Fahrt durch Waschanlage: Wer haftet für beschädigten SUV?

Anne Mareile Walter Versicherungen Recht & Haftung Berater

Für Schäden, die in der Waschstraße an einem Auto entstehen, haftet in den meisten Fällen der Anlagenbetreiber. Doch wie ist die Rechtslage im Fall einer einwandfrei gewarteten Anlage?

Waschanlage Bild: Adobe Stock/monticellllo

In den meisten Fällen muss der Betreiber einer Waschanlage Schäden bezahlen, die am Auto entstehen. Nur in Ausnahmefällen haftet der Fahrer. Bild: Adobe Stock/monticellllo

Wer als Autofahrer in eine Waschanlage fährt, kann normalerweise von folgender Regelung ausgehen: Für möglicherweise am Fahrzeug entstehende Schäden haftet der Anlagenbetreiber. Nun kam die 4. Zivilkammer des Landgerichts Frankenthal (LG) zu einem anderen Urteil. In Ausnahmefällen muss demnach der Fahrzeugbesitzer für Schäden aufkommen (Az: 4 O 50/21).

Was war passiert?

Ein Mann aus dem Rhein-Pfalz-Kreis hatte seinen SUV in der Waschanlage reinigen wollen und war vor dem Befahren von einem Mitarbeiter eingewiesen worden. Während des Waschvorgangs kam es zum Malheur: Das auf dem Förderband laufende Fahrzeug wurde plötzlich linksseitig leicht angehoben. Die Waschanlage stoppte daraufhin. Auch ein zweiter Versuch scheiterte und der Waschvorgang musste schließlich abgebrochen werden. Das Ergebnis: Der vordere, rechte Bereich des SUV wurde beschädigt. Der Fahrer forderte daraufhin Schadenersatz vom Betreiber der Waschanlage.

In der Regel ist der Anlagenbetreiber dazu auch verpflichtet. Eine Ausnahme gibt es allerdings, wenn sich der Kunde in der Anlage falsch verhalten hat oder das Fahrzeug defekt war. Da beides hier nicht der Fall war, hatte der Betreiber nachzuweisen, dass der Fehler nicht auf seinen Organisations- und Verantwortungsbereich zurückzuführen war. Und das tat er aus Sicht der Richter. So sei die Waschanlage jedes halbe Jahr gewartet worden. Zudem habe es täglich eine Sichtprüfung mit Testwäsche gegeben, bei der ein Mitarbeiter mitgelaufen sei und den Vorgang beobachtet habe. Dabei seien keine Defekte festgestellt worden, ebenso wenig wie im Anschluss an den Schadensfall. Daher musste im vorliegenden Fall der Halter des SUV für den Schaden aufkommen.   

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Der Fahrzeugbesitzer hat gegen das Urteil Berufung vor dem Pfälzischen Oberlandesgericht (OLG) Zweibrücken eingelegt.

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