CareFlex-Chemie: Betriebliche Pflegeversicherung läuft erfolgreich an

Martin Thaler Versicherungen

Seit Juli bieten Barmenia und R+V die erste branchenweite betriebliche Pflegeversicherung an. Über 400.000 Beschäftigte der Chemie- und Pharmabranche sind bereits versichert. Auch in der Politik sorgt das Modell für Aufmerksamkeit.

Pflegeheim Bild: picture alliance/Robin Utrecht

Das Pflege-Problem verlangt von der Politik nach einer Antwort – betriebliche Angebote könnten hier eine mögliche Lösung darstellen. Bild: picture alliance/Robin Utrecht

Das aus der Barmenia und der R+V bestehende Konsortium „CareFlex Chemie“ zeigt sich gut vier Monate nach dem Start ihrer betrieblichen Pflegeversicherung zufrieden. Von den rund 580.000 Beschäftigten der chemischen Industrie hätten sich bislang 430.000 Menschen abgesichert, teilten die Versicherer an diesem Mittwoch mit. Fast alle der 409.000 tarifgebundenen Beschäftigten hätten sich mittlerweile über die Pflegezusatzversicherung, die von den Arbeitgebern finanziert wird, abgesichert. Darüber hinaus hätten zahlreiche Arbeitgeber die Pflegeversicherung auch ihren außertariflichen Mitarbeitern angeboten. In den kommenden Monaten soll die Zahl der Versicherten weiter steigen – Barmenia und R+V gehen davon aus, schon bald die Schwelle von 500.000 Versicherten zu erreichen.  

„CareFlex Chemie“ ist die erste branchenweite und tarifliche Pflegezusatzversicherung: Die Versicherten erhalten im Pflegefall zusätzlich zu den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung ein Pflegemonatsgeld in Höhe von 300 Euro bei ambulanter Pflege oder 1.000 Euro bei stationärer Pflege. Die Leistungen sind zudem privat aufstockbar und können auf Familienmitglieder ausgeweitet werden. Das Modell könnte in naher Zukunft auch abseits der Chemie- und Pharmabranche Schule machen. Denn nach wie vor ist das Problem mit der Pflege ungelöst – der jüngsten Pflegereform zum Trotz.  

Explodierende Pflegekosten

Laut aktuellen Zahlen des vdek müssen Pflegebedürftigte für ihre Unterbringung im Heim durchschnittlich 2.125 Euro aus eigener Tasche aufbringen – also zusätzlich zu den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Tendenz: steigend. In manchen Städten wird es für Pflegebedürftige zudem deutlich teurer – 3.000 Euro sind hier keine Seltenheit.

Immer mehr Pflegebedürftige können die explodierenden Pflegekosten nicht mehr aus eigener Tasche aufbringen, stattdessen ist zunehmend der Staat gefordert. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts mussten die Sozialhilfeträger 2020 insgesamt 4,3 Milliarden für Pflegeleistungen zahlen – 13 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Keine andere Sozialleistung hat solche Zuwachsraten. Eine Lösung für das aufgrund der demografischen Entwicklung immer eminenter werdende Problem wird händeringend gesucht. Da private Pflegezusatzversicherungen seitens der Deutschen kaum nachgefragt werden, könnten betriebliche Lösungen eine Option für mehr Vorsorge darstellen.  

Politik sucht nach Lösungen

Die FDP hatte sich in ihrem aktuellen Wahlprogramm hierfür ausgesprochen. Die Grünen plädierten zuletzt eher dafür, die gesetzliche Pflegeversicherung von einer Teil- hin zu einer Vollkaskoversicherung zu entwickeln. So sollen die zu leistenden Eigenanteile für Pflegebedürftige gedeckelt werden – alle darüber hinaus anfallenden Kosten werden von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen. Ein Ziel, das auch die SPD verfolgt.  

Außerdem hatten sich die Sozialdemokraten perspektivisch für den Umbau der Pflegeversicherung zu einer Pflegebürgerversicherung ausgesprochen, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen. Diesem Ansinnen wurde in den Gesprächen zwischen den sogenannten Ampel-Parteien FDP, Grüne und SPD jedoch bereits widersprochen. Im Ergebnispapier der den jetzigen Koalitionsverhandlungen vorausgehenden Sondierungsgesprächen heißt es, dass die private Kranken- und Pflegeversicherung erhalten bleibe. Welches Konzept am Ende der Koalitionsgespräche steht, bleibt abzuwarten – die betriebliche Pflegezusatzversicherung könnte aber als Gewinner aus diesen hervorgehen.

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