ESG-Ranking: Versicherer werden nachhaltiger

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes, der Frauenanteil in Führungspositionen oder der Umgang mit dem Thema Inklusion: Wie nachhaltig ist die Versicherungsbranche tatsächlich? Eine aktuelle Analyse hat 50 Versicherer unter die Lupe genommen und 37 von ihnen ausgezeichnet.

CSR Bild: Adobe Stock/blacksalmon

In Bezug auf Nachhaltigkeit positionieren sich viele Versicherer neu. Bild: Adobe Stock/blacksalmon

Das Fazit ist positiv: „Was Nachhaltigkeit anbelangt, sind die Versicherer im vergangenen Jahr deutlich aktiver geworden“, sagt Carsten Zielke. Zusammen mit dem Analysehaus Morgen & Morgen hat der Inhaber des Beratungshauses Zielke Research Consult die CSR-Berichte der Versicherer aus dem vergangenen Jahr unter die Lupe genommen und darauf basierend, ein Ranking der Versicherer erstellt. Am Mittwoch stellte er die Analyse auf einer virtuellen Pressekonferenz vor. 50 Nachhaltigkeitsberichte wurden bewertet, 37 Gesellschaften erhielten das von Zielke und Morgen & Morgen vergebene CSR-Label. „Bei einem Großteil der Versicherer gab es ein regelrechtes Wettrennen darum, wer der Beste ist“, fasst Zielke zusammen. 

Der Hintergrund: Jedes börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten ist seit 2018 dazu verpflichtet, sein Engagement im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) in einem jährlichen Bericht offenzulegen. Die CSR-Berichte der Versicherer analysierten Zielke und Morgen & Morgen nun nach den drei Kriterien Environment, Social und Governance. Diese Segmente wurden mit Punkten bewertet, aus denen sich schließlich die Gesamtwertung der Unternehmen ergab.  

Der Frauenanteil in Führungpositionen nahm zu

Bei minus vier Punkten lag der schlechteste Wert, der beste betrug 4,54 plus. Die Gesamtwertung der ESG-Kriterien aller Versicherer lag mit 1,48 erheblich über der Vorjahreswertung von 0,06. Die stärkste Verbesserung im Bereich Soziales erzielte die Axa mit einer Punktzahl von 4,5. 2019 war sie noch mit minus fünf bewertet worden. Auch die Basler machte einen großen Sprung von minus 4,5 im Jahr 2019 auf plus 4,5 im Jahr 2020. Untersucht wurde für das Segment Social unter anderem der Frauenanteil im Management untersucht sowie das Engagement in sozialen Initiativen. Der Frauenanteil in Führungspositionen wuchs von durchschnittlich 17 auf 20,48 Prozent. 44 Prozent der Unternehmen zeigten zudem beim Thema Inklusion transparent ihre Quote auf, verpflichtend sind die Angaben hierzu nicht. Vorreiter war hier die Inter Versicherungsgruppe mit einer Schwerbehindertenquote von sieben Prozent.  

Eine ebenfalls positive Entwicklung: Der Branche gelang es 2020 insgesamt, ihre direkten CO2-Emissionen um 14 Prozent zu senken. Als einziger Versicherer erreichte Prisma Life die volle Punktzahl zum CO2-Ausstoß. Zeigten sich im Jahr 2019 noch 74 Prozent der Versicherer kaum transparent bezüglich ihrer Maßnahmen, wandelte sich das 2020 erheblich: Rund 62 Prozent formulieren mehr als detailliert ihre Maßnahmen – beispielsweise den Einbau von Photovoltaikanlagen, den Einsatz von Blockheizkraftwerken, eine Umstellung der Fuhrparks, Umbaumaßnahmen mit nachhaltigen Materialien oder Dachflächenbepflanzungen. Dass die Nachhaltigkeitsberichte im Vergleich zu 2019 in ihrem Umfang derart zunahmen, ließ bei den Analysten aber auch Zweifel aufkommen. Dies erwecke den „Eindruck von Greenwashing“.  

Dennoch werde die nachhaltige Anlagestrategie der Branche nicht genutzt, um tatsächlich positiven Einfluss auszuüben. „Es ist ein Unterschied, ob ein Versicherer RWE nicht mehr versichert, weil der CO2-Ausstoß zu groß ist, oder ob er sagt: ‚Ich versichere dich weiter – aber nur, wenn der Ausstoß um so und so viel Prozent reduziert wird“, erklärt Zielke. „Dann ist der Impact natürlich wesentlich größer.“  

Weitere Schwachstellen: 20 Prozent der Versicherer erschwerten die Auffindbarkeit ihrer Nachhaltigkeitsberichte – und nur 30 Prozent stellten die direkten Emissionen transparent gesplittet in Erdgas, Heizöl, Diesel für Notstrom, Treibstoffe für Fuhrpark und Kältemittelverlust dar. Lediglich 15 Versicherer machten eine Angabe, ob sich der von ihnen publizierte CO2-Wert auf den Unternehmensstandort oder auf den Markt bezieht.  

Die Gewinner des ESG-Rankings

Die Sieger des Gesamtrankings 2020 sind: 

1. Axa (3,55) 

2. Basler (3,5) 

3. SV SparkassenVersicherung (3,36) 

Noch im vergangenen Jahr hatte die Axa Platz 18 belegt. Doch auch die Entwicklung der Basler sei laut Zielke besonders hervorzuheben: Sie habe das Jahr 2020 für sich genutzt, um das „Thema Nachhaltigkeit stärker im Unternehmen zu integrieren, Maßnahmen zu entwickeln und diese erfolgreich umzusetzen“.  

Zum ersten Mal wurde das CSR-Label in diesem Jahr gemeinsam von Morgen & Morgen und Zielke Research Consult vergeben. Ihre Zusammenarbeit hatten die beiden Unternehmen Ende 2020 gestartet, nun soll daraus eine feste Kooperation werden – mit dem Ziel, das Thema Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche mitzugestalten. Ende November soll neben dem CSR-Unternehmenslabel zusätzlich ein Produktlabel vergeben werden. „Dann kann erstmals in Deutschland auf den besonderen Wunsch des Kunden nach nachhaltigen Versicherungsprodukten eingegangen werden“, sagt Zielke.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!