Altersvorsorge: Wie die Kapitaldeckung vorankommen könnte

Detlef Pohl Berater Top News

Die neue Bundesregierung muss die kapitalgedeckte Altersvorsorge neu ausrichten, fordern das Deutsche Aktieninstitut und der Verbraucherzentrale-Bundesverband. Woher rührt die ungewohnte Einigkeit und was bedeutet die Umsetzung für freie Vermittler?

Gerade Geringverdiener würden mit der Aktienrente profitieren und mehr Rente erhalten, um den Alltag im Alter zu bestreiten, hofft die FDP. Bild: Pixabay / Peter Stanic

Gerade Geringverdiener würden mit der Aktienrente profitieren und mehr Rente erhalten, um den Alltag im Alter zu bestreiten, hofft die FDP. Bild: Pixabay/Peter Stanic

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) rät zur Zusatzvorsorge über den Kapitalmarkt. Das war nicht immer so. Die Vorsorge soll kostengünstig und renditestark sein sowie breit diversifiziert in Aktien erfolgen, so vzbv-Vorstand Klaus Müller. Um das durchzusetzen, verbündete man sich sogar mit dem streng auf die Verbreitung der Aktienkultur fokussierten Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Ein gemeinsames Papier von vzbv, DAI und dem Family-Office Finvia unter dem Titel „Kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Aktien! 120 Jahre Aktien und Staatsanleihen im Renditevergleich“ zeigt: Aktien haben nach Abzug der Inflation im Schnitt immer 5,7 Prozent Rendite jährlich erwirtschaftet, während Anleihen nur 2,1 Prozent schafften. Zugleich sei die langfristige Aktienanlage weniger riskant im Vergleich zum Investment in Staatsanleihen.

Ungewohnte Allianz von Aktieninstitut und Verbraucherschützern

Darin werden auch die Risiken nicht verschwiegen. Wer etwa zum falschen Zeitpunkt (Hausfrauen-Hausse) einsteigt, muss bei einem folgenden Kursrutsch starke Nerven haben, um die Kursverluste auszusitzen. Dem Papier zufolge dauert das bis zu elf Jahre. Bei Staatsanleihen seien es aber im schlimmsten Fall 53 Jahre gewesen, bis Anleger wieder die Gewinnzone erreicht haben.

Länder wie Australien, Großbritannien oder Schweden setzen bereits erfolgreich auf Aktien in der Altersvorsorge. Vor diesem Hintergrund müsse die zukünftige Bundesregierung die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland neu aufstellen und attraktiver machen, heißt es im gemeinsamen Positionspapier. Einzig die FDP setzt im Wahlprogramm auf Kapitaldeckung in der ersten Säule.

Einigkeit nur über Aktienrente in dritter Schicht

Mit dieser „gesetzlichen Aktienrente“ soll die GRV „enkelfest“ gemacht werden. „Mehr Aktien samt mehr Kapitalerträgen machen das System stabil gegen die Demografie – wie es die Schweiz und Schweden geschafft haben“, sagt Johannes Vogel, FDP-Sprecher für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Die Zweifel in der Bevölkerung sind allerdings groß.

Der vzbv spricht sich gegen eine Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rentenversicherung aus. Das DAI kann sich ein Ansparverfahren mit Aktien in allen Säulen vorstellen. Gemeinsamer Nenner von beiden ist die Einführung einer Widerspruchslösung (Opt-out). Dabei wird jeder automatisch in das Ansparverfahren einbezogen, wenn er nicht aktiv widerspricht.

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