E-Mobilität: Makler, bitte einsteigen?

Florian Burghardt Versicherungen Berater Zielgruppenansprache Top News

Elektrofahrzeuge sind der Mobilitätstrend für die nächsten Jahrzehnte und haben oft einen anderen Versicherungsbedarf als Verbrenner. Lohnt sich für Makler eine Spezialisierung auf Stromer?

Elektrofahrzeuge, Bild: Adobe Stock/Petair

Die Kfz-Wechselsaison hat begonnen. Noch nie waren E-Autos ein größeres Thema für Versicherer. Aber sind sie das auch für Vermittler? Bild: Adobe Stock/Petair

E-Autos werden in Deutschland immer beliebter. Im Oktober 2021 wurden hierzulande 30.560 Pkw mit reinem Elektroantrieb zugelassen. Damit lag die Anzahl ihrer Neuzulassungen in 2021 mit 267.255 bereits deutlich über dem Gesamtwert des Vorjahres (194.163). Damals, 2020, machten sie 6,7 Prozent aller Neuzulassungen (2,9 Millionen Pkw) aus. Mittlerweile hat sich ihr Anteil schon fast verdoppelt. Dazu kommt ein ebenfalls starker Zuwachs bei Hybridfahrzeugen. Zwar spielen den Stromern dabei auch die aktuellen Lieferengpässe für klassische Verbrenner in die Hände, durch die weniger diesel- und benzinbetriebene Autos gebaut werden können. Dennoch: Der Trend ist klar – und er hat auch Auswirkungen auf die Versicherungsbranche.

Beispielsweise gab die R+V ebenfalls im Oktober bekannt, dass die Anzahl der von ihr versicherten Elektro- und Hybridfahrzeuge nach dem dritten Quartal die 100.000er Marke geknackt habe – ein Zuwachs um mehr als 60 Prozent gegenüber 2020. Die Nürnberger Versicherung teilte jüngst mit, dass sich jeder zweite ihrer E-Auto-Fahrer zusätzlich für den Baustein „Elektro Plus“ entscheidet. Dieser sichert weitergehende Schadenereignisse mit ab, zum Beispiel Tierbissfolgeschäden an der Fahrzeugelektronik und er schließt die Wallboxen (Ladestationen) an privaten Wohngebäuden mit ein.

„Spezieller Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge wird sich durchsetzen und zu einem wichtigen Qualitätskriterium entwickeln. Die Gesellschaften sind gut beraten, ihre Kundinnen und Kunden auf dem Weg in eine CO2-neutrale Zukunft zu begleiten“, sagt Michael Franke, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Ratingagentur Franke und Bornberg.

Potenzial oder Flaute?

Aber welche Möglichkeiten bieten sich durch diese Entwicklungen den Maklern? Wenn hier eine Umwälzung der gesamten Kfz-Versicherung stattfindet, könnte das wiederum großteilige Kundenwanderungen auslösen. Lohnt sich vielleicht sogar eine Spezialisierung auf die Kfz-Versicherung für E-Autos? „Die Zahl der Kunden, die ein E-Auto fahren, steigt auch bei mir. In meiner Beratungsarbeit wälzt das aber nichts um“, sagt Christian Albert, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Kassekura in Fritzlar.

Er relativiert die Euphorie, es könne sich für Makler besonders lohnen, sich jetzt tiefgehend mit der Versicherung von E-Autos zu beschäftigen, vielleicht sogar darauf zu spezialisieren. Zwar sei der Beratungsaufwand für E-Auto-Tarife teilweise höher als der für Verbrenner – neben dem Akku-Schutz beispielsweise auch wegen Themen wie Hacker-Angriffe auf die Fahrzeug-Software oder Diebstahl von Ladekabeln. Die Versicherungsbeiträge wären aber größtenteils gleich hoch und damit auch die sich daraus ergebende Provision.

Wenn der Ertrag den Aufwand nicht rechtfertigt, klingt eine Spezialisierung auf E-Autos natürlich wenig lukrativ. Außer es ließe sich noch an der Verdienstschraube drehen. These: E-Autos haben, unter anderem aufgrund der verbauten Technik, in der Kaskoversicherung relativ hohe Typklassen. Zudem kommen in diesem Segment viele Neuwagen auf den Markt, darunter relativ viele hochpreisige, zum Beispiel durch den Hersteller Tesla. Entsprechend müssten die Beiträge in der Kfz-Versicherung höher liegen und dadurch mehr Courtage für Makler ermöglichen. Dazu kommt, dass die Fahrer teurer Autos meistens auch finanziell gut situiert sind – und damit eine interessante Klientel im Hinblick auf Cross Selling sind.

Autobauer als große Konkurrenz

Eine These, die Makler Peter Bieger grundsätzlich bestätigen kann. Er ist seit fünf Jahren auf die Kfz-Versicherung von E-Autos spezialisiert und damit ein echter Exot in der Vermittlerlandschaft. Tatsächlich könne er gut von den Abschluss- und Bestandsprovisionen der Kfz-Verträge leben, sogar ohne Cross-Selling (siehe Interview). Jedoch geht er davon aus, dass er bald einen Großteil seines Bestandes verlieren wird, weil die Autobauer eigene Versicherungskonzepte direkt an ihre Kunden bringen werden. „Dann bin ich als Makler in vielen Fällen raus“, sagt Bieger. Sich jetzt noch als Makler auf Kfz-Versicherungen für E-Autos zu spezialisieren, davon rät er ab.

Glaubt man Bieger, dann ist der E-Auto-Boom aus Vermittlersicht bereits vorbei, bevor er so richtig begonnen hat. Komplett links liegen lassen sollten Makler das Thema aber nicht. Denn wer sich bei den speziellen Schutzbedürfnissen von Elektrofahrzeugen als fachkundig erweist, kann auf diesem Wege Neukunden gewinnen und Bestandskunden, die sich ein E-Auto zulegen möchten, an sich binden. Vor allem die zweite Gruppe dürfte sich in den nächsten Jahren stark vergrößern.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!