Die gute Nachricht: Krankenversicherung gegen Plastikmüll

Hannah Petersohn Panorama Versicherungen

Was haben Plastikabfälle mit einer Krankenversicherung zu tun? In der tansanischen Stadt Daressalam eine ganze Menge: Hier können Anwohner ihren Plastikmüll gegen den Zugang zur Gesundheitsversorgung eintauschen.

Die gute Nachricht: Krankenversicherung gegen Plastikmüll Bild: picture alliance/Zoonar DesignIt

Die Organisation EcoAct ermöglicht ärmeren Familien in Daressalam den Zugang zur Gesundheitsversorgung im Tausch gegen gesammelte Plastikabfälle. Bild: picture alliance/Zoonar DesignIt

In Daressalam, der größten Stadt in Tansania, können Bewohner von nun an Plastikmüll gegen eine Krankenversicherung eintauschen, wie die Medienplattform devex.com berichtet. Mitarbeiter des tansanischen Sozialunternehmens EcoAct sammeln demnach monatlich Plastikabfälle von Familien ein, die in sogenannten informellen Siedlungen leben. Dabei handelt es sich, laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), um Gebiete, die meist illegal besetzt sind. Die Bewohner haben keinen Zugang zu Trinkwasser, Strom- oder Gasversorgung. Auch gibt es in diesen Gebieten nur selten eine Abwasserentsorgung oder Müllabfuhr.

An dieser Stelle setzt EcoAct an: Das Unternehmen sammelt von jeder dort lebenden Familie monatlich etwa 30 Kilo Plastikabfälle. Das gesammelte Material wird für die Herstellung von Kunststoffhölzern für den Haus- und Möbelbau benutzt. Im Gegenzug werden die Familien mit niedrigem Einkommen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung unterstützt. „Das dringende Problem in den meisten unserer Gemeinden ist, dass die Familien Zugang zur Gesundheitsversorgung benötigen“, sagt Christian Mwijage, Geschäftsführer von EcoAct, gegenüber devex.com.

EcoAct habe anfangs noch mit einer privaten Versicherungsgesellschaft zusammengearbeitet. Allerdings seien viele Behandlungen in den Gesundheitseinrichtungen vor Ort nicht über das private Unternehmen abgedeckt worden, weswegen die Versicherten oft weite Strecken zurücklegen mussten. Deswegen kooperiere EcoAct nun mit staatlichen Behörden. Dadurch erhalten Versicherte nun einen breiteren Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Nicht nur aus sozialen Gründen ist das Projekt erfolgversprechend, sondern auch unternehmerisch: Es ist nämlich wesentlich günstiger, Kunststoffe zu verarbeiten, die aus Haushalten stammen, weil diese meist sauberer sind als jene, die von Deponien gesammelt werden, wieder aufzuarbeiten. Das Unternehmen schule zudem die Familien darin, die Kunststoffe bereits zu Hause zu sortieren.

Ein kleiner Fluss im Stadtteil Kigogo Valley der Hauptstadt Dar es Salaam. Das verunreinigte Wasser ist häufig der Grund für Erkrankungen von Anwohnern – auch durch unsauberes Trinkwasser. 50 Prozent der Land- und 25 Prozent der Stadtbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Durch Wasser übertragene Krankheiten wie Durchfall und Cholera fordern viele Opfer. Bild: picture alliance/Mika Schmidt

Die Organisation EcoAct wurde kürzlich mit dem Preis „Water Pollution & Behavior Change“ ausgezeichnet. „Während viele Lösungen, die das Recycling fördern, einen finanziellen Anreiz bieten, hat EcoAct ermittelt, was die Gemeinde braucht, und hat die Intervention unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse konzipiert“, so Katie Velasco, Director of Operations and Engagement bei Rare’s Center for Behavior & the Environment. „Die Leute erhielten als Gegenleistung für ihr Verhalten etwas Wertvolles [eine Krankenversicherung]. Das ist ein Beispiel für einen verhaltensinformierten materiellen Anreiz.“

Bad News are Good News – negative Schlagzeilen beherrschen auch die Versicherungsbranche. Es ist trotz der derzeitigen dramatischen Umstände sinnvoll, den Blick für die positiven Seiten des Lebens und des Metiers im Besonderen zu bewahren. Denn Hoffnungslosigkeit allein wird uns nicht helfen. Und es gibt sie, die Good News, die die Branche und jeden Einzelnen zuversichtlich stimmen können. Deswegen präsentieren wir Ihnen wöchentlich eine gute Nachricht, die Ihnen die nötige Zuversicht für die kommende Zeit geben soll.

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