusatzversicherer hat 2020 nicht gerüttelt. Nach wie vor vereint die Ergo-Tochter DKV die meisten Zusatzversicherten unter ihrem Dach: 3.576.052 Zusatzversicherte waren es am Ende des Jahres und damit ein paar mehr als noch Ende 2019 (3.574.383). Weit abgeschlagen auf Platz zwei rangiert die Allianz Krankenversicherung mit 2.174.776 Zusatzversicherten, gefolgt von der Signal Iduna (1.895.949), dem Vollversicherten-Primus Debeka (1.797.648) und der Ergo (1.712.720).  

Hinweis: Auch procontra hatte vor einiger Zeit die Geschäftsberichte der einzelnen Krankenversicherer im Hinblick auf den Bestand der Zusatzversicherten untersucht und war teilweise auf andere Zahlen gekommen. Im Gegenstz zu Assekurata flossen bei procontra nur die stationären und ambulanten sowie die Zahnzusatzversicherungen ein. Assekurata berücksichtigt hingegen auch andere Krankenzusatzversicherungen, wie Krankentagegeld- oder Krankenhaustagegeldversicherungen. Lediglich Auslandskrankenversicherungen wurden von den Kölnern nicht berücksichtigt.

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