Querschnittslähmung nach Unfall: Klickpedale verantwortlich für Mitschuld?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Ein Mann stürzt mit dem Fahrrad über einen gespannten Stacheldraht und wird dadurch querschnittsgelähmt. Steht ihm nicht der volle Schadensersatz zu, weil er ein Klickpedalsystem nutzte? Darüber musste das Schleswig-Holsteinische OLG nun erneut entscheiden.

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Kommt es einer Obliegenheitsverletzung gleich, wenn man als Mountainbiker im Cross-Country-Bereich mit Klickpedalen fährt? Wenn es um einen sechsstelligen Schadensersatz geht, wird diese Frage plötzlich sehr relevant. Bild: Adobe Stock/kerkezz

Welchen Anteil haben Klickpedale am schweren Sturz eines Mountainbike-Fahrers? Ergibt sich daraus sogar eine Obliegenheitsverletzung des Radlers, die eine Mitschuld und damit geringere Schadenersatzansprüche begründet? Diesen Fragen musste sich nun erneut das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht stellen, nachdem der Bundesgerichtshof das vorinstanzliche Urteil des OLG kassiert und zur erneuten Verhandlung an dieses zurückverwiesen hatte.

Ursächlich war der schwere Sturz eines Mannes mit seinem Mountainbike über einen gespannten Stacheldraht auf einem unebenen und unbefestigten Feldweg. Von der Gemeinde und zwei Jagdpächtern forderte er deshalb insgesamt 800.000 Euro zuzüglich Zinsen, die ihm der BGH im vergangenen Jahr zusprach. Das OLG hatte bei dem Mountainbiker in der Vorinstanz hingegen eine 75-prozentige Mitschuld gesehen, die es an der vermeintlich zu hohen Geschwindigkeit des Mannes und an dessen Nutzung eines Klickpedalsystems festmachte.

Vergleichbare Folgen auch ohne Klickpedale

In der erneuten Verhandlung (Az. 7 U 29/16) kamen die Richter nun unter anderem zu dem Ergebnis, dass eine Geschwindigkeit von 16 Stundenkilometern für den erfahrenen Mountainbiker auch auf dem genannt Cross-Country-Untergrund nicht als zu schnell einzustufen sei.

Bezüglich der Klickpedale zeigten sich mehrere Sachverständige davon überzeugt, dass sich auch bei der Verwendung von normalen Pedalen ein im Wesentlichen gleicher Unfallablauf mit vergleichbaren Folgen ergeben hätte. Zwar würden diese nach Messungen 0,2 Sekunden mehr in Anspruch nehmen, um die Füße von den Pedalen zu lösen. Am direkten, ungeschützten Aufprall des Mannes mit dem Kopf auf den Boden hätte aber auch ein nach vorne Schwingen der Beine nichts geändert, so die Experten.

In der Folge bestätigte nun auch das OLG dem Mann den Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von 800.000 Euro plus Zinsen. Der ab dem 4. Halswirbel Querschnittsgelähmte sitzt seit dem Unfall in einem Rollstuhl, den er mit dem Kinn steuern kann und organisiert im Rahmen eines Arbeitgebermodells seine Vollzeitpflege durch neun Betreuungskräfte. Er leidet zudem unter verschiedenen psychischen Problemen sowie mehreren familiären Brüchen, unter anderem der Trennung von seiner Partnerin. Auch diese Umstände wurden bei der Höhe der Ansprüche berücksichtigt.

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