Kfz-Versicherungen für E-Autos: „Hersteller wie Tesla werden uns Makler verdrängen“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Peter Bieger ist als Makler seit fünf Jahren auf Kfz-Versicherungen für E-Autos spezialisiert. Wie er es geschafft hat davon zu leben und warum er trotz des Megatrends Elektromobilität mit großen Bestandsverlusten rechnet, verrät er im procontra-Interview.

Makler Peter Bieger hat in den letzten Jahren bevorzugt auf Kfz-Versicherungen für Tesla-Fahrer gesetzt. Das könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Bild: Bieger

Makler Peter Bieger hat in den letzten Jahren bevorzugt auf Kfz-Versicherungen für Tesla-Fahrer gesetzt. Das könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Bild: Bieger

procontra: Sie sagen, dass Sie sich als Makler auf die Versicherung von E-Autos spezialisiert haben. Wie kam es denn dazu?

Peter Bieger: Im April 2016 habe ich mir einen Renault Zoe mit Elektroantrieb bestellt. Bei der Recherche nach Kfz-Versicherungstarifen für E-Autos gab es damals nur wenige Möglichkeiten. Also habe ich begonnen, mir Bedingungen im Detail anzusehen und die Ergebnisse in einer Tabelle festgehalten. Ziel war es, den Menschen Infos zur Verfügung zu stellen, die es sonst nirgendwo gab und erst einmal in Vorleistung zu gehen und etwas zu geben, ohne direkt etwas zurückzubekommen. Bei dieser Vorgehensweise konnten potentielle Kunden mein Knowhow nutzen und den Abschluss alleine machen; aber es gab auch viele, die erkannt haben, dass da jemand mehr Ahnung als alle anderen hat und das Beratungsangebot gerne angenommen haben.

procontra: Welche Schritte waren denn notwendig, bis Sie von sich behaupten konnten, Profi auf diesem Gebiet zu sein?

Bieger: Ganz entscheidend war, dass ich damals den Zugang zu zwei großen Internetforen für E-Auto-Fahrer gefunden habe. Eines davon ist speziell für Tesla-Fahrer. Dort konnte ich Beiträge schreiben und die Fragen anderer Nutzer beantworten. Die Kunden kamen dann bald von ganz allein. Außerdem habe ich mir eine Internetseite gebaut, die meine Spezialisierung auf E-Autos herausstellt. Zusätzlich wurde ich auch offizieller Werbepartner für eines der Internetforen.

85 Prozent des Einkommens durch Kfz-Policen

procontra: Wie viele Kfz-Versicherungen für E-Autos haben Sie denn bisher vermittelt?

Bieger: Zu Beginn, also 2016, waren es 30. Ein Jahr später dann 120. Mittlerweile habe ich circa 1.800 Fahrzeuge im Bestand. Das sind ganz überwiegend Privatkunden und davon viele Tesla-Fahrer.

procontra: Die durchschnittliche Jahresprämie für eine Kfz-Haftpflichtdeckung plus Vollkasko liegt bei knapp 600 Euro. Ihren Umsatz machen Sie dann vor allem über das Cross-Selling?

Bieger: Nein, die Kfz-Versicherungen machen etwa 85 Prozent meines Einkommens aus. Da es sich bei den Fahrzeugen meiner Kunden in vielen Fällen um relativ neue, hochwertige Autos handelt, liegt die Durchschnittsprämie in meinem Bestand eher so bei 800 Euro. Damit fahren viele von ihnen preislich aber relativ günstig.

procontra: Können Sie so hohe Rabatte geben?

Bieger: Rabatte hängen ausschließlich mit den Möglichkeiten der Maklerdienstleister zusammen, mit denen ich zusammenarbeite. Da gibt es durchaus Unterschiede. Ganz wichtig war für mich der Zugang zu einem Pauschalpreiskonzept für Elektroautos. Als 2012 die ersten Renault Zoe, Nissan Leaf und Tesla zugelassen wurden, gab es kaum Kfz-Versicherer, die sich mit so einer kleinen Nische beschäftigen wollten. Deshalb suchten damals alle E-Autokäufer händeringend nach Versicherungsmöglichkeiten, die sie bei ihrem ‚Stammversicherer‘ nicht gefunden haben. Da die Pauschalpreiskonzepte damals auch sehr niedrige Preise hatten und die Community unter E-Auto-Fahrern in den Foren hervorragend funktionierte, verkauften sich die Tarife fast von allein.

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