Beitragsentlastung im Alter: Steuervorteile und Arbeitgeberanteil nutzen

Julia Thiem PKV-Wissen Berater

In der Beratung fließt der steuerliche Abgleich zwischen GKV und PKV viel zu selten ein. Dabei gibt es hier attraktive Vorteile und auch der Hebel des Arbeitgeberanteils ist gerade mit Blick auf Beitragsentlastungstarife nicht zu unterschätzen, wie Prof. Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung im Gespräch erläutert.

Prof. Michael Hauer. Bild: IVFP

Prof. Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, plädiert dafür, in der Beratung den steuerlichen Abgleich zwischen GKV und PKV nicht außer acht zu lassen. Bild: IVFP

procontra: Herr Prof. Hauer, seit 2010 sind die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung im Rahmen des Bürgerentlastungsgesetzes als sonstige Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar. Wie wichtig ist das Gesetz für den Vergleich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung?

Prof. Michael Hauer: Es sollte im Rahmen einer ganzheitlichen Beratung zumindest in den Abgleich zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung einfließen – ein Punkt, der aus meiner Erfahrung nicht immer erfolgt. Denn wenn Sie als gesetzlich Versicherte denselben Status haben wollen, wie eine Privatversicherte, können Sie das natürlich auch über Zusatzversicherungen erreichen.

Allerdings sind die in der Regel nicht steuerliche absetzbar. Und genau das kann dazu führen, dass eine private Krankenversicherung – obwohl sie vielleicht zunächst mit einem höheren monatlichen Beitrag zu Buche schlägt – unterm Strich doch attraktiver ist, wenn die steuerlichen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Oder anders formuliert: Es gibt Fälle, in denen die gesetzliche Absicherung, plus private Zusatzversicherungen teurer sind, als direkt in die private Vollversicherung zu wechseln.  

procontra: Wobei von Kunden oft das Argument kommt, dass die Beiträge für die PKV spätestens im Alter einfach zu teuer sind.

Prof. Hauer: Das ist in der Tat ein häufig angebrachtes Argument – wobei vor allem die Beitragsentlastungstarife, mit denen man die monatliche Belastung im Alter deutlich verringern kann, steuerlich interessant sind.

Beispiel Selbständiger: Hier liegt der Reiz darin, dass man den Beitragsentlastungstarif genauso absetzen kann, wie den Haupttarif, also bis zu 80 Prozent. Wir haben das mal für einen 30-jährigen, ledigen, kinderlosen Erwachsenen ausgerechnet, der selbständige Einkünfte in Höhe von 64.350 Euro pro Jahr erwirtschaftet. Liegt sein monatlicher Beitrag für die PKV bei rund 371 Euro, kann er Steuervorteile in Höhe von rund 127 Euro geltend machen und damit seinen Eigenanteil auf nur noch 244 Euro reduzieren.

Entscheidet er sich dann noch für einen Beitragsentlastungstarif – sagen wir für zusätzliche 116 Euro pro Monat – kommt noch einmal ein Steuervorteil von rund 40 Euro hinzu. Konkret zahlt er für die Beitragsentlastung im Alter also nur monatlich rund 76 Euro, kann den Versicherungsbeitrag mit Erreichen des 67 Lebensjahres aber schon um 490 Euro monatlich reduzieren.

procontra: Das ist ein überzeugendes Rechenbeispiel – demnach müsste die PKV inklusive Beitragsentlastungstarif für Arbeitnehmer noch attraktiver werden.

Prof. Hauer: Da haben Sie Recht, das macht der größere Hebel durch den Arbeitgeberanteil. Bei ansonsten gleichen Annahmen wie im Beispiel oben läge der Monatsbeitrag für die PKV inklusive Beitragsentlastung für einen Angestellten bei rund 587 Euro, zieht man hier den Arbeitgeberzuschuss in Höhe von rund 293 Euro sowie die Steuerentlastung in Höhe von 82 Euro ab, bleibt ein monatlicher Eigenanteil von knapp 211 Euro – bei einem deutlich höheren Leistungsniveau als in der GKV.

procontra: Kann ich über den Beitragsentlastungstarif auch den maximalen Arbeitgeberanteil ausreizen?

Prof. Hauer: Hier haben Sie gerade den größten Hebel überhaupt angesprochen. Wenn wir die 15,9 Prozent Arbeitgeberanteil in der GKV zu Grunde legen, können Angestellte bis zu 385 Euro monatlich vom Arbeitgeber bekommen und sich darüber die Beitragsentlastung im Alter finanzieren lassen. Wenn man dann die Steuervorteile einrechnet, ist der tatsächlich zu zahlende PKV-Beitrag pro Monat – gerade für Besserverdiener mit dem Höchstsatz in der GKV – wieder hoch attraktiv.

procontra: Ist diese „Rechnerei“ in der tatsächlichen Beratung nicht aber etwas kompliziert?

Prof. Hauer: Mir ist klar, dass dies alles nicht einfach ist, daher hat unser Institut dazu auch eine Software entwickelt, mit der man diesen Sachverhalt per Knopfdruck berechnen kann. Diese Software ist bei vielen Versicherern – unter anderem auch bei der uniVersa – bereits im Praxiseinsatz.