Altersvorsorge: Retten Beamte und Selbstständige die Rente?

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Nach dem Willen vieler Bürger sollten Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) einbezogen werden. Wie eine Umfrage von Aon zeigt, glauben aber nur wenige an eine Umsetzung. Eine Rentenreform tut dennoch not.

Viele unterschätzen, dass man auch mit geringem Einkommen wirksam fürs Alter vorsorgen kann, sagt Angelika Brandl, Partnerin bei Aon. Bild: Aon

Viele unterschätzen, dass man auch mit geringem Einkommen wirksam fürs Alter vorsorgen kann, sagt Angelika Brandl, Partnerin bei Aon. Bild: Aon

Die neue Bundesregierung, die dieser Tage mit einem gemeinsamen Koalitionsvertrag starten will, hat schon vorab eine Wunschliste der Bundesbürger in Sachen Rente und Altersvorsorge vorgelegt bekommen. Demnach sollten Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, sagen 37,5 Prozent der Bürger in einer repräsentativen Online-Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag des Beraters und Dienstleisters Aon, an der über 2.000 Personen teilgenommen haben. Allerdings erwarten nur 21,6 Prozent, dass die Bundesregierung das auch umsetzt.

Noch stärker differieren Einschätzung und Erwartung bei der Frage, ob das Renteneintrittsalter über 67 Jahre hinaus erhöht werden soll. Nur 4,7 Prozent der Bundesbürger halten das für richtig, 20,3 Prozent erwarten jedoch, dass die Bundesregierung das tun wird. Ähnlich viele Bürger (20,4 Prozent) erwarten auch, dass die staatlichen Zuschüsse zur Rentenkasse erhöht werden, was immerhin 26,1 Prozent für richtig halten.

Zu wenig Geld oder inhaltlich unsicher

Für Vorsorgeberater noch spannender ist die Selbsteinschätzung der Bürger, Schlüsse aus der Rentenzukunft für die Zusatzvorsorge zu ziehen. Weit über die Hälfte (57 Prozent) sieht entweder keine eigenen Handlungsmöglichkeiten oder enthält sich der Stimme. Dagegen halten sich 17,5 Prozent für ausreichend vorgesorgt. Die private Vorsorge wollen 16,9 Prozent verstärken und bAV-Angebote 8,6 Prozent der Bürger intensiver nutzen.

Diejenigen 34,4 Prozent, die keine Möglichkeit sehen, selber etwas zu tun, geben zum überwiegenden Teil an, dass ihr Einkommen nicht ausreiche (52,8 Prozent). Aber auch Unsicherheit (16,5 Prozent) und mangelnde Information (8,9 Prozent) halten viele davon ab, für das Alter vorzusorgen. „Viele wissen offensichtlich nicht, dass es auch mit geringem Einkommen möglich ist, wirksam vorzusorgen“, ermuntert Aon-Partnerin Angelika Brandl zu offensiven Beratungsgesprächen.

Wunsch an Politik: bAV einfacher und transparenter machen

Insbesondere die bAV bietet gute Möglichkeiten, mit kleinen Eigenbeiträgen die Absicherung im Alter zu verbessern. „Diese werden durch gesetzlich geregelte Zuschüsse sowie oftmals durch freiwillige Arbeitgeberzuschüsse erhöht, bei Entgeltumwandlung auch durch Pflichtzuschüsse”, kommentiert Brandl. Sie sieht bei der neuen Bundesregierung Handlungsbedarf vor allem darin, die bekannten Möglichkeiten wie die bAV einfacher und transparenter zu machen.

Damit meint Brandl nicht, Staatsfonds statt Entgeltumwandlung zu installieren, wie es der VzbV fordert. In der Aon-Umfrage finden 25,1 Prozent der Bürger es sinnvoll, Staatsfonds nach schwedischem Vorbild einzuführen, allerdings glauben nur 16,3 Prozent an eine Umsetzung durch die Bundesregierung. Experten raten davon ab.

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