Wann kommt der Europäische Versicherungsmarkt?

Gastkommentar Versicherungen von Katka Letzing

Obwohl die zunehmende Digitalisierung hervorragende Bedingungen für einen europäischen Versicherungsmarkt bietet, herrscht bisweilen noch eine starke Segmentierung. Warum eine Öffnung der Märkte sinnvoll wäre, erklärt Katka Letzing, Co-Gründerin und CEO von Kickstart Innovation.

Katka Letzing, Bild: Kickstart Innovation

Katka Letzing, Co-Gründerin und CEO von Kickstart Innovation, Bild: Kickstart Innovation

Obwohl die Europäischen Versicherungsunternehmen schon seit über 20 Jahren ihre Produkte in anderen Mitgliedstaaten anbieten dürfen, sieht die Realität deutlich nüchterner aus: Die Märkte sind stark segmentiert, und das, obwohl die zunehmende Digitalisierung und ein gemeinsames Währungssystem eigentlich hervorragende Voraussetzungen dafür bietet. Aber selbst ein einheitlicher Sprachraum wie in der DACH-Region scheint nicht dazu auszureichen, einheitliche Versicherungslösungen zu vertreiben. Studien zufolge wird nur ein Prozent der Versicherungsverträge grenzüberschreitend abgeschlossen.

Zwar gibt es auf EU-Ebene bereits eine gewisse Harmonisierung. Allerdings gilt nach wie vor lokales Recht, und es müssen Anforderungen erfüllt werden, wenn etwa ein deutscher Versicherer oder Makler plant, Produkte z.B. in Italien zu vertreiben. In der Schweiz benötigt ein deutscher Versicherer oder Makler eine lokale Präsenz und eine Genehmigung der Schweizer Finanzmarktaufsicht. 

Dabei könnte ein echter und vereinheitlichter europäischer Versicherungsmarkt Startups und Arbeitskräften helfen, sich innerhalb der Union frei zu bewegen. Er würde lokale Innovationen auf der gesamten Marktebene verfügbar machen, was wiederum der Beschäftigung und dem Wachstum zugutekäme. Eine Vereinbarung zwischen FINMA und ESMA könnte grenzüberschreitende Vereinheitlichungen sowie einen europäischen Vertrieb ermöglichen, ohne dass das Unternehmen verpflichtet ist, auf dem Schweizer Markt präsent zu sein.

Am Ende wird es vermutlich so laufen wie bei beim Drittparteien-Kontozugriff bei den Banken (PSDII): Die EU harmonisiert, die Schweiz fährt ihren eigenen Weg, um dann irgendwann die EU-Direktive zu übernehmen. In jedem Fall sollten die Strukturen innerhalb der EU weiter gestärkt werden und der Harmonisierungsprozess weiter vorangetrieben werden.