Startups: Das Wachstum will betreut sein

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Wenn Unternehmen erwachsen werden, durchlaufen ihr Geschäft und ihr Versicherungsbedarf eine Metamorphose. Wie Makler ihre Startups beim Wachstumsprozess engmaschig begleiten können

Startups, Bild: Adobe Stock/ Blue Planet Studio

Wenn Startups wachsen verändern sich auch die Geschäftsbereiche und die Bedarfe. Makler tun gut daran, ihre Kunden dabei zu begleiten. Doch wie stellen sie das am besten an? Bild: Adobe Stock/ Blue Planet Studio

Gründung, Wachstum, Reife und Sättigung: Unternehmen durchlaufen mehrere Phasen, die mit unterschiedlichen Risiken einhergehen. Vor allem während der aufreibenden Gründungsphase haben frischgebackene Unternehmer viel um die Ohren und müssen sich zugleich besonders sorgfältig absichern. Dabei können sie Hilfe gebrauchen. Mit einem passenden Versicherungspaket und dem üblichen Jahresgespräch mit dem Makler ist es in diesem Fall aber nicht getan. Wer Startups betreut, dem sollte klar sein: Diese Kunden benötigen eine besonders intensive Betreuung auf dem Weg zum reifen Unternehmen.

 „Da sich bei Startups schnell Veränderungen ergeben, empfehlen wir Maklern, auch unterjährig mit dem Kunden in Kontakt zu bleiben und etwa via Social Media zu verfolgen, wie sich das Unternehmen entwickelt und welche veränderten Absicherungsbedürfnisse sich daraus ergeben können“, sagt Sebastian Steininger, Director Underwriting & Products bei Hiscox Deutschland.

In der Beratung von Startups zählt aber natürlich nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Kontakte. „Man muss nicht jedes einzelne Detail des Geschäftsmodells in der Tiefe verstehen. Entscheidend ist aber sehr wohl ein grundlegendes Verständnis, um die Risiken beurteilen und diese in der Folge umfassend versichern zu können“, sagt Steininger.

Um zu wissen, was ein junges Unternehmen in der Anfangsphase benötigt, sollten Makler Fragen nach Tätigkeit, Deckung und Haftung der Unternehmer stellen – klar. Diese Fragen können ruhig deutlich umfangreicher ausfallen als üblicherweise im Gewerbebereich. Weil die meisten Gründer wenig Erfahrung mit Gewerbeversicherungen haben oder ihnen die Zeit fehlt, sich damit auseinanderzusetzen, verlassen sie sich oft in besonderem Maße auf professionelle Hilfe. Um einen ersten Einblick in die Risikowelt und damit die konkreten Bedürfnisse eines Startups zu bekommen, sollten Vermittler Unternehmensgründer danach fragen, wie aus ihrer Sicht der „Worst Case“ für die Firma aussieht, sagt Steininger.

So klappt die Risikoanalyse

Wie eine umfassende Risikoanalyse gelingt, weiß Ruth Schöllhammer, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Gründerverbands. „Es gibt vier Risikokategorien, die Makler unbedingt mit Startups diskutieren sollten“, sagt sie. Zur Kategorie A zählen ständige Risiken, deren Minderung für Jungunternehmer unverzichtbar ist. Ein Startup hat zum Beispiel womöglich erst zwei oder drei Kunden. Daher ist das Risiko außerplanmäßiger Umsatzeinbußen weitaus größer als bei etablierten Unternehmen. Tritt einer der Kunden von einem Auftrag zurück, kann das den noch laufenden Gründungsprozess oder das erste Wachstum nachhaltig schädigen. Genauso wichtig ist die Absicherung von Maschinen, die für die Produktion zwingend notwendig sind. Gehen sie kaputt, können die damit einhergehenden Ertragsausfälle existenzbedrohend sein. Gleiches gilt, wenn einer der Gründer plötzlich schwer erkrankt.

Zu den B-Risiken zählen Ereignisse, deren Eintritt zwar eher unwahrscheinlich ist, die im Ernstfall aber dramatische Folgen haben können. Dazu zählen etwa Elementarschäden, Diebstahl, Cyberangriffe oder der Ausfall des Kapitaldiensts durch Tod oder Berufsunfähigkeit. C-Risiken können sich aus kumulierten Schäden ergeben, beispielsweise Kfz- oder Produkthaftungsschäden, erklärt Schöllhammer. Bei D-Risiken schließlich kommt es auf das Geschäftsmodell an, ob man sie absichern sollte. Beispielhaft nennt Schöllhammer Energieausfälle oder Probleme im Auslandsgeschäft.

Diese Policen sind ein Muss

Sind die Kernfragen geklärt, geht es um das passende Angebot. Startups tun gut daran, sich schon ab Tag eins abzusichern. Nur dann können sich die Gründer auf ihr Geschäft konzentrieren. An drei Policen kommt kein junges Unternehmen vorbei. Erstens: die Betriebshaftpflicht. „Grund hierfür ist, dass gewerbliche Tätigkeiten in der Privathaftpflichtversicherung nicht versichert sind, oder nur bis zu einer sehr geringen Umsatzsumme“, erklärt Hiscox-Produktspezialist Steininger. Mit einer Betriebshaftpflichtpolice können sich Jungunternehmer davor schützen, wegen einer Unachtsamkeit einen möglicherweise finanziell fatalen Schaden zu erleiden.

Zweitens: eine Sach-Inhaltsversicherung, um beispielsweise Werkzeuge, Vorräte und Laptops zu versichern. Schäden an der Ausstattung können gerade zu Beginn rasch ein Loch ins ohnehin knappe Budget reißen. „Wir raten hier zu einer Allgefahren-Vorsorge, die den entstandenen Schaden stets zum Neuwert übernimmt, auch bei Reisen und unterwegs sogar weltweit“, sagt Steininger.

Das dritte Must-have: eine Cyberversicherung. Ob Logistik-Unternehmen oder Handwerker: Keine Firma kann heute ohne funktionierendes IT-System und sichere Daten erfolgreich sein. Das gilt für Startups genauso wie für Mittelständler. Wird die IT für mehrere Wochen lahmgelegt, etwa durch einen Cyber-Angriff oder einen hefigen Virenbefall, kann die Zukunft eines jungen Unternehmens am seidenen Faden hängen. „Wichtig ist eine Lösung, die für den Schadenfall beziehungsweise bereits im Verdachtsfall umfassende Assistance-Leistungen bietet, wie IT-Forensik, Datenschutz-Experten und Krisen-PR-Unterstützung“, sagt Steininger. Die Prämien für Cyberversicherungen sind in den vergangenen Jahren allerdings stark gestiegen und die Kapazitäten, die Versicherer bereitstellen, zugleich deutlich gesunken. Die passende Absicherung zu finden kann also schwierig werden.

Wann Unterversicherung droht

Ist der Start geschafft, folgt die Wachstumsphase, in der Unternehmen versuchen, ihre Kapazitäten zu steigern und sich am Markt zu etablieren. Dieser Abschnitt der Firmengeschichte geht mit neuen Risiken einher. „Gerade beim Einstieg in den Mittelstand beobachten wir einen deutlichen Anstieg der Schadenfrequenz“, berichtet Steininger. „Man ist den Kinderschuhen entwachsen, nimmt immer größere Projekte an und wächst oft schneller, als man Personal einstellen kann.“ Unternehmer sollten in dieser Phase die Höhe ihrer Schadenssummen auf den Prüfstand stellen und an die benötigten Werte anpassen. Die Absicherung muss mit dem Unternehmen mitwachsen. Die Herausforderung besteht darin, den richtigen Zeitpunkt für die Anpassung nicht verstreichen zu lassen.

Wenn Unternehmen expandieren, stellen sie in der Regel neue Mitarbeiter ein und mieten zusätzliche Geschäftsräume an. Damit steigt die Gefahr von Personen- und Sachschäden. Zulieferer, Besucher oder Kunden könnten sich auf dem Betriebsgelände verletzen. Firmengründer in der Wachstumsphase sollten je nach Geschäftsfeld darüber nachdenken, ein solches Betriebsstättenrisiko abzusichern. Das funktioniert über das Modul Betriebshaftpflicht. Was die Sachversicherung anbelangt, sollten Makler auch die Ausrüstung von Angestellten im Blick haben, die im Homeoffice arbeiten oder Privatgeräte beruflich nutzen – Stichwort „Bring Your Own Device“. „Und natürlich sollte auch die Cyber-Deckung der wachsenden Unternehmensgröße angeglichen werden“, sagt Steininger.

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