Rechtsschutzversicherung: Nur zwei Versicherer überzeugen restlos

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Die Gerichtskosten sind zu Beginn dieses Jahres erneut gestiegen – ein weiterer Grund für den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Welche Anbieter und Tarife qualitativ aus dem breiten Angebot am Markt herausragen, hat nun das Analysehaus Franke und Bornberg untersucht.

Rechtsschutz Bild: Adobe Stock/Aerial Mike

Nur zwei Anbieter von Rechtsschutzversicherungen konnten die Prüfer von Franke & Bornberg restlos überzeugen. Bild: Adobe Stock/Aerial Mike

Bei Streitigkeiten reicht es nicht, einfach nur Recht zu haben – entscheidend ist vielmehr, sein Recht beziehungsweise seine Rechte auch durchsetzen zu können. Denn ein Streit, sofern er vor Gericht ausgetragen wird, kann schnell teuer werden – vor allem, weil die Gerichtskosten stetig steigen.

Der Versichererverband GDV hatte zwischen 2012 und 2016 Kostensteigerungen von 19 Prozent für Anwälte und Gerichte errechnet. So kann eine Klage mit einem Streitwert von 10.000 bis zum erstinstanzlichen Urteil schnell über 4.500 Euro kosten, sofern sie verloren geht und die unterlegene Partei die Gebühren für den eigenen und den gegnerischen Anwalt übernehmen muss. Zum 1. Januar dieses Jahr sind die Kosten für Rechtsanwälte, Sachverständigen- und Dolmetscherhonorare sowie die Gerichtsgebühren um weitere zehn Prozent gestiegen.  

Gut dran ist folglich derjenige, der über eine qualitativ gute private Rechtsschutzversicherung verfügt. Berater sind hier mit einem immer komplexer werdenden Markt konfrontiert. „Private Rechtsschutzversicherungen werden immer facettenreicher. Gerade bei Ergänzungspaketen beobachten wir einen deutlichen Anstieg“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer des Hannoveraner Analysehauses Franke und Bornberg und ergänzt: „Privater Rechtsschutz ist längst kein Standardprodukt mehr. Der Beratungsprozess bis zu einer fundierten Kaufentscheidung darf sich nicht auf den Vergleich von Prämie und Selbstbehalten beschränken.“  

87 Tarife von 39 Anbietern untersucht

Um Maklern hierbei eine Orientierung zu bieten hat das Analysehaus den Markt einer grundlegenden Überprüfung unterzogen und 87 Tarife von insgesamt 39 Anbietern mit dem Leistungsumfang Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen auf Stärken und Schwächen geprüft. Mit allen Tarifvarianten und zusätzlich versicherbaren Leistungseinschlüssen kommt Franke und Bornberg auf insgesamt 391 Tarifvariationen.  

Als neue Facette bei Rechtsschutzversicherungen hat Franke unter anderem den Schutz im Internet ausgemacht. Versicherer werben hier unter anderem mit dem Schutz der „Online-Reputation“, wenn der Versicherungsnehmer also gegen Mobbing, Falschaussagen oder Verleumdung vorgehen will.

Auch Urheberrechtsverletzungen können schnell kostspielig werden und ein juristisches Nachspiel haben – viele Versicherer haben darum auch den Schutz vor Abmahn-Kosten in ihren Leistungskatalog aufgenommen.  Daneben hat das Analysehaus zahlreiche neue Leistungen der Versicherer im Bereich des Familienrechtsschutzes festgestellt. Dazu zählen unter anderem:  

  • Beratungs-Rechtsschutz in Erb-/Familien und Lebenspartnerschaftsrecht
  • Rechtsschutz bei Betreuungsverfahren
  • zusätzliche Tätigkeit im Erb-/Familien- und Lebenspartnerschaftsrecht
  • Rechtsschutz in Unterhaltssachen
  • Erstellen eines Testaments sowie Rechtsschutz für Vorsorgeverfügungen
  • Mediation in familien-, lebenspartnerschafts- und erbrechtlichen Angelegenheiten  

Wer alle der oben genannten Leistungen in seinem Tarif eingeschlossen haben möchte, müsse allerdings genau hinschauen, sagt Franke: „Nur wenige Versicherer übernehmen sämtliche Kosten im Familien- und Erbrecht.“  

Selbstbehalte werden flexibler

Unterschiede sind zunehmend auch bei den Selbstbehalten zu beobachten: Neben den Standard-Selbstbehalten gibt es flexible Selbstbehalt-Stufen, die sich beispielsweise an der Wahl des Rechtsanwalts orientieren. Entscheidet sich der Kunde beispielsweise für einen vom Versicherer empfohlenen Advokaten, liege der Selbstbehalt nur bei 150 Euro, führt das Analysehaus als Beispiel an. Bei einem selbst ausgewählten Anwalt ist der Selbstbehalt indes doppelt so hoch. Ebenso kann sich die Zahl der schadenfreien Jahre auf die Höhe des Selbstbehalts auswirken.  

Auch sonst hat Franke gravierende Leistungsunterschiede bei den untersuchten Versicherern festgestellt. Unterschieden wurde dabei zwischen Rechtsschutz für Familien und für Singles. Vergeben wurden insgesamt sieben verschiedene Noten, die von „hervorragend“ (FFF+) bis zu „ungenügend“ (F-) reichen. Nur zwei Versicherer – die Arag sowie Roland Rechtsschutz mit insgesamt drei Tarifen – konnten die Analysten komplett überzeugen und erhielten die Höchstnote, acht weitere Versicherer mit insgesamt 20 Tarifen wurden mit „sehr gut“ bewertet. Lediglich drei Tarife fielen im Rating komplett durch und erhielten die Note „ungenügend“. Hierbei handelt es sich um:  

  • Badische Rechtsschutzversicherung AG (4Starters, Stand 04/2018)
  • DA direkt Deutsche Allgemeine Versicherung (Basis, Stand 01/2017)
  • Zurich Insurance plc. (PrivatSchutz Basis, Stand 01/2017)  

Auch beim Rechtsschutz für Singles erhielten nur Roland Rechtsschutz und Arag (insgesamt vier Tarife) die Bestnote, 17 Tarife wurden zudem mit sehr gut bewertet. Auch hier fanden sich Badische, DA direkt und Zurich mit denselben Tarifen am Ende des Ratings wieder.

Das Rating mit allen Einzelergebnissen finden Sie hier.

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