bAV-Digitalisierung: Am Makler vorbei?

Detlef Pohl Berater

Für die digitale bAV-Aufstellung brauchen die Versicherer wohl noch einige Jahre. Häufig steht dabei der Arbeitgeber im Blickpunkt. Große Berater bieten eigene Lösungen, haben aber traditionell Makler nicht im Blick, zeigte eine Fachtagung.

bAV-Digitalisierung: Am Makler vorbei? Bild: AdobeStock/olly

Bei den teuren technischen Prozessen im Hintergrund wenden sich Software-Anbieter, Produktgeber und auch große Beratungshäuser oft nur an die Arbeitgeber. Der klassische Makler ist nicht selten außen vor. Bild: AdobeStock/olly

Firmen wünschen sich vor allem, ihre bAV einfach und effizient zu verwalten, weiß Stefan Huber. "Grundsätzlich ist die bAV-Einrichtung und -Verwaltung Sache des Arbeitgebers, wobei primär das Arbeitsrecht zu beachten ist“, sagte der Geschäftsführer des Software-Anbieters eVorsorge Systems GmbH vergangene Woche auf der virtuellen 22. bAV-Handelsblatt-Jahrestagung.

Bei den teuren technischen Prozessen im Hintergrund wenden sich Software-Anbieter, Produktgeber und auch große Beratungshäuser wie Aon, Lurse, Willis Towers Watson oder Mercer oft nur an die Arbeitgeber. Der klassische Makler ist nicht selten außen vor. Beispiel: Mit seiner digitalen Administrations-Software vereinfacht Lurse den Verwaltungsaufwand für die bAV auf einer eigenen Plattform. Allerdings ist Lurse kein Software-Lieferant für Makler, sondern bietet Administration für Unternehmen, Versicherer, Fondsgesellschaften und CTA.

Die Suche nach universellen Schnittstellen

bAV-Plattformen, die komplexe Anwendungs-, Beratungs- und Verwaltungssysteme anbieten, ermöglichen Digitalisierung und bauen auf den Vorgaben der Versorgungsordnung auf. „Es geht immer um eine universelle Schnittstelle und medienbruchfreies Arbeiten“, so Huber. Personen- und Vertragsdaten könnten durch den Arbeitgeber via Schnittstelle zum Beispiel in das eVorsorge-Portal eingespielt werden, berichtet Huber.

Tipp für Makler: „Arbeitgeber können selbst auch weitere Benutzer im Portal anlegen und somit beispielsweise spezialisierte Dienstleister, etwa Makler, mit der Pflege und Aktualisierung der Daten oder der Meldung von Änderungen an den jeweiligen Versicherer beauftragen“, weiß der eVorsorge-Chef aus Erfahrung. Dazu startet eVorsorge 2022 eine Kooperation mit der auf bAV spezialisierten Anwaltskanzlei Guse.

Hilfe beim Erstellen der Versorgungsordnung

Dadurch wird auch der Prozess der Erstellung einer bAV-Versorgungsordnung (VO) beim Arbeitgeber in das System verlagert und lückenlos dokumentiert, erklärt Huber. Alle erforderlichen Daten würden künftig bei der Anforderung plausibilisiert abgefragt und sofort an die Kanzlei Guse übermittelt. „Die fertige VO wird über eine Schnittstelle in das eVorsorge-System eingespielt und der Vermittler mittels elektronischen Postfachs und Push-Mail über den Eingang informiert werden“, blickt Huber voraus.

Wie geht es nun weiter in Sachen bAV-Digitalisierung? In Bezug auf versicherungsförmige Lösungen in der Privatwirtschaft haben viele Versicherer Projekte zur Digitalisierung der bAV gestartet, berichtete Huber auf der Fachtagung. „Allerdings wird es noch drei bis vier Jahre dauern, bis die Branche zu 100 Prozent digital zeitgemäß aufgestellt ist“, so der IT-Experte. Bis dahin können bAV-Portallösungen Digitalisierungslücken überbrücken.

Rentencockpit geht weiter als digitale Renteninformation

Ein neues digitales Planungstool für die Altersvorsorgeberatung stellte Christof Quiring, Bereichsleiter Investment- und Pensionslösungen bei Fidelity International, auf der Fachtagung vor. Fidelity-Kunden könnten durch eine Entwicklungskooperation bald vom neuen „Rentencockpit“ der Goethe-Universität Frankfurt/Main (Professor Andreas Hackethal) profitieren. Es sorgt für eine gesamtheitliche Übersicht der Einkommensströme für den Ruhestand.

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