Negativzinsen: Bundesbank warnt vor höheren Gebühren

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds

Immer mehr Banken und Sparkassen erheben Verwahrentgelte auf Sparguthaben. So weit, so bekannt und für Sparer: so ärgerlich. Nun wirft der Vorstand der Bundesbank einen düsteren Blick in die Zukunft: Er prognostiziert eine weitere Verschärfung des Trends.

Zinsen Bild: Adobe Stock/Nico Bekasinski

Aus Sicht der Bundesbank wird sich der Negativzins-Trend in Zukunft weiter verschärfen, immer mehr Banken würden die Gebühren erhöhen. Bild: Adobe Stock/Nico Bekasinski

Die Zahl steigt kontinuierlich: Immer mehr Kreditinstitute erheben Negativzinsen auf Tagesgeld- und Girokonten. Nun schaltet sich auch die Bundesbank ein und prognostiziert eine weitere Verschärfung der Entwicklung – das Ende der Fahnenstage ist demnach noch nicht erreicht. „Banken werden vermehrt Negativzinsen an Kunden weitergeben und Gebühren erhöhen müssen“, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling am Dienstag auf einer Banken-Konferenz gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Denn um „mittelfristig rentabel“ zu bleiben, müssten Kreditinstitute weiterhin unpopuläre Geschäftsentscheidungen im Privatkundenbereich treffen, dazu gehöre auch die Schließung von Filialen.  

Diese Banken kassieren ab 5.000 Euro

392 Institute erhoben nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox Ende des dritten Quartals Negativzinsen. Das Verbraucherportal Biallo.de kam zuletzt auf rund 490 Institute, die Verwahrentgelte berechnen. 30 Kreditinstitute verschärften innerhalb der vergangenen drei Monate sogar ihre bestehenden Regelungen: Entweder senkten sie den Zins noch tiefer ins Minus oder reduzierten die Freibeträge, so dass Negativzinsen schon auf geringere Guthaben fällig sind. 135 Banken berechnen die Zinsen ab einem Gesamtguthaben von 50.000 Euro. Einige Institute veranschlagen sie schon ab 5.000 oder 10.000 Euro.

Aktuell werden Kunden bei diesen fünf Banken schon ab einem Guthaben von 5.000 Euro zur Kasse gebeten: Bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg, der Volksbank Bochum-Witten, der Raiffeisenbank Augsburger Land West sowie der Degussa – minus 0,5 Prozent veranschlagen alle vier Kreditinstitute auf Tagesgeldkonten. Die Volksbank Bühl liegt mit einem Zinssatz von minus 0,45 Prozent minimal darunter.  

Geschäftsbanken müssen seit Juni 2014 im Euroraum Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Zurzeit liegt dieser Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent – daran orientieren sich die meisten Banken bei der Höhe des Verwahrentgelts und geben damit die Kosten für die Negativzinsen an ihre Kunden weiter. Laut Verivox gehen derzeit 13 Banken über diesen Zinssatz hinaus und belasten das Guthaben ihrer Kunden mit 0,55 bis 1 Prozent Strafzinsen. Dazu gehören unter anderem die Merkur Privatbank (0,5 bis 1 Prozent) sowie die Berliner Volksbank (0,5 bis 1 Prozent).   

Die Kritik der Verbraucherschützern an den Verwahrentgelten hat bislang nicht gefruchtet. So entschied das Landgericht Leipzig nach einer Klage der Verbraucherzentrale Sachsen (Aktenzeichen: 5 O 640/20) im Juli, dass das Verhängen von Negativzinsen zulässig sei. Aus Sicht der Leipziger Richter handele es sich um eine sogenannte Preisnebenabrede, die nicht kontrollfähig sei. In den Vertragsanlagen, die Kunden bei Abschlüssen unterzeichnen mussten, sei auf die Negativzinsen hingewiesen worden. Damit habe es sich um individuelle Vereinbarungen gehandelt. 

Der Bund hält sich heraus

Auch die Bundesregierung hält sich aus dem Thema heraus: Eine entsprechende kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hatte der Bund Ende August ablehnend beantwortet. Seine Haltung erklärte er damit, dass Eingriffe in die Gebührengestaltung der Banken nur in begründeten Ausnahmefällen vorgenommen werden, beispielsweise bei Vorliegen von Marktversagen oder der Konzentration von Marktmacht bei Monopolen. Das sei beim Erheben von Verwahrentgelten aber nicht der Fall.  

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