50 Jahre sparen für ein Eigenheim

Anne Mareile Walter Berater Sachwerte Panorama

Ohne Kredit eine Immobilie finanzieren – wie viele Jahre dafür im Schnitt durchs Land gehen müssen, hat nun ein britisches Vergleichsportal in 29 OECD-Ländern untersucht. Dabei schneidet Deutschland vergleichsweise gut ab.

Eigenheim Bild: Adobe Stock/dmitr1ch

Knapp 50 Jahre müssten ins Land gehen, bis der Durchschnittsdeutsche den Kaufpreis für ein Eigenheim angespart hätte. Bild: Adobe Stock/dmitr1ch

417, 150 oder 33 Jahre – wie viele Jahre lang müsste man den Gürtel enger schnallen, um sich mit Bargeld den Traum vom Eigenheim zu erfüllen? Das britische Vergleichsportal Uswitch hat diesen hypothetischen Fall nun in 29 OECD-Ländern untersucht. Dabei befinden sich die Bundesbürger durch ihren guten Verdienst in einer vergleichsweise komfortablen Lage: Mit 49,5 Jahren müsste der durchschnittliche Deutsche fast ein halbes Jahrhundert lang pro Jahr 6.021 Euro auf die hohe Kante legen, um den durchschnittlichen Kaufpreis von 298.000 Euro auf diese Art finanzieren zu können. Damit belegt Deutschland Platz sechs auf der Liste der Länder, in denen der Kauf eines Hauses am erschwinglichsten ist.  

In Japan muss am längsten gespart werden

Als Ausgangspunkt für ihre länderspezifische Berechnung diente den Studienautoren der jeweilige durchschnittliche Wohnungspreis für eine 2-Zimmer-Wohnung im Stadtzentrum sowie der durchschnittliche Sparbetrag. Hierfür rechneten sie die landesübliche Sparquote auf das durchschnittlich frei verfügbare Jahreseinkommen an. Die regionalen Preisunterschiede für Immobilien innerhalb eines Landes wurden in der Studie allerdings nicht mitberücksichtigt.

Mit Abstand die längste Zeit sparen müssen die Japaner: 417 Jahre lang müssten sie für den Kauf einer 2-Zimmer-Wohnung Geld zurücklegen, im Schnitt sind 471.022 Euro für eine solche Immobilie fällig. Da sich in den meisten japanischen Haushalten die jährlichen Ersparnisse aber nur auf umgerechnet etwas mehr als 1.127 Euro summieren, wäre ein entsprechend langer Spar-Zeitraum nötig. Doch auch die Spanier müssen Geduld aufbringen: Bei einer durchschnittlichen Kaufsumme von 172.000 Euro und einem durchschnittlichen Sparbetrag von 505 Euro pro Jahr würde es 339 Jahre dauern, bis sie sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen könnten.

Den Markt mit den teuersten Immobilien hat die Schweiz: Etwas mehr als 604.000 Euro haben die Schweizer für eine Wohnung hinzublättern – mehr als in allen anderen 29 untersuchten OECD-Ländern. Dafür sind bei den Schweizern allerdings nur 68 Jahre Sparen angesagt. Am schnellsten kommen die Mexikaner zum Eigenheim: Sie müssen knapp 34 Jahre lang ihr Sparschwein befüllen, um die durchschnittliche Kaufsumme von 75.952 Euro aufzubringen.   

Die Grunderwerbssteuer als Kaufhürde

Dabei ist nicht nur die Finanzierung des Eigenheims an sich eine finanzielle Herausforderung. Auch die zusätzlich anfallenden Kosten sind hierzulande für viele Kaufwillige ein Problem – vor allem die beim Erwerb von Wohneigentum fällige Grunderwerbssteuer ist eine Hürde. Nach einer aktuellen Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) müssen die Deutschen im Schnitt vier Jahre lang sparen, um diese Steuer bezahlen zu können. Paaren müssen im Schnitt 5,5 Monatseinkommen zur Seite legen, um die Grunderwerbsteuer für ein Einfamilienhaus zu finanzieren. Bei Singles fallen durchschnittlich 4,6 Monatseinkommen für den Erwerb einer Eigentumswohnung an. Den längsten Atem müssen Kaufwillige in Berlin haben: Zehn Jahre und sieben Monate vergehen hier im Schnitt, bis Paare die Grunderwerbssteuer angespart haben. Bei Singles sind es neun Jahre und fünf Monate. Die IW-Forscher fordern daher differenzierte Steuersätze, die beispielsweise eine Reduzierung bei einem Ersterwerb oder der Selbstnutzung einer Immobilie vorsehen. Die Grunderwerbssteuer wird von den Ländern festgelegt, ihre Höhe variiert zwischen 3,5 Prozent und 6,5 Prozent des Kaufpreises.  

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