LGBTIQ+-Community: Diese Hürden gibt es beim Versicherungsschutz

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Homosexuelle Paare und Menschen mit diverser Geschlechtsidentität haben häufig mit versicherungstechnischen Problemen zu tun. Wie ist die finanzielle Unterstützung beim Thema Kinderwunsch ausgestaltet? Welche Kosten werden bei einer Geschlechtsangleichung übernommen? Hier können Berater helfen.

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Die Erstattungsfähigkeit von Kinderwunschbehandlungen oder von operativen Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung: Für Menschen der LGBTIQ+-Community sind viele versicherungstechnische Fragen ungeklärt. Bild: picture alliance

Seit 2012 sind Männer und Frauen im Versicherungswesen gleichgestellt. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen seitdem einheitliche Tarife für beide Geschlechter angeboten werden – denn durch die zuvor unterschiedlich hohen Versicherungsbeiträge seien Frauen diskriminiert worden. Trotzdem gibt es noch geschlechtsspezifische Hürden in puncto Versicherungsschutz, wie der Versicherungsmanager Clark in einer aktuellen Veröffentlichung mitteilt. So würden vor allem Mitglieder der LGBTIQ+-Community immer wieder auf Hürden stoßen.

Wechsel in die PKV während Hormontherapie oft nicht möglich

Dabei treibt besonders das Thema Geschlechtsangleichung diverse Menschen um und lässt viele Fragen aufkommen. Welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, können Betroffene oft nur schwer einzuschätzen. Grundsätzlich gilt: Eine begleitende Psychotherapie und Hormonbehandlungen werden von den Krankenkassen erstattet. Ist eine medizinische Notwendigkeit nachgewiesen, können auch die Kosten für operative Eingriffe übernommen werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn durch eine fehlende Identifikation mit den angeborenen Geschlechtsmerkmalen ein klinisch relevantes Leiden vorliegt. Dabei weisen die Clark-Experten Privatversicherte darauf hin: „Da die private Krankenversicherung grundsätzlich die Möglichkeit hat, einen Vertrag anzufechten oder ihn zu kündigen, ist es wichtig, falls die Transsexualität bei Vertragsabschluss nicht angegeben wurde, dem Versicherer detailliert darzulegen, dass man sich dieser bei Vertragsabschluss noch nicht bewusst war." Würden Trans- oder Intersexuelle von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln wollen, sei dies nach einer Geschlechtsangleichung oder während einer Hormontherapie häufig nicht möglich. Berater sollten deshalb aufklären, was in der jeweiligen Versicherungssituation zu beachten ist.

Auch das Thema Kinderwunsch treibt etliche gleichgeschlechtliche Paare um. Die Kosten für eine künstliche Befruchtung werden von gesetzlichen und privaten Krankenversicherern aber nur dann übernommen, wenn die Kinderlosigkeit auf medizinischen Ursachen beruht. In der Regel müssen die Behandlungskosten daher die gleichgeschlechtlichen Paare aus eigener Tasche begleichen.

Wann werden Kinderwunschbehandlungen erstattet?

Die Erstattungsfähigkeit von Kinderwunschbehandlungen ist immer wieder Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, dabei geht es meist um Hetero-Paare. So gab es beispielsweise 2017 ein Urteil des Karlsruher Oberlandesgerichts, nach dem private Krankenversicherer auch dann die Kosten für eine künstliche Befruchtungen tragen müssen, wenn das zu behandelnde Paar nicht miteinander verheiratet ist. Zuvor galt die Ehe als Voraussetzung für eine Kostenübernahme. Ein weiteres Urteil legte fest, dass der Verweis auf ein „fortgeschrittenes Alter“ der zu behandelnden Frau keine Begründung für eine Verweigerung der Kostenübernahme sei. Diese Entscheidung trafen die Richter am Bundesgerichtshof im Juni 2020. Im konkreten Fall hatte der Versicherer argumentiert, dass aufgrund des Alters der 44-jährigen Frau die Erfolgsaussichten einer Behandlung „eher gering“ seien.

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