Insurtechs: Warnung vor dem Hype

Martin Thaler Versicherungen Highlights 2021

Investoren glauben offenbar an das Geschäftsmodell junger Startups aus dem Versicherungsbereich und stellen diesen hohe Summen zur Verfügung. Bei BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund sorgt das für Verwunderung.

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Zeigte sich verwundert über die hohen Summen, die Insurtechs zuletzt von Investoren einsammelten: BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Sie sind einst angetreten, um die Versicherungsbranche aus den Angeln zu heben oder zu disruptieren, wie es im Marketing-Sprech so schön heißt. Und viele Investoren scheinen den jungen Insurtech-Firmen einiges zuzutrauen: Laut aktuellem InsurTech-Briefing von Wills Towers Watson flossen jungen Versicherungsunternehmen in den neun Monaten des Jahres 2021 weltweit über zehn Milliarden US-Dollar zu – ein Rekord.

Auch in Deutschland erhalten Insurtechs von Investoren teils hohe Summen. Erst Anfang Oktober hatte das Heidelberger Unternehmen Getsafe, unlängst von der BaFin mit einer Versicherer-Lizenz ausgestattet, weitere 55 Millionen Euro eingesammelt. Im Frühjahr hatte das Frankfurter Unternehmen Clark bekannt gegeben, von Investoren weitere 69 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Peanuts, verglichen mit dem Berliner Neo-Versicherer WeFox: Dieser erhielt gleich 650 Millionen Dollar von Investoren und ist mit einer Firmenbewertung in Höhe von 3,5 Milliarden eines der wenigen „Einhörner“ der deutschen StartUp-Landschaft – hierunter versteht man junge Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro.

„Ein klein wenig verwunderlich“

Diese Summen sorgen bei Frank Grund, zuständig für die Versicherungsaufsicht bei der BaFin, für Irritation. „Es ist ein klein wenig verwunderlich, dass Leute so viel Geld investieren“, bemerkte Grund auf einer Konferenz der Nachrichtenagentur Reuters, über die das Handelsblatt berichtete.

Zwar hätten die jungen Unternehmen die Branche durchaus belebt und auch agiler gemacht, von einer Revolutionierung der deutschen Versicherungslandschaft könne allerdings bisher keine Rede sein. Insgesamt sieben Insurtechs – neben Getsafe sind das der Krankenversicherer Ottonova, mailo, Coya, Neodigital, Element und die Provinzial-Tochter andsafe – haben mittlerweile eine BaFin-Lizenz und können als Versicherer tätig werden. Die Prämieneinnahmen dieser Unternehmen summieren sich bislang aber gerade einmal auf 0,02 Prozent des gesamten Beitragsvolumens der Branche. „Sie wachsen, sie werden besser, aber seien wir vorsichtig, dass es keinen Hype gibt“, bemerkte Grund.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!