Kfz-Telematik-Tarife: Parkplatzsuche und neue Policen per App

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung werden immer beliebter. Durch die individuell angepassten Tarife sollen Autofahrer Geld sparen. Dabei bietet die Software ganze neue Möglichkeiten zur Schadenprävention.

Telematik Bild: Adobe Stock/Sven Krautwald

Die Nachfrage nach Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung steigt. Dabei sind die "Pay as you drive"-Angebote umstritten. Bild: Adobe Stock/Sven Krautwald

In Frankfurt am Main ist ein Kfz-Kunde mit dem Auto unterwegs, im Bahnhofsviertel der Stadt sucht er nach einem Parkplatz. Für den Versicherer eine zweifelhafte Wahl, denn: Die Zahl der Autoeinbrüche ist in dieser Gegend hoch, das Schadensrisiko dementsprechend groß. Die Telematik-App des Kfz-Versicherers unterbreitet dem Kunden daher einen Vorschlag: Fahre Parkhaus X an, hier ist das Risiko eines Einbruchs gering, an den Parkkosten beteiligt sich die Versicherung. „Das ist ein günstiger Weg zur Schadenprävention. Und er zeigt, wie Telematik und Personalisierung die Schadenwahrscheinlichkeit reduzieren können“, sagt Andreas Meyer. In einem kurzen Vortrag skizzierte der Sales Director des israelischen Softwarehauses Earnix auf dem Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig die Veränderungen, die Telematik, Tarifierung und Personalisierung für die Kfz-Versicherung mit sich bringen. Earnix produziert die für die Telematik-Tarife notwendige Software.

Telematik könnte bei Überversicherung Abhilfe schaffen

Vor allem durch Corona habe das Thema in den vergangenen eineinhalb Jahren an Bedeutung gewonnen, die Nachfrage von Versicherungskunden nach Telematik-Tarifen sei gestiegen, sagt Meyer und nennt ein Beispiel: Wegen der Pandemie hätten viele Autofahrer ihr Fahrzeug nicht nutzen können und daher den Gedanken gehabt: „Wenn ich ohnehin nicht fahren darf, möchte ich nur das bezahlen, was ich auch in Anspruch nehme.“

Dass die Nachfrage nach „pay as you drive“-Tarifen steigt, zeigen auch Zahlen des Kfz-Marktführers Huk-Coburg: Nach Einführung der Telematik-Tarife vor zwei Jahren seien mittlerweile mehr als 400.000 Kunden davon überzeugt, teilte das Unternehmen kürzlich mit.

Ein Vorteil der personalisierten Technik, den Andreas Meyer nennt: Durch Telematik könne dem Problem der Überversicherung entgegengewirkt werden. Es gehe eben nicht nur um „pay as you drive“, sondern auch um „pay where you drive“. „Wenn beispielsweise der Kunde angegeben hat, dass er hauptsächlich auf Bundesstraßen fährt und dann plötzlich auch auf Autobahnen unterwegs ist, kann man eine zusätzliche Deckung anbieten“, erklärt Meyer. Und: Durch Telematik und personalisierte Daten könne auch die Höhe der Deckung richtig berechnet werden. „Es geht generell darum, dem Kunden zu sagen: Hier kannst du dein Risiko minimieren und dadurch sparst du Geld“, unterstreicht Meyer und fügt hinzu: „Und letztendlich spart dadurch auch der Versicherer.“

Zudem ließen sich durch Ermitteln des individuellen Fahrverhaltens Produkte anderer Sparten leichter hinzubuchen. Für den hypothetischen Fall, dass ein Kunde von München nach Österreich fährt, könne der Versicherer beispielsweise per Telematik-App eine Skiversicherung oder eine Auslandskrankenversicherung für einen Tag anbieten.

Fahrstil beeinflusst die Versicherungsprämie

Für Telematik-Tarife sprach sich kürzlich auch die Deutsche Aktuarsvereinigung (DAV) anlässlich der Ende November endenden Kfz-Wechselsaison aus. Die Auswertung von zum Beispiel Beschleunigungs-, Kurven- und Bremsverhalten würde den Versicherten einen unmittelbaren Eindruck von ihrem Fahrstil vermitteln – und so könnten sie selbst Einfluss auf ihr individuelles Risiko und damit auf ihre Versicherungsprämie nehmen. „Die aus der Risikoverhaltensänderung resultierende sinkende Schadenlast könnte potenziell sogar auf das Gesamtkollektiv in Form sinkender Prämien ausstrahlen, wenn es sich dabei um einen nachhaltigen Trend handeln sollte“, sagte DAV-Vorstandsmitglied Detlef Frank. Kritik an den „pay as you drive“-Angeboten kommt hingegen vom Bund der Versicherten (BdV): Die Telematik-Tarife würden den Versicherungsgedanken kaputt machen und das Prämienniveau insgesamt anheben.  

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