Nachteile von Garantien: „Falschberatung“ oder falsch beraten?

Florian Burghardt Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Recht & Haftung

Grenzt es an Falschberatung, wenn Makler ihren Kunden Garantieprodukte für die Altersvorsorge vermitteln? Ein Zitat von Dorothea Mohn sorgte unlängst für Wirbel. Dabei liegen die Meinungen der Verbraucherschützerin und von Vermittlervertretern nah beieinander.

Garantie Bild: Adobe Stock/Eigens

Garantien bergen große Nachteile - doch ist es wirklich Falschberatung, wenn Makler Kunden zu solchen Produkten raten? Bild: Adobe Stock/Eigens

Garantien in der Altersvorsorge sind schon lange nicht mehr das Nonplusultra. Schließlich beträgt der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungsprodukte nur noch 0,9 Prozent und ab dem 01.01.2022 sogar nur noch 0,25 Prozent. Aber sind solche Produkte, zum Beispiel private Rentenversicherungen, so schlecht für die Altersvorsorge geeignet, dass ihre Empfehlung schon an Falschberatung grenzt? Zumindest wünschen sich Verbraucherschützer ein Umdenken bei der Altersvorsorgeberatung.

Auf einem Altersvorsorge-Symposium des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) sprach dazu Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der Versicherungsmonitor zitiert Mohn mit den Worten: „Wir wollen, dass man damit aufhört, den Verbrauchern zu sagen, dass langfristiges Sparen mit Garantieprodukten gemacht werden soll.“ Denn vor allem in der Ansparphase würden die Kunden durch den Fokus auf Garantien zu viele Renditechancen verschenken. Dann folgt in dem Bericht ein weiteres wörtliches Zitat von Mohn: „Ich gehe so weit zu sagen, dass darin eine Falschberatung liegt.“

Zitat relativiert

Falschberatung ist ein großes Wort in der Versicherungsvermittlung. Vor allem, wenn es um eine Produkt-Empfehlung geht, die täglich immer noch hundert- und tausendfach ausgesprochen wird. Deshalb hat procontra noch einmal konkret beim vzbv nachgefragt. Tatsächlich möchte Mohn den Satz so nicht freigeben. Das Zitat würde den Kontext verlassen, in dem sie sich geäußert habe.

Stattdessen erklärte Mohn gegenüber procontra: „Ich habe in dem Vortrag darüber gesprochen, dass Altersvorsorgesparen langfristiger Vermögensaufbau ist und dass bei diesem die Dimension der Langfristigkeit und der Verzicht auf die Verfügbarkeit über das Kapital in der Beratung thematisiert werden muss. Und natürlich entsprechend auch die negativen Konsequenzen einer Garantie beim langfristigen Sparen gegenüber den Sparern dargestellt werden müsste. Wenn das aber vernachlässigt wird und trotzdem Garantieprodukte angeboten werden, sind Verbraucher an dieser Stelle falsch beraten.“

Dass Garantien Kapital binden und dadurch die Verzinsungs- beziehungsweise Renditemöglichkeiten eines Altersvorsorgeprodukts beschneiden, ist hinlänglich bekannt. Allerdings ist vielen Verbrauchern bei Altersvorsorge und Geldanlage die Sicherheit ihrer Einzahlungen immer noch am wichtigsten.

Kern-Beratungsthemen

Dieser Wunsch ist vom Makler natürlich zu berücksichtigen. Dennoch sollte er den Kunden auch über die damit verbundenen Nachteile informieren. Dies werde seitens unabhängiger Vermittler aber auch genauso umgesetzt, ist AfW-Vorstand Norman Wirth überzeugt.  „Ich gehe davon aus, dass dies regelmäßig durch die qualifizierten unabhängigen Versicherungsvermittler auch geschieht. Das gehört meines Erachtens nach zu den Kern-Beratungsthemen“, erklärt Wirth. Es gelte, die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden, jedoch auch die Frage der Geeignetheit des Produkts in den Beratungsprozess einfließen zu lassen. „Alles Punkte, die bereits qua Gesetz seit Jahren durch die Vermittler zu beachten sind“, bemerkt Wirth, der den geschilderten Fall daher auch eher für theoretischer Natur hält.

Eine Einschätzung, die auch Martin Klein, Vorstand des Branchenverbands Votum, teilt. „Manchen Kunden ist ein Mehr an Sicherheit wichtig, andere legen Wert auf ein Mehr an Rendite. Die Kunden darüber aufzuklären, dass Garantien in Zeiten von Niedrigzinsen Geld kosten, gehört sicherlich zu den Aufgaben eines guten Vermittlers.“ Dass Makler dieser Aufgabe nachkommen, zeige der Siegeszug fondsgebundener Rentenprodukte, sowohl mit als auch ohne Garantien, sowie das Aufkeimen der Aktienkultur. Zumal  Produkte mit 100-prozentiger Beitragsgarantie immer seltener überhaupt seitens der Versicherer angeboten werden.

„Allein wegen der dann stark eingeschränkten Auswahl wird der Vermittler daher gehalten sein, so wie überall, den Kunden auch bei dieser Thematik auf die möglichen Folgen seines Wunsches hinzuweisen“, ist Klein überzeugt. Doch selbst wenn die Beratung die möglichen Folgen nicht in erforderlicher Tiefe behandelt, nimmt Klein vom großen Wort der Falschberatung Abstand: „Als Anwalt, der auf die Vertretung von Beratern in Haftungsprozessen spezialisiert ist, kann ich aber – entgegen der Aussage von Frau Mohn – feststellen, dass Auseinandersetzungen vor Gericht mit dem Vorwurf der Falschberatung immer nur eingetretene Verluste zum Gegenstand haben und nie vermeintlich nicht erzielte mögliche Gewinne.“

Anm. d. Red.: Bei Veröffentlichung des Artikels war in einer früheren Version im Vorspann die Rede von einem "vermeintlichen" Zitat Dorothea Mohns, das der Versicherungsmonitor aufgegriffen hat. Auf unsere Nachfrage hin wollte Frau Mohn das wörtliche Zitat nicht bestätigen. Da nun ein Audio-Mitschnitt der Veranstaltung vorliegt, durch den die Korrektheit des wörtlichen Zitats von Frau Mohn belegt ist, haben wir uns dazu entschieden den Beitrag entsprechend anzupassen.

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