Nach Flutkatastrophe: Rückversicherer erhöhen Preise

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Hannover Rück rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Rückversicherungspreise. Ein Grund: die Unwetterereignisse diesen Jahres. Gleichzeitig beteiligt sich die Branche auch weiterhin an Kohleprojekten, die den Klimawandel nachweislich begünstigen.

Nach Flut: Rückversicher erhöhen Preise Bild: picture alliance/Zoonar Stefan Ziese

Nach den Unwetterereignissen prognostiziert die Rückversicherungsbranche eine Erhöhung ihrer Policen. Die anhaltende Niedrigzinsphase und die steigenden Preise im Baugewerbe verschärfen die Lage zusätzlich. Bild: picture alliance/Zoonar Stefan Ziese

Die Schäden durch Naturkatastrophen haben in diesem Jahr traurige Rekordhöhen erreicht. Allein die Flutkatastrophe im Juli dieses Jahres hat in Deutschland zu versicherten Schäden von deutlich mehr als acht Milliarden Euro geführt. Bedacht werden müssen außerdem weitere Hagel- und Starkregenereignisse, die die Schadensumme in die Höhe treiben. Die Folge: Rückversicherer passen ihre Preise an. Demnach rechnet der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück mit einem deutlichen Anstieg der Rückversicherungspreise, heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Eine weitere Rolle für die Erhöhung der Preise spielt der Hurrikan „Ida“ in den USA.

„Das Jahr 2021 wird nach den schrecklichen Unwetterkatastrophen im Juni und Juli eines der schadenträchtigsten Jahre im deutschen Markt werden“, sagte Michael Pickel, Chef der deutschen Hannover-Rück-Tochter E+S Rück, am Montag im Rahmen des jährlichen Branchentreffens in Baden-Baden. Die anhaltende Niedrigzinsphase, die steigenden Preise im Baugewerbe und die Zunahme von Cyberattacken verschärfen die Lage zusätzlich. Die E+S Rück erwartet daher spürbare Anpassungen bei Preisen und Konditionen vor allem bei Naturkatastrophendeckungen.

Die Rück- und Erstversicherer treffen sich einmal jährlich für mehrere Tage, um untereinander Konditionen und Verträge in Milliardenhöhe zu verhandeln. In diesem Jahr nehmen knapp 1.500 Rückversicherungsexperten teil. Währenddessen nutzen Umweltaktivisten die erhöhte Aufmerksamkeit und demonstrierten vor dem Kongresshaus: So fordert die Umweltorganisation „Urgewald“ die Assekuranzen auf, Kohlekraftwerke nicht mehr zu versichern und die Investition ihrer Geldanlagen in klimaschädliche Projekte zu beenden. „Dafür, dass eine Kohlemine aufgeschlossen wird, dass ein Kohlekraftwerk gebaut wird, dass ein Gaswerk gebaut wird, dass ein Flüssiggasterminal gebaut wird, braucht es Versicherungen. In dem Maße, wo das nicht mehr passiert, werden solche Projekte viel schwerer zu realisieren“, so Regine Richter von Urgewald gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR).

Undurchsichtige Versicherungspakete

Die Umweltschützer wollen, dass klimaschädliche Großprojekte gestoppt werden, indem Rückversicherer zum Beispiel die Risiken von Kohleminen nicht mehr abdecken. Denn damit fördern diese direkt oder indirekt die Umweltverschmutzung und so auch den Klimawandel. Die Demonstranten bemängeln, dass große Rückversicherer wie Munich Re, Hannover Rück und Swiss Re nur einzelne Projekte mit Bezug zur Kohle einstellen, nicht aber flächendeckend handeln.

Nach Angaben der Hannover Re beteilige man sich mittlerweile nicht mehr an Kohleprojekten, allerdings seien die Versicherungspakete kaum zu durchschauen, weswegen man erst in etwa 17 Jahren damit rechne, komplett „kohlefrei“ zu sein.

Dass ein Rückversicherer seine eigenen Pakete als „undurchsichtig“ bezeichnet, ist zumindest erklärungsbedürftig – wenn nicht irritierend. Zumal sich die Branche insgesamt zu den Klimaschutzzielen bekannt habe. „Das große Ziel ist es erstmal diese Transparenz für unser Geschäft zu bekommen“, so Oliver Süß, Pressesprecher Hannover Re, gegenüber dem SWR. Dann könne auch der Ausstieg sauber umgesetzt werden. „Und das braucht eben ein bisschen mehr Zeit als in unserem sogenannten fakultativen Geschäft, wo wir die Einzelrisiken versichern und dadurch besser kennen.“

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