Google: „Wir sehen uns als Partner für die Versicherungsbranche“

Florian Burghardt Digital Versicherungen Top News

Die deutsche Versicherungsbranche sorgt sich seit Jahren, dass ihr US-amerikanische Tech-Giganten Marktanteile abjagen könnten. Auf einer Fachtagung stellten Abgesandte von Google und Microsoft nun Klarheit her – und richteten gutgemeinte Kritik an die Versicherer.

Google als Versicherer – vor dem Einstieg des Tech-Giganten als Versicherer zittert die Branche immer wieder. Bild: Adobe Stock/Teerasan

Google als Versicherer – vor dem Einstieg des Tech-Giganten als Versicherer zittert die Branche immer wieder. Bild: Adobe Stock/Teerasan

Mit einem bedrohlichen Unterton wird seit Jahren über den Einstieg von Google, Apple, Facebook und Amazon (kurz: GAFA) auf dem deutschen Versicherungsmarkt spekuliert. Wohlgemerkt als Konkurrenz für die etablierten Versicherungsunternehmen und gegebenenfalls auch für die Vermittler. Bedrohlich, weil man von den Tech-Giganten nichts anderes erwarten würde als das Akquirieren großer Marktanteile.

Doch geht es nach Lutz Kohler, Leiter Vertrieb Business Applications bei der Google Deutschland GmbH, sind solche Sorgen – seinen Arbeitgeber betreffend – unbegründet. „Wir sehen uns nicht als Feind, sondern als Partner für die Versicherungsbranche. Etwa durch die Lieferung von Lösungskomponenten“, sagte Kohler am Dienstag auf dem Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig.

Als Beispiel nannte er die Google Earth Engine. Diese Cloud-basierte Analyseplattform ermöglicht es Nutzern, Satellitenbilder auszuwerten. Solche Daten können, laut Kohler, auch Grundlage sein, um Schadenereignisse und deren Ausmaß besser vorhersehen zu können. Entscheidend sei es aus seiner Sicht, dass die deutschen Versicherer die Nutzung solcher und anderer moderner Möglichkeiten endlich vermehrt angehen. „Entweder, man ist Teil von etwas, das eine Branche verändert oder man wird verändert“, sagte Kohler.

Microsoft bemängelt brachliegende Daten

In dieselbe Kerbe schlug anschließend Manuel Holzhauer. Er war unter anderem für die Munich Re und den Insurtech Hub München tätig und verantwortet seit knapp zwei Jahren den Bereich Industry Executive Insurance bei der Microsoft Deutschland GmbH. Auch Holzhauer verwies auf die weitreichenden Möglichkeiten, die großen Datenmengen und vor allem deren gezielte Nutzung für die Versicherungsbranche bedeuten könnten. Schließlich könne man aus dem Kaufverhalten der Menschen Vieles ableiten, das sie bislang noch niemandem mitgeteilt haben. Die Versicherer hingegen würden, zum Beispiel PKV-Anbieter, auf einem vielfach größeren Datensatz dieser Menschen sitzen, ihn aber nicht nutzen. Sie würden erst im Leistungsfall etwas mitkriegen, quasi wenn es schon zu spät ist, so Holzhauer.

Wie Cloud-basiertes Versichern geht, könne man an Lemonade oder Wefox sehen, sagte der Microsoft-Mann. Beide hätten mittlerweile eine Marktkapitalisierung von rund drei Milliarden US-Dollar. „Das ist jeweils etwa ein Zehntel von der Generali oder der Munich Re, die beide schon seit über 100 Jahren am Markt sind“, sagte Holzhauer. Die Lösungen seien also bereits einsatzbereit.

Dennoch glaubt Holzhauer, dass Microsoft niemals in direkte Konkurrenz mit seinen Kunden treten wird, also mit Versicherungsunternehmen, die ja selbst Microsoft-Produkte für ihren Geschäftsbetrieb benutzen. Eine ähnliche Einschätzung hatte kürzlich Jürgen Cramer, Vorstand der Sparkassen Direktversicherung, abgegeben. Die Tech-Giganten würden sich an ihre Kernkompetenzen halten und die Versicherungsbranche nur mit unterstützenden Service- und Vertriebsmöglichkeiten tangieren, so der Tenor.

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