Mehr Bewusstsein für Pool- und Dienstleisterabhängigkeiten

Martin Thaler Berater

Makler schätzen ihre Unabhängigkeit. Doch für ihre Arbeit sind sie immer häufiger auf externe Dienstleister angewiesen. Der BVK möchte darum das Bewusstsein für bestehende Abhängigkeiten bei den Maklern schärfen.

Das Sachwalterurteil des BGH hat es eigentlich klar gesagt: Versicherungsmakler sind unabhängig und stehen im Lager des Kunden. Doch im Arbeitsalltag stehen auch andere Abhängigkeiten im Raum. Bild: Adobe Stock/rangizzz

Das Sachwalterurteil des BGH hat es eigentlich klar gesagt: Versicherungsmakler sind unabhängig und stehen im Lager des Kunden. Doch im Arbeitsalltag stehen auch andere Abhängigkeiten im Raum. Bild: Adobe Stock/rangizzz

„Der Versicherungsmakler ist Sachwalter des Kunden“ – so betonte im Mai 1985 der Bundesgerichtshof die Unabhängigkeit des Maklers. Auch 36 Jahre später, im Herbst des Jahres 2021, hat sich an diesem Selbstverständnis des Maklers wenig verändert. Nach wie vor ist die eigene Unabhängigkeit ein hohes Gut ist, betonte Andreas Vollmer, Vizepräsident des BVK. Wie es um diese bestellt ist, hat der Vermittlerverband von Professor Dr. Matthias Beenken von der Fachholschule Dortmund untersuchen lassen und nun erste Ergebnisse vorgestellt.  

Wenig überraschend: Unabhängigkeit wird von den meisten der 204 befragten Makler weiterhin als essentiell betrachtet. „Unabhängigkeit von Versicherern und freie Produktauswahl sind den Maklern dabei am wichtigsten“, so Vollmer. 

Allerdings hat sich die Arbeit des Maklers – verglichen mit 1985, dem Jahr des Sachwalter-Urteils – doch merklich verändert. „Die Zeit des rein manuellen Arbeitens ist vorbei, ich kann heute nicht mehr mit Leitz-Ordnern unterm Arm zu meinen Kunden fahren“, machte Vollmer deutlich. Stattdessen sind Makler immer häufiger auf Dienstleister angewiesen, auf Vergleicher, Anbieter von Maklerverwaltungsprogrammen oder Pools. „Versicherungsmakler benötigen Dienstleister, um ihren heutigen Anforderungen gerecht zu werden“, betonte Beenken. „Das können auch Pools sein.“  

Übernahme zentraler Aufgaben hinterfragen

So arbeiten mittlerweile 75 Prozent aller Makler mit mindestens einem Pool zusammen. Laut der aktuellen Maklers-Lieblinge-Umfrage sind es im Schnitt sogar zwei Maklerpools, von denen sich die Makler insbesondere einen breiteren Produkt- und Anbieterzugang erhoffen. Es sind stets nur ausgewählte Bereiche der Wertschöpfungskette (Marktforschung, Bedarfsweckung, Beratung, Vermittlung, Betreuung und sekundäre Aktivitäten), in denen die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern gesucht wird, stellte Beenken klar, jedoch handele es sich hierbei häufig um die Übernahme sehr zentraler Aufgaben. 

Der Makler solle sich bei der Zusammenarbeit mit Pools, aber auch anderen Dienstleistern, wie beispielsweise MVP-Anbietern, darum regelmäßig hinterfragen, wie schwer bestehende Abhängigkeiten wiegen und ob er noch „Herr im eigenen Haus“ ist. Die Übergänge seien hier häufig fließend, bemerkte BVK-Vorsitzender Michael Heinz. Auch wird die Frage, wann wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen, von Unternehmen zu Unternehmen anders bewertet.   

Hier gelte es keine pauschalen Urteile zu fällen, bemerkte Heinz, sondern eine Debatte zu initiieren und erst einmal ein Bewusstsein für das sich womöglich entwickelnde Problem zu schaffen. „Damit leisten wir einen Diskussionsbeitrag zur Weiterentwicklung des Berufsbildes des Maklers, das seit Jahrzehnten vom Wesen der Unabhängigkeit geprägt ist und beibehalten werden sollte.“

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